Beckenendlage: Mit dem Po voran

Fünf Prozent aller Kinder liegen zur Geburt mit dem Po voran im Beckenausgang der Mutter. Können sie auf normalem Weg geboren werden? Wann ist bei einer Beckenendlage ein Kaiserschnitt nötig?

Eine Beckenendlage wird auch als Steißlage bezeichnet. Das Kind liegt dabei mit dem Kopf direkt unterhalb des Rippenbogens der Mutter. Die Beine des Ungeborenen können dabei entweder am Bauch in die Höhe geschlagen sein, oder es liegt mit einem oder beiden Füßen voran oder hockt mit den Füßen neben dem Steiß.

Dreht sich das Kind nicht selbst in die Schädellage und bleibt ein Wendungsversuch von außen erfolglos, muss das Kind entweder mit dem Po zuerst geboren werden oder durch einen Kaiserschnitt.

Geburtsverlauf bei einer Beckenendlage

Mutter mit Neugeborenem © Getty Images
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Der Geburtsverlauf bei einer Vaginalgeburt ist für ein Kind in Beckenendlage etwas anstrengender als bei einer Schädellage. Das Kind muss sich mit dem Steiß im Geburtsweg genauso einfügen und drehen, als würde es mit dem Kopf zuerst kommen. Sobald der Po draußen ist, rutscht der Kopf in den Beckenring. Da es hier sehr eng ist, drückt das Köpfchen auf die Nabelschnur und verringert damit die Versorgung und Sauerstoffzufuhr. Deshalb muss  das Kind dann schnell vollständig geboren werden.

Der Kopf muss die gleichen Drehbewegungen machen wie vorher der Körper. Um dies zu erleichtern, wird das Kind von der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt mit bestimmten Handgriffen gedreht und hochgehoben. Die Gebärende muss dabei gut mit den Geburtshelfern kooperieren und kann nicht immer die für sie angenehmste Körperhaltung einnehmen. Deshalb ist die letzte Phase der Geburt eines Kindes in Beckenendlage für die Mutter oft beschwerlich.

Bei einer Beckenendlage wird meist eine Periduralanästhesie empfohlen, damit die werdende Mutter keine Schmerzen hat und entspannen kann. Außerdem ist ein Dammschnitt in der Regel nicht zu vermeiden.

Risiken bei einer Geburt in Beckenendlage

Wenn der Po des Kindes vorangeht, dehnt er die Wände des Geburtswegs nicht so stark, wie es normalerweise das Köpfchen tut. Dies kann zu einer Wehenschwäche und Verzögerungen führen, was sich aber mithilfe eines Wehentropfes ausgleichen lässt.

Kommt es zu Verzögerungen bei der Geburt des Kopfes, kann die abgeklemmte Nabelschnur zu einer kurzzeitigen Mangelversorgung mit Sauerstoff führen.

Ein Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken kann dazu führen, dass sich der nachfolgende Kopf nicht passgerecht in das Becken hineindreht. Um dieses Risiko einschätzen zu können, wird vor der Geburt ein Ultraschall gemacht und gegebenenfalls die Entscheidung für einen Kaiserschnitt getroffen.

Normale Geburt nur in wenigen Kliniken möglich

Wenn keine besonderen Risikofaktoren vorliegen, ist die vaginale Geburt eines Kindes aus Beckenendlage nicht weniger sicher als eine normale Geburt in Schädellage, vorausgesetzt, die Geburt wird von besonders qualifizierten Geburtshelferinnen und Geburthelfern begleitet. Einige Geburtskliniken haben sich auf vaginale Beckenendlagen-Entbindungen spezialisiert. Sie sind die beste Wahl für Frauen, die trotz Beckenendlage eine normale Geburt wünschen.

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Auch eine ambulante Geburt ist bei Beckenendlage möglich: Wenn das Kind auf normalem Weg geboren wurde und Mutter und Kind wohlauf sind, können sie vier Stunden nach der Geburt nach Hause gehen.

Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt

Vor- und Nachteile einer normalen Geburt bei Beckenendlage sollten ausreichend lange vor dem Geburtstermin zwischen der schwangeren Frau und den Geburtshelfern und -helferinnen besprochen werden. Auch wenn die Schwangere eine Normalgeburt wünscht, ist dies bei einer Beckenendlage nicht immer möglich. Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt können sein:

  • Eine Frühgeburt, weil die Geburt eines Frühchens so schonend wie möglich ablaufen soll.
  • Ein enges mütterliches Becken oder ein Kind, dessen geschätztes Gewicht über 4000 Gramm liegt. Ist das Kind sehr groß und/oder das mütterliche Becken nicht weit genug, kann es beim Durchtritt des Kopfes zu Schwierigkeiten kommen. 
  • Schwangere mit Diabetes erwarten häufiger sehr große Kinder, die zudem oft empfindlicher auf Geburtsstress reagieren als andere Kinder. Außerdem kann die Anstrengung bei der Mutter zu größeren Schwankungen  des Blutzuckerspiegels führen.
  • Präeklampsie: Die verstärkte Anstrengung am Ende der Geburt könnte schneller zu einem Krampfanfall führen.
  • Nabelschnurvorfall nach einem Blasensprung. In diesem Fall droht eine längere Mangelversorgung des Kindes.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.05.2015