Angst vorm Samentest?

Bei dem Gedanken an einen Samentest verspüren nicht wenige Männer großen Widerwillen. Sie fürchten die Situation in der Arztpraxis, noch mehr aber das mögliche Ergebnis des Samentests. Männliche Unfruchtbarkeit ist immer noch ein Tabu.

Bleibt die erhoffte Schwangerschaft aus, sucht meist zuerst die Frau ärztlichen Rat und lässt mögliche Ursachen klären. Die Gründe für eine ungewollte Kinderlosigkeit liegen aber bei etwa der Hälfte aller Paare auch oder allein beim Mann. Daher bittet die Ärztin oder der Arzt den Partner im Regelfall bald um einen Samentest.

Dennoch kommt es vor, dass Monate oder gar Jahre vergehen, bis Männer sich zu einem Samentest durchringen können – obwohl sich die Partnerin bereits hat untersuchen lassen oder gar schon behandelt wird. Dadurch verstreicht oft wertvolle Zeit, denn mit dem Älterwerden sinken die Erfolgschancen einer möglichen Kinderwunsch-Behandlung.

Der Mann sollte seinen Samen immer auch dann untersuchen lassen, wenn bei der Partnerin eine Fruchtbarkeitsstörung bereits festgestellt wurde. Ist ebenso seine Fruchtbarkeit beeinträchtigt, hilft es nicht, allein die Frau zu behandeln.

Fruchtbarkeit und Männlichkeit

Lange Zeit hat die Medizin die Augen davor verschlossen, dass die Ursache für eine ausbleibende Schwangerschaft auch beim Mann liegen kann. Richtwerte für befruchtungsfähiges Sperma wurden erst 1980 durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt. Davor suchte man die Ursachen von ungewollter Kinderlosigkeit fast ausschließlich bei der Frau.

Die Gründe für diesen „blinden Fleck“ der Wissenschaft liegen vor allem in der engen Verknüpfung von Potenz und Männlichkeit. Ein „männlicher“ Mann gilt im Allgemeinen automatisch als potent. Ein potenter Mann hat wiederum in der Lage zu sein, viele Kinder zu zeugen …

„Ich bin fit und somit fruchtbar!“

Ein ungünstiger Laborbefund (Spermiogramm) trifft die meisten Männer völlig unvorbereitet. Sie fühlen sich nicht krank, sie haben Sex und Orgasmen und ejakulieren ganz normal. Sie funktionieren, sind gesund und gehen deshalb davon aus, auch fruchtbar zu sein. Die Nachricht, dass sich zu wenige oder gar keine befruchtungsfähigen Spermien in ihrem Ejakulat befinden, kann sie daher tief in ihrem Selbstverständnis als Mann treffen – zumal sie das vermeintliche Urteil über ihre Männlichkeit auch noch schriftlich bekommen.

Obwohl Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit nichts mit Männlichkeit oder Potenz zu tun haben, kann die Seele leiden. Manche Männer, die erfahren, dass sie auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, reagieren mit plötzlicher Unlust beim Geschlechtsverkehr. Das Wissen, dass nichts „passieren“ kann, lässt Sex mit einem Mal sinnlos erscheinen.

Männer trauen sich häufig nicht, ihre Sorgen und Befürchtungen mit ihrer Partnerin oder einer anderen Vertrauensperson zu bereden. Und so kommt es, dass manche ihre Partnerin über lange Zeit mit dem Versprechen vertrösten, bald einen Samentest machen zu lassen, sich dann aber doch nicht dazu durchringen können.

Der Weg zum Samentest

Die meisten Männer kostet es Überwindungskraft, in einer Arztpraxis auf Kommando zu masturbieren, um eine Samenprobe abgeben zu können. Das ist verständlich, denn unter normalen Umständen wird es Männern nicht abverlangt, etwas derart Intimes in einer Arztpraxis zu tun. Daher lohnt sich eine gute Vorbereitung auf diese Situation. Dazu gehört zum Beispiel, sich von Freunden und Bekannten gute Urologen oder Andrologen empfehlen zu lassen und zu erfragen, wie die Bedingungen für Samentests in der jeweiligen Praxis sind.

Darüber reden tut gut

Drei Männer am Tisch im Gespräch
© BZgA/HN/Eichhöfer

Wird eine Fruchtbarkeitsstörung diagnostiziert, ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, diese Tatsache seelisch zu verarbeiten. Dazu braucht es ein vertrauensvolles Arzt-Patient-Verhältnis und vielleicht auch Gespräche mit anderen Männern oder Paaren, die ebenfalls Probleme mit der Erfüllung ihres Kinderwunsches haben.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 22.02.2017