Entwicklung der Kinder nach einer Fruchtbarkeits-Behandlung

In Deutschland werden jährlich mehrere tausend Kinder nach einer Fruchtbarkeits-Behandlung geboren. In den meisten Fällen verläuft sowohl die Schwangerschaft als auch die Entwicklung dieser Kinder ganz normal. Es gibt jedoch auch Risiken.

Kleinkind mit Baby
© Corbis Images

Eine Schwangerschaft ist für Menschen, die sich einer Fruchtbarkeits-Behandlung unterzogen haben, oft etwas besonders Kostbares. Entsprechend vorsichtig verhalten sich die meisten werdenden Eltern nach einer erfolgreichen künstlichen Befruchtung. Die Schwangerschaften und Geburten nach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) verlaufen aber meist völlig normal.

Untersuchungen zeigen, dass sich nach einer Fruchtbarkeits-Behandlung gesund geborene Kinder (Einlinge) körperlich und psychisch genauso entwickeln wie Kinder, die auf natürlichem Weg gezeugt wurden. Auch hinsichtlich der Freuden und Probleme beim Größerwerden zeigen sich bei den sogenannten IVF-Kindern keine Unterschiede.

Schwangerschaft und Geburt nach IVF

Schwangerschaften nach künstlicher Befruchtung werden besonders gut überwacht, denn die Rate der Fehlgeburten liegt höher als bei Schwangerschaften, die auf natürlichem Weg entstanden sind. Fachleute gehen davon aus, dass für das erhöhte Fehlgeburtsrisiko vor allem das durchschnittlich höhere Alter der Frauen verantwortlich ist, die sich einer Fruchtbarkeits-Behandlung unterziehen. Möglicherweise spielt aber auch die künstliche Befruchtung selbst eine Rolle.

Nach einer Fruchtbarkeits-Behandlung werden mehr Klinikaufenthalte in der Schwangerschaft beobachtet. Das liegt wahrscheinlich an der Vorsicht der Ärztinnen, Ärzte und der Frauen selbst, die diese Schwangerschaft ganz besonders behüten möchten.

Auch die Rate der Entbindungen durch Kaiserschnitt liegt etwas höher. Einer der wichtigsten Gründe hierfür ist die größere Zahl an Mehrlingsschwangerschaften mit ihrer erhöhten Komplikationsrate. Dass auch Einlinge nach IVF oder ICSI häufiger per Kaiserschnitt geboren werden als auf natürlichem Weg gezeugte Kinder, könnte ebenfalls an der erhöhten Vorsicht und Besorgnis der Paare, Ärztinnen und Ärzte liegen.

Das Risiko von Fehlbildungen durch IVF und ICSI

Nach einer natürlichen Befruchtung treten bei etwa jeder 15. Schwangerschaft kindliche Fehlbildungen auf, nach künstlicher Befruchtung bei etwa jeder zwölften.

Nach einer ICSI-Behandlung entwickeln die Kinder häufiger Chromosomen-Abweichungen als nach anderen Methoden der Fruchtbarkeits-Behandlung und im Vergleich zu natürlich gezeugten Kindern. Es gibt Hinweise, dass das Fruchtbarkeitsproblem, das eine ICSI-Behandlung nötig gemacht hat, möglicherweise auch häufiger zu Auffälligkeiten der Kinder führt. Es ist aber auch nicht völlig auszuschließen, dass die Behandlung selbst für das höhere Fehlbildungsrisiko verantwortlich ist.

Spastische Bewegungsstörungen infolge einer frühkindlichen Hirnschädigung treten nach einer Fruchtbarkeits-Behandlung häufiger auf. Dies liegt vermutlich an der höheren Rate an Mehrlings- und Frühgeburten.

Das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften

Nach einer Fruchtbarkeits-Behandlung kommt es überdurchschnittlich häufig zu Mehrlingsschwangerschaften. Statistisch gesehen verteilen sich die fortbestehenden Schwangerschaften nach dem Einpflanzen von Embryonen auf etwa 80 Prozent Einlinge, 20 Prozent Zwillinge und weniger als ein Prozent Drillinge. Heute werden immer seltener drei Embryonen in die Gebärmutter gegeben. Für Frauen unter 38 Jahren wird in den ärztlichen Richtlinien zur künstlichen Befruchtung empfohlen, maximal zwei Embryonen zu übertragen.

Während Zwillinge gute Aussichten auf eine gesunde Entwicklung haben, sind Drillinge in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung häufig gefährdet, da für sie das Risiko einer Frühgeburt besonders hoch ist. Durch die Betreuung auf speziellen Frühgeborenen-Stationen haben heute aber auch zu früh geborene Kinder gute Chancen, zu überleben und sich gesund zu entwickeln. Manche der Kinder bleiben allerdings in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung beeinträchtigt.

Belastungen durch Mehrlingsgeburten

Frühgeborene Mehrlinge müssen nach der Geburt oft noch lange in der Klinik bleiben und benötigen eine intensive medizinische Betreuung. Die Eltern bangen in dieser Zeit um ihren Nachwuchs. Die Angst, dass nach der gelungenen Fruchtbarkeits-Behandlung nun doch nicht alles normal verläuft, zerrt an den Nerven und führt zu weiteren Belastungen.

Der Alltag zu Hause mit Mehrlingen kann ihre Eltern körperlich wie psychisch an ihre Grenzen bringen. Vor allem Familien mit Drillingen sind aus medizinischer und psychologischer Sicht oft stark belastet. So kommt es bei Drillingen im Vergleich zu Familien mit Einlingen deutlich häufiger zu Verhaltens- und Sprachstörungen. Mehrlingsmütter erkranken öfter an Depressionen, zudem trennen sich Mehrlingseltern häufiger.

Paare sollten deshalb vor einer Fruchtbarkeits-Behandlung auch an solche möglichen Belastungen denken und sich fragen, ob sie sie tragen könnten. Wichtig ist auch, mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, ob eine zurückhaltende Hormonstimulation möglich ist und/oder bei einer IVF oder ICSI nur zwei Embryonen in den Körper übertragen werden können. Dies kann bei manchen Frauen allerdings die Chancen verringern, dass eine Schwangerschaft zustande kommt.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 21.08.2012