Der Samentest: Bin ich fruchtbar?

Die Zeugungsfähigkeit des Mannes hängt davon ab, ob genügend Samenzellen (Spermien) eine Eizelle befruchten können. Die Befruchtungsfähigkeit der Spermien wird mit einem Samentest untersucht.

Frau mit Mikroskop
© Corbis Images

Die Fruchtbarkeit eines Mannes wird in einer Praxis für Urologie oder Andrologie untersucht. Nach einem ausführlichen Gespräch über akute oder vergangene Erkrankungen, die Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben können, sowie einer körperlichen Untersuchung wird ein Termin für einen Samentest vereinbart. Vor einem Test sollte der Mann zwei bis drei Tage keinen Samenerguss (Ejakulation) haben.

Meist wird die Samenprobe durch Selbstbefriedigung (Masturbation) in einem abgeschiedenen Raum der Arztpraxis gewonnen. Nach Absprache ist es jedoch vielleicht auch möglich, dies zu Hause zu tun.

Bei der Untersuchung der Samenflüssigkeit (Ejakulat) wird nicht nur die Menge an Spermien pro Samenerguss gemessen, sondern auch ihre Form, ihre Beweglichkeit, der pH-Wert der Samenflüssigkeit sowie zahlreiche weitere Eigenschaften.

Eckdaten des Samentests

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Richtlinien zur Beurteilung befruchtungsfähiger Spermien erarbeitet, nach denen auch in Deutschland Samenproben beurteilt werden. Die Zusammenstellung der erhobenen Eigenschaften wird als Spermiogramm bezeichnet.

Hormonuntersuchungen

Hormonuntersuchungen werden durchgeführt, wenn sich im Spermiogramm eine sehr geringe Anzahl an Spermien findet. Die Hodenfunktionen – und damit die Bildung von Samenzellen – sind von der Bildung und Ausschüttung bestimmter Hormone abhängig. Durch Hormonwertbestimmungen des Blutes lassen sich Störungen im Hormonhaushalt feststellen.

Normalwerte eines Spermiogramms

Volumen in ml

mindestens 1,5 ml

Gesamtzahl Spermien

mindestens 39 Mio.

Anteil lebender Spermien

mindestens 58 %

Spermien pro ml

mindestens 15 Mio.

pH-Wert

zwischen 7 und 8

Anteil gut beweglicher Spermien

mindestens 32 %

Anteil mit normaler Form

mindestens 4 %

Zahl weißer Blutkörperchen

unter 1 Mio. pro ml

Verflüssigungszeit

zwischen 30 und 60 Minuten

MAR-Test

unter 50 % Spermien-Antikörper

Finden sich im Spermiogramm nicht nur Normalwerte, wird der Test meist acht bis zwölf Wochen später wiederholt. Falls sich dabei immer noch deutliche Normabweichungen zeigen, sind unter Umständen weitere Untersuchungen nötig. Das kann zum Beispiel eine Hormonuntersuchung sein oder eine Ultraschall-Untersuchung der Samenwege.

Hormonelle Störungen oder Infektionen (etwa durch Chlamydien) können unter Umständen medikamentös behandelt werden, blockierte Samenwege lassen sich eventuell operativ passierbar machen. In vielen Fällen lässt sich aber keine eindeutige Ursache für eine eingeschränkte Fruchtbarkeit finden.

Je nach Ausprägung der Fruchtbarkeitsstörung kommen verschiedene Verfahren der künstlichen Befruchtung infrage. Sie können helfen, den Kinderwunsch trotz eingeschränkter Fruchtbarkeit zu erfüllen. Dazu zählen unter anderen die Samenübertragung in die Gebärmutter (Insemination), die In-vitro-Fertilisation (IVF), die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), die Testikuläre Spermienextraktion (TESE) und die Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA).

Kosten

Wird das Sperma des Mannes untersucht, um mögliche Ursachen eines unerfüllten Kinderwunsches abzuklären, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen im Allgemeinen alle anfallenden Kosten. Ansonsten wird die Untersuchung des Samens als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) privat abgerechnet und kostet inklusive Auswertung und Beratung ca. bis zu 70 Euro.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.01.2017