Mögliche Untersuchungen

Bleibt eine erwünschte Schwangerschaft aus, sollten sich immer beide Partner untersuchen lassen. Auch beim Mann gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, den Ursachen einer eingeschränkten Fruchtbarkeit auf die Spur zu kommen.

Fruchtbarkeits-Untersuchungen beim Mann führt meist eine Ärztin oder ein Arzt aus den Fachbereichen der Urologie oder Andrologie durch. Am Beginn steht ein ausführliches Gespräch (Anamnese) über frühere oder akute Erkrankungen und andere möglicherweise fruchtbarkeitsstörende Einflüsse. Dazu gehören vor allem ein Hodenhochstand, Entzündungen der Geschlechts- und Beckenorgane, Verletzungen und Operationen, Allgemeinerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, ein ungewöhnlicher Verlauf der körperlichen Entwicklung in der Pubertät sowie Erbkrankheiten in der Familie.

Vergangene oder laufende medikamentöse Behandlungen, die den Hormonkreislauf des Mannes beeinflussen können, werden erfragt. Auch der Konsum von Genussgiften wie Alkohol oder Tabak und mögliche Umweltbelastungen zu Hause oder am Arbeitsplatz sind ein Thema. Außerdem kann die Ärztin oder der Arzt Fragen zu den aktuellen Lebensgewohnheiten und dem Sexualleben stellen.

Der Mann wird auch körperlich untersucht, um mögliche Störungen zu erkennen. Dabei tastet die Ärztin oder der Arzt zum Beispiel die Hoden, Nebenhoden und Samenleiter ab und untersucht per Ultraschall gegebenenfalls auch die Prostata und die Harnwege.

Untersuchung des Samens

Befüllter Spermabecher
© BZgA/HN/Eichhöfer

In den meisten Fällen liefert die Untersuchung einer Samenprobe des Mannes wichtige Hinweise auf eine mögliche Fruchtbarkeitsstörung. Für den Samentest wird meist ein zusätzlicher Termin vereinbart. Vor diesem Samentest sollte der Mann zwei bis maximal sieben Tage keinen Samenerguss (Ejakulation) haben.

Im Allgemeinen gewinnt der Mann die Samenprobe durch Selbstbefriedigung (Masturbation) in einem abgeschiedenen Raum der Arztpraxis. Nach Absprache ist dies unter Umständen auch zu Hause möglich.

Bei der Fruchtbarkeits-Untersuchung der Samenflüssigkeit im Labor wird zunächst die Anzahl der Spermien pro Milliliter beziehungsweise die Gesamtzahl der Spermien in der Samenflüssigkeit bestimmt. Untersucht werden darüber hinaus die Form und Beweglichkeit der Spermien, der pH-Wert der Samenflüssigkeit sowie zahlreiche weitere Eigenschaften. Die ermittelten Werte werden in einem Spermiogramm dokumentiert.

In der Regel gilt eine Gesamtzahl von mindestens 39 Millionen Spermien (oder eine Konzentration von 15 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat) mit mehr als 32 Prozent vorwärts beweglichen und mindestens 4 Prozent normal geformten Spermien als unterer Normbereich. Die durchschnittliche Menge an Flüssigkeit pro Samenerguss beträgt mindestens 1,5 Milliliter.

Ergibt der Samentest abweichende Werte, wird er meist acht bis zwölf Wochen später wiederholt. Begleitend sollte der Hoden immer per Ultraschall untersucht werden, da Männer mit einer Störung der Zeugungsfähigkeit ein höheres Risiko für krankhafte Veränderungen des Hodens haben. Darüber hinaus ergänzen Hormonanalysen die Samenuntersuchung, um Störungen der Hormonproduktion erkennen zu können. Zeigen sich im zweiten Spermiogramm erneut deutliche Normabweichungen, sind unter Umständen weitere Untersuchungen nötig. Das können weitergehende Bluttests (zum Beispiel genetische Untersuchungen) oder eine Überprüfung des Ejakulates auf Anzeichen von Entzündungen sein.

Hormonuntersuchungen

Mit einer Hormonuntersuchung kann die Ärztin oder der Arzt prüfen, ob die hormonelle Steuerung der Hodenfunktion gestört ist. Die Untersuchung wird häufig durchgeführt, wenn in der Samenflüssigkeit nur sehr wenige befruchtungsfähige Spermien zu finden sind.

Die komplexen Hodenfunktionen – und damit auch die Produktion von Samenzellen – sind abhängig von der Bildung und Ausschüttung bestimmter Hormone. Dazu zählen vor allem das follikelstimulierende Hormon (FSH), das Testosteron und das luteinisierende Hormon (LH). Die zusätzliche Bestimmung des Hormons Inhibin B bringt nur in seltenen Fällen zusätzliche Informationen. 

Eine erhöhte Konzentration des Hormons Prolaktin kann auf eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse hinweisen und die Bildung von FSH, Testosteron oder LH und somit auch die Hodenfunktion stören. Medikamente können den Prolaktin-Spiegel senken und die Hodenfunktion wieder normalisieren.

Bildet der Körper zu wenig von den Steuerungshormonen LH und FSH, muss die Ursache geklärt werden. Die Hormone können durch Medikamente ersetzt werden. Eine Behandlung führt bei über 80 % der davon betroffenen Patienten zu einer Normalisierung der Hodenfunktion.

Sind die Hormone LH und FSH oder FSH allein erhöht, ist das ein Hinweis auf eine Schädigung des Hodengewebes. Eine Behandlung dieser Störung ist nur selten möglich.

Ultraschall des Hodens

Bei der Ultraschall-Untersuchung des Hodens werden die Gewebestrukturen des Hodens und des Nebenhodens betrachtet. Die Untersuchung ist wichtig, da Männer mit einer Störung der Zeugungsfähigkeit ein höheres Risiko haben, an einem Hodentumor zu erkranken.

Darüber hinaus wird bei der Ultraschall-Untersuchung die Hodengröße gemessen, die Einfluss auf die Fähigkeit des Hodens hat, Spermien produzieren zu können. Ein Hodenvolumen unter 12 Millilitern kann ein erster Hinweis auf eine Hormonstörung oder eine angeborene Entwicklungsstörung sein.

Zusätzlich kann die Ärztin oder der Arzt mit dem Ultraschall das Gefäßsystem des Hodens untersuchen und auf diese Weise etwa eine Krampfader (Varikozele) feststellen. Eine Varikozele findet sich bei etwa jedem fünften Mann und kann möglicherweise eine Störung der Zeugungsfähigkeit mitverursachen. Auf Grundlage der Ergebnisse der Samen- und Hormonuntersuchung kann entschieden werden, ob die Behandlung einer Varikozele sinnvoll ist.

Genetische Fruchtbarkeits-Untersuchung

Bei einer sehr geringen Spermienzahl kann überprüft werden, ob genetische Abweichungen vorliegen, die für das Problem verantwortlich sind. Dazu wird eine Blutprobe im Labor kultiviert, die auf genetische Störungen wie beispielsweise das Klinefelter-Syndrom (200 von 100.000 Männern sind davon betroffen) untersucht werden kann. Zusätzlich lassen sich damit Veränderungen des männlichen Y-Chromosoms und andere Chromosomenstörungen erkennen. Insbesondere bei Männern mit weniger als 10 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat sind diese Untersuchungen sinnvoll.

Bei Männern, bei denen beispielsweise die Samenleiter nicht angelegt sind, kann die Untersuchung des Gens für die sogenannte Zystische Fibrose (Mukoviszidose) angeboten werden.

Bei allen genetischen Untersuchungen schreibt das Gendiagnostikgesetz vor, dass die Ärztin oder der Arzt über Wesen, Aussagekraft und Zweck der Untersuchung aufklärt und eine schriftliche Einwilligung des Patienten einholt.

Gewebeprobe aus den Hoden (Hodenbiopsie)

Finden sich im Ejakulat nur wenige oder keine Samenzellen, lässt sich anhand einer Gewebeprobe (Biopsie) feststellen, ob die Hoden grundsätzlich Spermien produzieren. Ist dies der Fall, können die gewonnenen Hodenproben mit den darin enthaltenen Samenzellen tiefgefroren werden (Kryokonservierung), um sie für eine mögliche spätere künstliche Befruchtung nutzen zu können. Damit kann die Hodenbiopsie sowohl Teil der Diagnostik als auch schon der Behandlung einer Fruchtbarkeitsstörung sein: Beide Eingriffe werden miteinander kombiniert, damit der Patient nicht zweimal operiert werden muss.

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Wird die Gewebeprobe zur Gewinnung von Spermien direkt aus den Hoden (Testes) entnommen, heißt das Verfahren „Testikuläre Spermienextraktion“ (TESE). In seltenen Fällen können Spermien auch aus der Flüssigkeit der Nebenhoden (Epididymis) gewonnen werden. Dieses Verfahren wird „Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration“ (MESA) genannt. In beiden Fällen werden die gewonnenen Spermien kryokonserviert, um sie für eine künstliche Befruchtung verwenden zu können.

Der Einsatz einer TESE oder MESA sollte gut abgewogen und nur in einem Zentrum oder einer Klinik mit viel Erfahrung darin geplant werden. Es gibt verschiedene Operationsverfahren, die unterschiedlich erfolgreich sind. So wird beispielsweise bei Patienten mit einer nur sehr geringen Spermienbildung die TESE in einer speziellen Operationstechnik unter einem Operationsmikroskop durchgeführt (mikrochirurgische TESE oder mikroskopisch assistierte TESE), um die Erfolgsaussichten zu verbessern. Es gibt jedoch keine Garantie dafür, dass Spermien gefunden und entnommen werden können.

Beide Eingriffe finden im Allgemeinen ambulant statt und sind mit den üblichen Operationsrisiken verbunden. Dazu zählen allergische Reaktionen auf Betäubungsmittel, Nachblutungen und Infektionen. In seltenen Fällen können Schmerzen nach dem Eingriff anhalten. Möglich ist auch, dass die Entnahme von Hodengewebe zu einer Verkleinerung eines oder beider Hoden führt. In Ausnahmefällen kann es zum Absterben des Hodens kommen.

Insgesamt sind Nebenwirkungen der Behandlung selten. Ist bereits vor der Operation die Hormonproduktion des Hodens eingeschränkt, wird nach der Behandlung eine Ersatztherapie mit Testosteron eingeleitet. Vor einer TESE kann eine Vorbehandlung mit hormonstimulierenden Medikamenten sinnvoll sein.

Untersuchung nach dem Geschlechtsverkehr (Postkoitaltest)

Falls der Mann genügend befruchtungsfähige Spermien produziert und die Frau einen Zyklus mit Eisprung hat, kann der sogenannte Postkoital- oder „Morgen-danach“-Test gemacht werden. Dabei wird untersucht, ob nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr genügend Spermien durch den Gebärmutterhals in Richtung Gebärmutter und Eileiter wandern können.

Ein bis drei Tage vor dem Eisprung dokumentiert die Ärztin oder Arzt die Beschaffenheit des Gebärmutterhalsschleims (Zervixschleims) der Frau. Hat das Paar kurz danach Geschlechtsverkehr, wird der Zervixschleim einige Stunden später erneut untersucht, um zu sehen, ob und wie viele befruchtungsfähige Spermien sich darin befinden. Der Test kann unter anderem Hinweise geben, ob es Unverträglichkeitsreaktionen zwischen den Bestandteilen des weiblichen Zervixschleims und den männlichen Spermien gibt. Da die Aussagekraft des Tests in der Reproduktionsmedizin umstritten ist, führen einige Behandlungszentren ihn nicht mehr durch.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 22.02.2017