Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch

Eine Schwangerschaft kann ärztlich begleitet mit Medikamenten abgebrochen werden. Dies ist bis zum 63. Tag nach dem Beginn der letzten Regelblutung möglich. Ein medikamentöser Abbruch dauert mehrere Tage.

Medikamentöser Abbruch

© Getty Images
© Getty Images

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch ist bis zum 63. Tag nach dem ersten Tag der letzten Regelblutung möglich. Dazu werden der Wirkstoff Mifepriston (Handelsname des Präparats: Mifegyne®) und ein weiteres Medikament, das den Wirkstoff Prostaglandin enthält, eingesetzt. Mifegyne® ist nicht in Apotheken erhältlich, sondern kann nur von Arztpraxen oder Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen dürfen, bezogen werden.

Da nicht alle Frauenärztinnen und Frauenärzte einen medikamentösen Abbruch anbieten, empfiehlt es sich, bei Beratungsstellen nach entsprechenden Adressen zu fragen.

Wie wirken die Medikamente?

Mifepriston ist ein Wirkstoff, der die Wirkung des Gelbkörperhormons (Progesteron) aufhebt und somit die Weiterentwicklung der Schwangerschaft verhindert. Zusätzlich bewirkt er, dass sich die Gebärmutterschleimhaut und der Fruchtsack mit dem Embryo ablösen. Der Gebärmuttermund öffnet sich und die Gebärmutter zieht sich zusammen.

Zusätzlich wird 36 bis 48 Stunden später ein Prostaglandin eingenommen, um die Wirkung von Mifepriston zu verstärken. Es bewirkt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und es innerhalb weniger Stunden zu einer Abbruchblutung kommt, bei der die Gebärmutterschleimhaut und der Embryo ausgestoßen werden. Die kombinierte Einnahme von Mifepriston und Prostaglandinen führt in mehr als 96 Prozent der Fälle zu einem vollständigen Abbruch.

Das Präparat Mifegyne® ist nicht mit der „Pille danach“ zu verwechseln. Die „Pille danach“ wird eingenommen, wenn nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft verhindert werden soll. Sie beendet keine bestehende Schwangerschaft.

Wie läuft der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch ab?

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch verläuft in der Regel in vier Schritten:

  1. Beratung und Voruntersuchung
    Zum ersten Termin in der Praxis oder Klinik bringen Sie den Beratungsschein, die Versicherungskarte und, falls vorhanden, einen Blutgruppennachweis mit. Die Ärztin oder der Arzt prüft mit einer Ultraschall-Untersuchung das Schwangerschaftsalter und klärt ab, ob medizinisch etwas gegen die Einnahme der Medikamente spricht. Im Anschluss werden Sie über den genauen Ablauf des Abbruchs und mögliche Nebenwirkungen der Medikamente informiert.

  2. Einnahme von Mifegyne®
    Nach der Untersuchung und Aufklärung nehmen Sie unter ärztlicher Aufsicht die Mifegyne®-Tablette ein. Frauen mit einer Rhesus-negativen Blutgruppe erhalten zusätzlich Anti-D-Globuline, um die Bildung von Antikörpern bei einer späteren Schwangerschaft zu verhindern.

    Anschließend können Sie nach Hause gehen. Sehr selten können Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten, in der Regel können Sie aber Ihrem normalen Alltag nachgehen. Bei etwa der Hälfte der Frauen beginnt nach ca. 24 Stunden eine Blutung, die schwächer als die normale Regelblutung ist. Bei einem kleinen Teil (zwei bis fünf Prozent) der Frauen setzt bereits jetzt eine starke Blutung ein und es kommt zum Abbruch. Den geplanten zweiten Termin bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sollten Sie aber in jedem Fall wahrnehmen.

  3. Anwendung von Prostaglandinen
    36 bis 48 Stunden nach der Einnahme von Mifegyne® steht ein zweiter Termin in der Praxis oder Klinik an. Nun nehmen Sie ein weiteres Medikament ein, das Prostaglandine enthält. Danach bleiben Sie noch etwa drei Stunden unter ärztlicher Beobachtung. Prostaglandine führen dazu, dass die Gebärmutterschleimhaut und der Embryo durch eine Blutung ausgestoßen werden. Gegen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Unterbauchschmerzen erhalten Sie entsprechende Medikamente. Wenn eine stärkere Blutung auftritt und Ihr Kreislauf stabil ist, können Sie nach Hause gehen. Ist drei Stunden nach der Prostaglandin-Einnahme noch keine Blutung eingetreten, erhalten Sie noch einmal Prostaglandine. In einigen Fällen tritt die Blutung erst innerhalb der nächsten 24 Stunden ein.

    Beim Verlassen der Praxis bekommen Sie Informationen, wie Sie sich in den nächsten Tagen verhalten sollten, und eine Telefonnummer, an die Sie sich bei Fragen wenden können.

    Sie können sich nach dem Abbruch arbeitsunfähig schreiben lassen. Auf der Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung für den Arbeitgeber wird der Grund für die Arbeitsunfähigkeit nicht angegeben.

  4. Nachuntersuchung
    In mehr als 96 Prozent der Fälle ist der Schwangerschaftsabbruch mit Medikamenten erfolgreich. Eine Nachuntersuchung nach zehn bis 14 Tagen ist aber unerlässlich, damit sichergestellt ist, dass die Schwangerschaft vollständig beendet ist. Dies wird durch eine Ultraschall- oder Blutuntersuchung kontrolliert. Wenn die Schwangerschaft fortbesteht oder sich noch Reste von Schwangerschaftsgewebe in der Gebärmutterhöhle befinden, kann eine erneute Medikamentengabe oder ein operativer Eingriff, das heißt eine Absaugung, nötig werden. Treten keine Komplikationen wie Fieber oder eine sehr starke Blutung auf, kann auch – unter ärztlicher Kontrolle – abgewartet werden, ob der Körper das möglicherweise noch in der Gebärmutter verbliebene Gewebe von selbst abstößt. 

Die Blutungen nach dem medikamentösen Abbruch dauern durchschnittlich 12 Tage, sie können aber bis zu vier Wochen anhalten, in einzelnen Fällen auch länger. Sie sind in den ersten Stunden oft stärker als eine normale Regelblutung und werden dann von Tag zu Tag weniger, sodass sie am Ende nur noch schwach sind („Schmierblutungen“). In dieser Zeit sollten Sie nicht schwimmen, nicht baden und auch keine Tampons verwenden. Außerdem sollten Sie auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Auf Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln achten

Werden gleichzeitig mit Mifegyne® weitere Medikamente eingenommen, müssen mögliche Wechselwirkungen bedacht werden. Falls Sie also andere Medikamente einnehmen, ist es wichtig, dies der Ärztin oder dem Arzt vorab mitzuteilen.

Wann können Mifepriston und Prostaglandine nicht eingesetzt werden?

In bestimmten Fällen dürfen Mifepriston oder Prostaglandine nicht eingenommen werden. Dies gilt für:

  • chronisches Nierenversagen 
  • angeborene Porphyrie
  • schweres, nicht behandeltes oder nicht behandelbares Asthma
  • bekannte Allergie gegen Mifepriston, das Prostaglandin oder einen anderen Bestandteil der Tabletten
  • Blutgerinnungsstörung; aktuelle Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten wie Marcumar oder Heparin
  • liegende Spirale (muss vorher entfernt werden)

Gesundheitliche und psychische Aspekte

Beim medikamentösen Abbruch ist weder eine Operation noch eine Narkose nötig. Zudem kann er bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft durchgeführt werden. 

Im Unterschied zum operativen Abbruch dauert der medikamentöse Abbruch mehrere Tage, und die Frau erlebt ihn in allen Phasen bewusster mit. Dieses unmittelbare Erleben kann Frauen die seelische Verarbeitung des Abbruchs erleichtern, für andere ist dies eher zusätzlich belastend.

Verläuft der Schwangerschaftsabbruch ohne Komplikationen, hat er keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und auf spätere Schwangerschaften. 

Die Verhütung nicht vergessen

Mit dem Abbruch beginnt ein neuer Menstruationszyklus, womit auch die Möglichkeit einer neuen Schwangerschaft besteht. Sie können mit der Ärztin oder dem Arzt schon im Informationsgespräch vor dem Abbruch besprechen, welche Verhütungsmethode für Sie am besten geeignet ist.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 04.04.2018