Die Plazenta-Punktion

Bei der Plazenta-Punktion (Chorionzotten-Biopsie) wird Zellgewebe aus dem entstehenden Mutterkuchen entnommen. Die Untersuchung der Zellen erlaubt zuverlässige Aussagen über eine mögliche Erkrankung oder Behinderung des Ungeborenen, hat aber auch Risiken.

Das Verfahren

Reagenzgläser mit Proben © Corbis Images
© Corbis Images

Die Chorionzotten-Biopsie ist eine so genannte invasive, das heißt in den Körper eindringende Methode der Pränataldiagnostik.

Durch die Bauchdecke und die Gebärmutterwand der Schwangeren hindurch wird mit einer feinen Hohlnadel Zellgewebe aus dem entstehenden Mutterkuchen entnommen. In seltenen Fällen wird der Eingriff auch durch die Scheide und den Gebärmutterhals vorgenommen. Bei beiden Verfahren überwacht die Ärztin oder der Arzt die Zellentnahme per Ultraschall. Eine örtliche Betäubung ist meist nicht erforderlich. Die Untersuchung wird ambulant durchgeführt.

Aus der Probe werden im Labor die kindlichen Zellen isoliert und auf ihren Chromosomensatz untersucht. Untersucht werden die Anzahl und grobe Struktur der Chromosomen.

Der geeignete Zeitpunkt für eine Chorionzotten-Biopsie liegt zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche. In der Regel gibt es innerhalb von ein bis sieben Tagen die ersten Ergebnisse. Muss eine Zellkultur angelegt werden, weil die erste Untersuchung unklare Befunde erbracht hat, ist mit einer Wartezeit von etwa zwei Wochen zu rechnen.

Vor der Untersuchung muss die Ärztin oder der Arzt die Schwangere über das Verfahren und dessen Nutzen sowie die Risiken beraten und nach dem Gendiagnostikgesetz ihr schriftliches Einverständnis einholen.

Nach der Untersuchung können Frauen für einige Stunden bis Tage ein leichtes Ziehen im Unterleib spüren. Sie sollten sich die ersten Tage nach dem Eingriff körperlich schonen und für zwei Tage krankschreiben lassen.

Zweck der Untersuchung

Eine Chorionzotten-Biopsie wird empfohlen, wenn die Ultraschall-Untersuchung oder der Ersttrimester-Test einen Hinweis auf eine Trisomie, zum Beispiel ein Down-Syndrom, ergeben hat und bei Verdacht auf eine vererbbare Krankheit. Eine Genanalyse auf bestimmte vererbbare Krankheiten, z.B. Muskel- oder Stoffwechselkrankheiten, wird nur durchgeführt, wenn die Krankheit in der eigenen Familie vorkommt oder es Hinweise aus anderen Untersuchungen gibt.

Das Geschlecht wird auf Wunsch ab der 12. Woche nach Empfängnis mitgeteilt.

Was zu bedenken ist

Die Punktion kann zu Wehen oder zum Abgang von Fruchtwasser führen und im schlimmsten Fall eine Fehlgeburt auslösen: Dies betrifft 1 bis 4 von 200 Frauen nach einer Chorionzotten-Biopsie.

Die Ergebnisse einer Chorionzotten-Biopsie sind in der Regel sehr zuverlässig. Mehr als 99 von 100 Frauen erhalten ein zutreffendes Ergebnis. Liegen Hinweise auf Chromosomen-Abweichungen oder vererbbare Krankheiten und Behinderungen beim Ungeborenen vor, lässt sich allerdings oft nur schwer abschätzen, wie krank oder beeinträchtigt das Kind nach seiner Geburt tatsächlich sein wird.

Auch Fehldiagnosen und unklare Befunde sind nicht ganz auszuschließen. Wurden beispielsweise irrtümlich mütterliche statt kindlicher Zellen entnommen, muss die Untersuchung wiederholt werden. Das Gleiche gilt bei sogenannten Mosaikbefunden, wenn nicht alle untersuchten Zellen den gleichen Befund aufweisen. Dies kommt bei der Chorionzotten-Biopsie häufiger vor als bei der Fruchtwasser-Untersuchung. In diesem Fall muss unter Umständen eine Zellkultur angelegt werden, was mit einer weiteren Wartezeit von rund zwei Wochen verbunden ist. Der Aufbau einer Beziehung zum Kind kann sich verzögern.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.06.2017