Künstliche Befruchtung: Wer trägt die Kosten?

Eine künstliche Befruchtung kann teuer werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur unter bestimmten Voraussetzungen und nur anteilig. Unter Umständen ist eine finanzielle Unterstützung durch Bund und Länder möglich.

Kostenbeteiligung bei gesetzlich Versicherten

Gesetzliche Versicherte haben nach §27a SGB V einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass sich ihre Krankenkasse an „Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft“ beteiligt. Hierfür müssen sie vor Beginn der Behandlung ihrer Krankenkasse einen Behandlungsplan vorlegen. Dieser muss die geplante Behandlung und die anfallenden Kosten enthalten.

Die Kosten für Untersuchungen, mit denen die Ursache der Kinderlosigkeit gefunden werden soll, werden in der Regel vollständig übernommen. Eine alleinige Hormonbehandlung oder hormonelle Stilmulation der Eierstöcke wird von vielen Kassen nur unter bestimmten Bedingungen bezahlt. Findet die hormonelle Stimulation im Rahmen einer Samenübertragung, IVF oder ICSI statt, gehört sie dagegen zur jeweiligen bezuschussbaren Kinderwunschbehandlung.

Im Allgemeinen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung 50 Prozent der Behandlungs- und Medikamentenkosten für

  • bis zu 8 Zyklen einer Insemination ohne vorherige hormonelle Stimulation,
  • bis zu 3 Zyklen einer Insemination mit hormoneller Stimulation,
  • bis zu 3 Zyklen einer IVF oder einer ICSI-Behandlung.

Die Behandlungen können bei Bedarf und je nach ärztlicher Beurteilung der Erfolgsaussichten nacheinander in Anspruch genommen werden, wenn die vorangegangenen Methoden erfolglos waren. Nur die jeweils drei Zyklen IVF und ICSI schließen einander aus: Entweder wird IVF oder ICSI angewandt. Allerdings wird eine dritte Behandlung im Allgemeinen nur dann zur Hälfte bezahlt, wenn es bei mindestens einer der ersten zwei Behandlungen zur Befruchtung einer Eizelle im Labor gekommen ist.

Gesetzliche Krankenkassen dürfen ihren Versicherten über die 50-prozentige Kostenbeteiligung hinaus weitere freiwillige Mehrleistungen bis zu einer 100-prozentigen Kostenübernahme anbieten. Die Höhe und die Voraussetzungen können sich von Kasse zu Kasse unterscheiden. Deshalb ist es ratsam, sich vor der Behandlung genau über die Leistungen der eigenen Krankenkasse zu informieren.

Folgende grundsätzliche Voraussetzungen für eine Kostenbeteiligung der gesetzlichen Krankenkasse müssen erfüllt sein:

  • Das Paar ist verheiratet, und es werden ausschließlich Ei- und Samenzellen der beiden Ehepartner verwendet.
  • Beide Ehepartner sind mindestens 25 Jahre alt. Die Frau ist höchstens 40 Jahre und der Mann höchstens 50 Jahre alt.
  • Die Behandlung ist medizinisch notwendig. Das ICSI-Verfahren ist aus ärztlicher Sicht dann notwendig, wenn in zwei Spermiogrammen eine schwere männliche Fruchtbarkeitsstörung gesehen wird.
  • Es ist ärztlich bescheinigt, dass die Behandlung ausreichende Erfolgsaussichten hat.
  • Beide Partner haben vor der Behandlung einen HIV-Test machen lassen (ein HIV-Test weist das AIDS-auslösende Virus HIV nach).
  • Beide Partner haben sich zu den medizinischen und psychosozialen Aspekten der künstlichen Befruchtung beraten lassen.

    Führt die Behandlung zur Geburt eines Kindes, hat ein Paar erneut Anspruch auf die zulässige Höchstzahl der jeweiligen Behandlungsmethode, wenn es sich ein weiteres Kind wünscht. Als Geburt gilt die Lebend- oder Totgeburt eines Kindes, nicht jedoch eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft oder eine Fehlgeburt.

    Eine Behandlung, nach der sich eine Schwangerschaft im Ultraschall nachweisen lässt (klinische Schwangerschaft), aber nicht zur Geburt eines Kindes führt, wird nicht gerechnet.

    Die gesetzlichen Krankenkassen fassen eine Kinderwunsch-Therapie als Behandlung eines Paares auf und verteilen die Kosten auf beide Partner. Das heißt, die gesetzliche Krankenkasse der Frau übernimmt – anteilig – die bei ihr anfallenden Kosten, zudem in der Regel die Kosten für die verpflichtende ärztliche Beratung vor der Behandlung sowie die Kosten, die im Labor entstehen. Die Krankenkasse ihres Partners ist für die bei ihm entstehenden Kosten zuständig, außerdem für Kosten, die durch die ärztliche Beratung im Vorfeld einer ICSI und gegebenenfalls für eine humangenetische Beratung anfallen.

    Kostenbeteiligung bei privat Versicherten

    Die Regelungen der privaten Krankenkassen sind sehr unterschiedlich. Voraussetzung für eine Kostenübernahme oder -beteiligung ist, dass bei der oder dem Versicherten eine organische Ursache für die Unfruchtbarkeit gefunden wird. Lässt sich diese nicht feststellen, ist die Krankenkasse nicht verpflichtet, Kosten für die Behandlung zu übernehmen. Je nach Versicherungsvertrag gelten keine Altersgrenzen, und die Anzahl der Versuche ist – wenn nicht anders vereinbart – nicht pauschal vorgegeben. Vor Beginn einer Behandlung ist es deshalb wichtig, die Kostenübernahme einzelner Behandlungen mit der Kasse zu klären.

    Sind beide Partner privat versichert, können sie für eine Kinderwunsch-Behandlung häufig mehr Leistungen in Anspruch nehmen als gesetzlich versicherte Paare. Die privaten Krankenkassen verfahren nach dem „Verursacherprinzip“. Das bedeutet beispielsweise, dass bei männlicher Sterilität (eingeschränktes Spermiogramm) die private Krankenkasse des Mannes sämtliche Kosten der Behandlung übernimmt, auch wenn die Ehefrau ebenfalls gesetzlich versichert ist.

    Einschränkungen und Ausnahmen

    Unverheiratete Paare erhalten für die Kosten einer Kinderwunschbehandlung keine Zuschüsse von ihrer gesetzlichen Krankenversicherung.

    Auch nach einer vorherigen Sterilisation besteht kein Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zur künstlichen Befruchtung, es sei denn, die Sterilisation wurde aus medizinischen Gründen vorgenommen.

    Die Kosten einer Samenübertragung mit Spendersamen werden in der Regel weder von den gesetzlichen noch von den privaten Krankenkassen übernommen. Dies gilt auch für eine IVF oder ICSI mit Spendersamen.

    Die Kosten für das Einfrieren von Samen- und befruchteten Eizellen oder Behandlungen wie Assisted Hatching oder Polkörperdiagnostik müssen in der Regel privat bezahlt werden. An operativen Verfahren zur Gewinnung von Samenzellen (TESE, MESA) beteiligen sich dagegen die meisten Krankenkassen.

    Für Behandlungen in anderen EU-Staaten werden nur Kosten für diejenigen Leistungen übernommen, die auch in Deutschland erstattungsfähig sind. Außerdem müssen sämtliche Behandlungen mit dem deutschen Embryonenschutzgesetz in Einklang stehen. Die Belastungsgrenze für private Zuzahlungen zu Krankheitskosten in Höhe von zwei Prozent des Jahreseinkommens gilt für Fruchtbarkeits-Behandlungen nicht.

    Unter Umständen können die Kosten einer Kinderwunschbehandlung als „Krankheitskosten“ steuerlich geltend gemacht werden.

    Zusätzliche finanzielle Unterstützung

    Auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellt finanzielle Mittel zur Unterstützung ungewollt kinderloser Paare zur Verfügung. Diese Bundesmittel sind jedoch daran geknüpft, dass sich das Bundesland, in dem das Paar seinen Hauptwohnsitz hat, in mindestens gleicher Höhe wie der Bund an den Behandlungskosten beteiligt.

    Um herauszufinden, ob in Ihrem Bundesland für Sie die Möglichkeit einer solchen finanziellen Unterstützung besteht, können Sie den Förder-Check im Informationsportal Kinderwunsch machen. 

    Mithilfe dieser Zuschüsse, die die Kostenbeteiligungen der Krankenversicherungen ergänzen, kann der Eigenanteil an den Behandlungskosten erheblich gesenkt werden.

    Bisher nehmen die Länder Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an der Bundesinitiative teil. Dabei gelten in jedem Bundesland unterschiedliche Bedingungen für eine finanzielle Unterstützung bei Kinderwunschbehandlungen. Auch Art und Höhe der Zuwendungen variieren. Teilweise werden auch Kosten für nicht verheiratete Paare übernommen.

    Es lohnt, sich beim jeweils zuständigen Landesministerium zu informieren. Auf der vom Bundesministerium eigens dafür eingerichteten Internetseite www.informationsportal-kinderwunsch.de finden sich alle wichtigen Informationen über die Bundesinitiative, den Fortgang der Bund-Länder-Zusammenarbeit, die speziellen Richtlinien in den Ländern und die Voraussetzungen für eine zusätzliche finanzielle Unterstützung. Außerdem finden Sie hier eine spezielle bundesweite Datenbank mit Suchfunktion nach vertraulicher, individueller Kinderwunschberatung in Ihrer Nähe.

    Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.12.2018