Ungeplant schwanger: Beratung hilft

Wird eine Frau schwanger, kann es sein, dass sie unsicher ist, ob sie die Schwangerschaft austragen will oder nicht. Die Schwangerschaftskonflikt-Beratung kann helfen, Hoffnungen und Befürchtungen zu besprechen und eine tragfähige Entscheidung zu treffen.

Worum es in der Schwangerschaftskonflikt-Beratung geht

Bei einer ungeplanten Schwangerschaft ist manchen Frauen schnell klar, ob sie das Kind bekommen oder nicht. Andere Frauen geraten in einen Konflikt oder sogar in eine Krise. Bei der Suche nach einer Lösung haben Frauen meist nicht nur die eigene Situation im Blick. Sie fragen sich, ob und wie sie für ein (weiteres) Kind da sein können. Oft lasten auf ihnen auch noch Erwartungen ihres Partners, der Familie und des persönlichen Umfeldes. Dies kann die Entscheidung enorm erschweren.

Viele Frauen können ihre Gefühle und Befürchtungen und auch ihre möglichen Gedanken an einen Schwangerschaftsabbruch mit ihrem Partner, ihren Freundinnen oder anderen Vertrauenspersonen besprechen und so zu einer tragfähigen Entscheidung kommen. Andere haben kaum eine Möglichkeit, ohne Druck und Beeinflussung offen über ihre Konflikte zu sprechen.

Egal, ob Sie bereits fest entschlossen sind, die Schwangerschaft abzubrechen, oder ob die Entscheidung noch offen ist: In beiden Fällen kann die Schwangerschaftskonflikt-Beratung helfen. Sie bietet die Möglichkeit, in einem geschützten und wohlwollenden Rahmen alle Sorgen und Probleme anzusprechen und einen guten Weg zu finden.

Es ist die gesetzliche Aufgabe der Schwangerschaftskonflikt-Beratung, zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen. Trotz dieser Vorgabe sind alle Beraterinnen oder Berater verpflichtet, die Beratungsgespräche ergebnisoffen zu führen. Das heißt, sie sollen die Frau darin unterstützen, eine für ihr Leben stimmige eigene Entscheidung zu treffen – wie auch immer diese ausfällt -, die sie auch in Zukunft vor sich vertreten kann.

Beratung informiert

In der Schwangerschaftskonflikt-Beratung werden Sie, wenn Sie das möchten, über staatliche und nichtstaatliche Hilfsangebote für Schwangere und Mütter informiert, und es können mögliche Perspektiven für ein Leben mit dem Kind besprochen werden. Auch rechtliche, medizinische und soziale Fragen können geklärt werden. Entscheiden Sie sich für die Fortsetzung der Schwangerschaft, erhalten Sie auch praktische Unterstützung bei der Beantragung von Hilfen (zum Beispiel der „Bundesstiftung Mutter und Kind“), der Durchsetzung von Ansprüchen, der Wohnungssuche, der Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit für das erwartete Kind und beim Fortsetzen Ihrer Ausbildung.

Erwägen Sie einen Schwangerschaftsabbruch, klärt die Schwangerschaftskonflikt-Beratung Sie über die Voraussetzungen für einen straffreien Abbruch auf. Sie erhalten Informationen über die Methoden zur Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs und deren jeweilige Vor- und Nachteile.

Falls erforderlich, kann im Rahmen der Schwangerschaftskonflikt-Beratung auch der Rat weiterer Fachkräfte eingeholt werden, etwa wenn es um medizinische oder rechtliche Fragen geht oder eine psychologische Beratung sinnvoll ist.

Ob Sie sich entscheiden, das Kind zur Welt zu bringen oder die Schwangerschaft abzubrechen – in jedem Fall beinhaltet die Schwangerschaftskonflikt-Beratung auch das Angebot einer Nachbetreuung. Alles, was in der Beratung besprochen wird, unterliegt der Schweigepflicht.

Beratung als Voraussetzung für den straffreien Abbruch

Zwei Frauen, am Tisch, schauen sich eine Broschüre an. © BZgA/HN/HS
© BZgA/HN/HS

Ziehen Sie einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung, sind Sie verpflichtet, eine Konfliktberatung in einer anerkannten Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstelle oder bei einer niedergelassenen Ärztin oder einem Arzt mit einer staatlichen Anerkennung für Schwangerschaftskonfliktberatung wahrzunehmen. Unabhängig vom Ergebnis der Konfliktberatung wird am Ende des Gesprächs eine Beratungsbescheinigung (Beratungsschein) ausgestellt. Entscheiden Sie sich für einen Abbruch, ist diese Bescheinigung Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch.

Die Beratungsstellen der Caritas und des Sozialdienstes katholischer Frauen stellen keinen Beratungsschein für eine Schwangerschaftskonflikt-Beratung aus, weil ein möglicher Schwangerschaftsabbruch nicht mit ihrem Selbstverständnis vereinbar ist. Sie beraten jedoch auch zum Thema Schwangerschaftskonflikt.

Gemeinsam zur Beratung?

Auf Wunsch können Sie eine Vertrauensperson zur Beratung mitbringen, beispielsweise jemanden aus der Familie oder dem Freundeskreis. Wenn beide dies wünschen, können Sie sich gemeinsam mit Ihrem Partner beraten lassen. Sich die Ängste, Sorgen und Wünsche der Partnerin oder des Partners in Ruhe anzuhören, kann zu einem besseren gegenseitigen Verständnis beitragen. Die Beraterinnen und Berater können auch dabei helfen, einen Weg zu finden, den beide gemeinsam tragen können. Ihr Partner kann sich auch allein beraten lassen, wenn er möchte.

Rechtsanspruch auf Beratung

Als schwangere Frau haben Sie einen Rechtsanspruch auf umgehende Beratung. Hierfür vereinbaren Sie telefonisch oder vor Ort einen Beratungstermin bei einer staatlich anerkannten Schwangerschaftsberatungsstelle. Für die Terminvereinbarung und als Ansprache in der Beratung ist es notwendig, einen Namen anzugeben. Sie können allerdings einen Namen Ihrer Wahl angeben, es muss nicht Ihr richtiger Name sein. Sie haben ein Recht auf anonyme Beratung, wenn Sie dies möchten.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 09.03.2018