Häufig gestellte Fragen
Muss der Arbeitgeber einen Mann für Termine im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt freistellen?
Für Arbeitgeber besteht grundsätzlich keine Verpflichtung, Männer für die Wahrnehmung solcher Termine freizustellen. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, um eine gütliche Vereinbarung treffen zu können. Abgesehen davon ist es ratsam, Untersuchungstermine möglichst ans Ende der ärztlichen Sprechstunden zu legen. Dann lassen sie sich besser mit den üblichen Arbeitszeiten vereinbaren.
Auch wenn die Geburt naht, empfiehlt es sich, schon früh mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um für die "Rufbereitschaft" in der Zeit um den errechneten Geburtstermin herum eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Was findet in so genannten Väterkursen statt?
In zahlreichen Städten bieten Familienbildungseinrichtungen Väterkurse an. Damit erwerbstätige Väter daran teilnehmen können, finden sie gewöhnlich am späten Nachmittag oder an Wochenenden statt. Hier können sich Väter gemeinsam mit ihren Kindern treffen, Spiele machen und sich über alle Fragen des Vaterseins austauschen.
Natürlich stehen Vätern auch die allgemeinen Eltern-Kind-Kurse offen, an denen jedoch in der Regel mehrheitlich Frauen mit ihren Kindern teilnehmen (zum Beispiel PEKIP, Baby-Schwimmen, Baby-Gymnastik etc.).
Können auch Männer nach der Geburt "in ein tiefes Loch fallen"?
Frisch gebackene Väter können sowohl unter dem aufwühlenden Eindruck der Geburt als auch angesichts der neuen Anforderungen ihres Vaterseins seelisch stark erschüttert werden. Wie ein schwerer Verlust oder massive finanzielle Probleme kann auch eine im Prinzip erwünschte Veränderung des Lebens eine depressive Episode auslösen.
Hinzu kommt, dass manche Männer sich von ihrer Partnerin nach der Geburt des Kindes zurückgesetzt fühlen und Eifersuchtsgefühle entwickeln. Auch dies kann zu einem nachhaltigen Stimmungstief führen.
Wenn die Eltern offen darüber reden, was sie beschäftigt, können sie sich gegenseitig darin unterstützen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Halten die depressiven Verstimmungen jedoch an, kann es ratsam sein, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Stimmt es, dass Männer durch das Geburtserlebnis traumatisiert werden können?
Wie bei jeder Frau hinterlässt eine Geburt auch bei Männern tiefe seelische Eindrücke. Ob ein Mann die möglicherweise schwierige Geburt seines Kindes traumatisch erlebt, hängt vor allem von seiner grundsätzlichen seelischen Stabilität ab.
Männer, die große Angst vor dem Geburtserlebnis verspüren oder sich sorgen, weil sie etwa kein Blut sehen können, sollten darüber mit ihrer Partnerin und der Hebamme sprechen. Möglicherweise ist es dann besser, nicht mit zur Geburt zu gehen.
Bei der Geburt weitet sich die Scheide enorm. Durch das Pressen können Stuhl und Urin abgehen, und es fließt Fruchtwasser gemischt mit Blut. Ob dieser Anblick das sexuelle Empfinden eines Mannes beeinträchtigen kann, ist schwer zu sagen, da es bislang keine diesbezüglichen Studien gibt.
Kommt das Kind heraus, ist der beste Platz des Mannes ohnehin gewöhnlich seitlich oder hinter der Gebärenden, damit er die Hebamme oder das ärztliche Personal nicht behindert. Dort ist seine Sicht auf das Geschehen zwar eingeschränkt. Er kann aber auf diese Weise seiner Partnerin am besten den Rücken stärken - im wahrsten Sinne des Wortes.
Stimmt es, dass auch Männer körperliche Anzeichen einer Schwangerschaft entwickeln können?
Nicht nur Frauen bekommen in der Schwangerschaft einen dicken Bauch. Auch Männern kann dies passieren, und sei es, weil sie das Rauchen aufhören. Darüber hinaus zeigen nicht wenige werdende Väter mehr oder weniger starke "Schwangerschafts-Symptome" wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder heftige seelische Schwankungen.
Über die physiologischen Ursachen dieses Phänomens ist bislang wenig bekannt. Immerhin wurde an der Memorial University in St. Johns, Kanada, eine kleine Studie mit 34 Probanden durchgeführt, die ergab, dass die untersuchten Männer während der Schwangerschaft ihrer Partnerin das Stresshormon Cortisol und auch das milchbildende Hormon Prolaktin vorübergehend vermehrt produzierten. Unmittelbar nach der Geburt des Kindes sank der Testosteron-Wert bei den Männern um bis zu einem Drittel, was dann mit einem fürsorglichen Verhalten gekoppelt war.
Abgesehen von möglichen hormonellen Einflüssen kann natürlich ein werdender Vater in Erwartung der Aufgaben, die auf ihn zukommen, in Stress geraten. Möglicherweise ist er immer wieder erschöpft und ohne Antrieb und ändert seine Essgewohnheiten (wodurch er zunimmt). Damit will er nicht in "Konkurrenz" zu seiner schwangeren Partnerin treten. Es bedeutet lediglich, dass auch das Vaterwerden tief greifende Veränderungen mit sich bringt, die erst einmal "verdaut" werden wollen.
Die Phänomene einer "mitfühlenden Schwangerschaft" werden unter dem Begriff "Couvade" zusammengefasst. Das Wort bedeutet so viel wie "ausbrüten".


