Vasektomie: Die Sterilisation des Mannes

Bei der Sterilisation des Mannes (Vasektomie) werden die beiden Samenleiter im Hodensack durchtrennt. Dadurch können keine Spermien mehr in die Samenflüssigkeit gelangen. Der Eingriff sollte nur erwogen werden, wenn die Familienplanung sicher abgeschlossen ist.

Vater mit zwei Söhnen © Corbis

Die Vasektomie hat keine Auswirkungen auf die Produktion von Hormonen und Spermien in den Hoden. Da mit dem Eingriff die Samenleiter durchtrennt werden, gelangen die Spermien aber nicht mehr in die Samenflüssigkeit (Ejakulat) und werden vom Körper abgebaut. Der Abbauprozess geschieht unbemerkt und schmerzlos. Eine Vasektomie ist nicht zu verwechseln mit einer Kastration, bei der die Hoden operativ entfernt werden oder ihre Funktion hormonell unterbunden wird.

Auf das Lustempfinden, das Steifwerden des Penis (Erektion), den Orgasmus und den Samenerguss (Ejakulation) hat die Vasektomie keinen unmittelbaren Einfluss. Auch die Menge der Samenflüssigkeit unterscheidet sich bei einem sterilisierten Mann kaum von der eines nicht sterilisierten Mannes. Da die Spermien nur etwa fünf Prozent des Ejakulats ausmachen, ist der Unterschied bei den meisten Männern praktisch nicht zu bemerken.

In seltenen Fällen können nach einer Vasektomie Komplikationen und auch unerwartete seelische Probleme auftreten. Es ist deshalb wichtig, die Vor- und Nachteile des Eingriffs in Ruhe abzuwägen. Neben der medizinischen kann auch eine psychologische Beratung sinnvoll sein. In einer festen Beziehung sollte die Partnerin die Entscheidung für eine Vasektomie möglichst mittragen. In erster Linie kommt es aber darauf an, dass sich der Mann mit seinem Entschluss gut fühlt.

Eingriff

Die Vasektomie wird meist ambulant und unter örtlicher Betäubung in einer urologischen Praxis durchgeführt. Der Eingriff dauert insgesamt etwa eine halbe Stunde.

Zum Durchtrennen der beiden Samenleiter im Hodensack stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Bei der Vasektomie „ohne Skalpell“ werden die Hodensackhaut und die Samenstranghüllen nur angeritzt und gespreizt, um Zugang zu den Samenleitern zu bekommen. Dieses Verfahren ist mit vergleichsweise geringen operationsbedingten Komplikationen wie Blutergüssen (Hämatome) verbunden. Auch Wundinfektionen treten vergleichsweise selten auf.

Die beiden Samenleiter werden durch das entstandene kleine Loch ein Stück herausgezogen und dann durchtrennt. Anschließend werden die losen Enden der Samenleiter durch Abbinden, Hitze, chemische Substanzen oder mit Titanclips verschlossen und in verschiedene Gewebeschichten des Hodensacks verlegt, damit sie nicht wieder zusammenwachsen. In der Regel sind keine Hautnähte nötig, sodass am Ende zwei kleine Pflaster auf der Hodensackhaut genügen.

Bei anderen Techniken werden Schnitte gesetzt, um an die Samenleiter zu gelangen. Außerdem werden die Samenleiter nicht nur durchtrennt, sondern auch um jeweils etwa einen Zentimeter gekürzt.

Im Hinblick auf die Verhütungssicherheit hat sich bisher keine der Methoden als besser herausgestellt. Unabhängig von der angewandten Operationstechnik reichen nach dem Eingriff in der Regel ein paar Tage körperlicher Schonung und eine Woche sexueller Enthaltsamkeit aus, um sich zu erholen. Mit Sport und körperlichem Training sollte man möglichst zwei Wochen lang aussetzen. Manchmal wird auch empfohlen, in dieser Zeit einen Hodenschutz (Suspensorium) zu tragen.

Nachkontrolle

Um zu prüfen, ob sich noch befruchtungsfähige Spermien im Ejakulat finden, sollte die Samenflüssigkeit drei Monate nach dem Eingriff untersucht werden. Bis der Mann sicher unfruchtbar ist, kann es mehrere Monate dauern, da sich auch nach der Vasektomie in den oberen Abschnitten der Samenleiter noch viele Spermien befinden. In der Regel braucht es etwa 20 Samenergüsse, bis keine Spermien mehr zu finden sind. Die Nachkontrolle der Samenflüssigkeit ist auch wichtig, um zu prüfen, ob die durchtrennten Samenleiter möglicherweise wieder zusammengewachsen sind.

Sicherheit

Die Vasektomie ist die zuverlässigste Verhütungsmethode für den Mann. Nach fachgerechter Durchführung und sorgfältiger Nachkontrolle ist sie nahezu hundertprozentig sicher.

Es kommt vor, dass die durchtrennten Samenleiter in den ersten Monaten nach der Vasektomie von selbst wieder zusammenwachsen (Rekanalisierung). Angaben dazu, wie häufig es dazu kommt, schwanken von 50 bis 530 von 10.000 Fällen. Wichtig ist deshalb, dass der Erfolg des Eingriffs durch ein bis zwei Nachkontrollen gesichert wird. Bis zur erfolgreichen Nachkontrolle ist eine zusätzliche Verhütung erforderlich.

In sehr seltenen Fällen (Schätzungen reichen von 3 bis zu 120 von 10.000) kann es noch Jahre nach dem Eingriff zu einer Rekanalisierung und so unter Umständen zu einer Schwangerschaft kommen.

Vorteile

Der Vorteil einer fachgerecht durchgeführten Vasektomie ist ihre hohe Sicherheit als Verhütungsmethode. 

Die Vasektomie ist zudem ein vergleichsweise einfacher chirurgischer Eingriff, bei dem nur selten Komplikationen auftreten. Die Sterilisation der Frau (Tubensterilisation), bei der während einer Bauchoperation die Eileiter durchtrennt werden, ist aufwändiger und mit deutlich höheren Operationsrisiken verbunden.

Mögliche Komplikationen

Komplikationen nach einer Vasektomie sind insgesamt selten. Es hängt auch von der Erfahrung der Chirurgin oder des Chirurgen ab, wie der Eingriff verläuft. Es empfiehlt sich deshalb, die Operation in einer Praxis oder Klinik vornehmen zu lassen, die mehr als fünfzig Vasektomien im Jahr durchführt.

In den Tagen nach der Operation treten bei einem bis zwei Prozent der Männer Beschwerden auf wie Blutergüsse, Druckgefühle in den Hoden, Wundinfektionen oder eine Entzündung der Nebenhoden (Epididymis). Mit entsprechender Behandlung bilden sie sich im Allgemeinen bald wieder zurück.

Einige Monate nach dem Eingriff oder auch noch später können sich kleine knotenartige Gewebeeinschlüsse von Samenzellen bilden (Sperma-Granulome). Sie sind meist eine Folge des Drucks in den Hoden, der durch die weiterhin produzierten Spermien entsteht. Normalerweise bleiben sie unbemerkt, können in Einzelfällen aber zu einem Zusammenwachsen eines der Samenleiter (Rekanalisierung) beitragen.

Neben unerwarteten seelischen Problemen mit der Unfruchtbarkeit finden sich unter den möglichen Spätfolgen einer Vasektomie auch chronische Schmerzen im Bereich der Hoden. In manchen Fällen verstärken sie sich bei sexueller Aktivität und können die Lebensqualität erheblich einschränken. Wie häufig dieses sogenannte Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom auftritt, ist noch nicht ausreichend erforscht. Die Angaben dazu, wie viele Männer sich deswegen in ärztliche Behandlung begeben, schwanken zwischen einem und 14 Prozent.

Die Ursachen für die Schmerzen sind bisher nicht genau bekannt. Vieles deutet darauf hin, dass bei den betroffenen Männern der Druckausgleich in den Hoden nur unzureichend funktioniert. Zudem können bei der Operation Nerven beschädigt worden sein. Unter Umständen wird eine erneute Operation notwendig – etwa eine gezielte Rekanalisierung, die Entfernung der Nebenhoden oder der Samenstrangnerven.

Männer mit einer früheren Leistenoperation, mit bereits bestehenden Problemen im Bereich der Lendenwirbelsäule und/oder gelegentlichem Ziehen im Hodenbereich sollten dies im Beratungsgespräch vor einer Vasektomie unbedingt mitteilen. Das gilt auch für alle anderen Arten von chronischen Schmerzen.

Manche Männer befürchten, dass eine Vasektomie das Risiko für Prostata- oder Hodenkrebs erhöht. Dies konnte aber bislang nicht nachgewiesen werden.

Lässt sich der Eingriff rückgängig machen?

Mikrochirurgische Verfahren machen es in den meisten Fällen möglich, durchtrennte Samenleiter wieder miteinander zu verbinden. Das bedeutet jedoch nicht in jedem Fall, dass der Mann dann wieder fruchtbar ist. Oft hat sich in der Zwischenzeit aus verschiedenen Gründen die Spermienproduktion verschlechtert. Die sogenannte Refertilisierung ist zudem eine vergleichsweise aufwändige Operation: Sie dauert etwa zwei Stunden und erfordert eine Vollnarkose. 

Es ist möglich, vor einer Vasektomie eine oder mehrere Spermienproben (kostenpflichtig) einfrieren zu lassen (Kryokonservierung). Das Verfahren wird jedoch meist nur männlichen Krebspatienten mit Kinderwunsch vor einer Chemotherapie oder einer Strahlenbehandlung angeboten. Einem gesunden Mann, der vor einer Vasektomie eine Kryokonservierung seines Spermas erwägt, wird eher geraten, zu prüfen, ob seine Entscheidung wirklich ausgereift ist.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) wird von einer Vasektomie abgeraten, wenn der Mann keine feste Partnerschaft und noch keine Kinder hat, noch keine 30 Jahre alt ist, oder wenn er chronische Schmerzen im Bereich der Hoden oder eine schwere Allgemeinerkrankung hat. Auch sollte er sich nicht in einer seelischen Krise befinden.

Kosten

Eine Vasektomie, zu der sich ein Mann aus nicht-medizinischen Gründen entscheidet, muss selbst bezahlt werden. Sie kostet je nach Praxis zwischen 450 und 500 Euro. Es empfiehlt sich, vorher zu erfragen, ob alle notwendigen Kontrolluntersuchungen im Preis enthalten sind.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.05.2016
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