Die Sterilisation des Mannes wird auch Vasektomie genannt. Das Fachwort leitet sich ab von den lateinischen Begriffen für Samenleiter (Vas deferens) und Herausschneiden (Ektomie). Obwohl die Samenleiter bei der kleinen Operation durchtrennt werden, geht die Produktion von Hormonen und Spermien in den Hoden weiter. Die Spermien können aber nicht mehr in die Samenflüssigkeit (Ejakulat) gelangen und werden vom Körper abgebaut. Eine Vasektomie ist daher etwas vollkommen anderes als eine Kastration, bei der die Hodenfunktion zerstört wird.
Auf das Lustempfinden, die Erektionsfähigkeit, den Orgasmus und die Ejakulation hat die Vasektomie keinen unmittelbaren Einfluss. Dennoch können nach einer Vasektomie Nebenwirkungen und auch unerwartete seelische Probleme auftreten. Es ist deshalb wichtig, die Vor- und Nachteile des Eingriffs gründlich und in Ruhe abzuwägen. Neben einer medizinischen kann auch eine psychologische Beratung sinnvoll sein. In einer festen Beziehung sollte die Partnerin die Entscheidung für eine Vasektomie möglichst mittragen. In erster Linie kommt es aber darauf an, dass sich der Mann mit seinem Entschluss wohlfühlt.
Die Sicherheit
Die Vasektomie ist die zuverlässigste Verhütungsmethode für den Mann. Nach fachgerechter Durchführung und ausreichender Nachkontrolle ist sie nahezu hundertprozentig sicher.
Es kommt vor, dass sich die durchtrennten Samenleiter in den ersten Monaten nach dem Eingriff von selbst wieder miteinander verbinden. Angaben dazu, wie häufig es zu dieser sogenannten frühen Rekanalisierung kommt, schwanken von weniger als einem bis zu neun Prozent der Fälle. Eine Rekanalisierung lässt sich jedoch fast immer bei den Nachkontrollen der Samenflüssigkeit nach dem Eingriff feststellen und beheben.
Bei etwa einer von 2000 Vasektomien kommt es sogar noch Jahre später zu einer Rekanalisierung.
Der Eingriff
Nach gründlicher Beratung und Aufklärung wird die Vasektomie meist ambulant und unter örtlicher Betäubung in einer urologischen Praxis durchgeführt. Der Eingriff dauert insgesamt 20 bis 25 Minuten.
Zum Durchtrennen der beiden Samenleiter im Hodensack stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Bei der Vasektomie „ohne Skalpell“ (sogenannte No-scalpel vasectomy, NSV) werden die Hodensackhaut und die Samenstranghüllen nicht aufgeschnitten, sondern nur angeritzt und gespreizt, um Zugang zu den Samenleitern zu bekommen. Die NSV ist mit vergleichsweise geringen operationsbedingten Komplikationen wie Blutergüssen (Hämatomen) verbunden. Auch Wundinfektionen treten selten auf.
Die beiden Samenleiter werden durch das entstandene kleine Loch ein Stück herausgezogen und dann durchtrennt. Anschließend werden die losen Enden durch Abbinden, Hitze (Koagulation), chemische Substanzen oder mit Titanclips verschlossen. Zum Abschluss werden die losen Enden der Samenleiter in verschiedene Gewebeschichten des Hodensacks verlegt, damit sie nicht wieder zusammenwachsen. In der Regel sind keine Hautnähte nötig, sodass am Ende zwei kleine Pflaster auf der Hodensackhaut genügen.
Bei der sogenannten Fulgurationstechnik und der Ligaturtechnik werden Schnitte gesetzt, um an die Samenleiter zu gelangen. Außerdem werden die Samenleiter nicht nur durchtrennt, sondern auch um jeweils 1,5 bis 2 cm gekürzt.
Unabhängig von der angewandten Operationstechnik reichen nach dem Eingriff in der Regel ein paar Tage körperliche Schonung und sexuelle Enthaltsamkeit aus, um sich zu erholen. Manche Operateure empfehlen, in dieser Zeit einen Hodenschutz (Suspensorium) zu tragen.
Die Nachkontrolle
Die Samenflüssigkeit wird 6 bis 8 und nochmals 12 bis 16 Wochen nach der Operation daraufhin untersucht, ob sie noch befruchtungsfähige Spermien enthält. Bis der Mann nach dem Eingriff sicher unfruchtbar ist, kann es mehrere Monate dauern, da sich in den oberen Abschnitten der Samenleiter unmittelbar nach einer Vasektomie noch viele Spermien befinden. In der Regel braucht es 15 bis 20 Samenergüsse, bis alle Spermien aus den ableitenden Samenwegen ausgeschieden sind. Die Nachkontrolle der Samenflüssigkeit ist auch wichtig, um eine Rekanalisierung auszuschließen.
Erst wenn keine befruchtungsfähigen Spermien mehr im Ejakulat gefunden werden, kann man von einem sicheren Erfolg der Vasektomie ausgehen. Bis dahin ist es ratsam, noch auf andere Weise zu verhüten.
Die Samenflüssigkeit eines sterilisierten Mannes unterscheidet sich kaum von der eines nicht sterilisierten Mannes. Da die Spermien nur etwa fünf Prozent des Ejakulats ausmachen, ist der Unterschied bei den meisten Männern praktisch nicht zu bemerken. In Einzelfällen können jedoch bis zu 20 Prozent des Ejakulats fehlen.
Die Vorteile
Der Vorteil einer fachgerecht durchgeführten Vasektomie ist ihre hohe Sicherheit als Verhütungsmethode.
Die Vasektomie ist zudem ein vergleichsweise einfacher chirurgischer Eingriff, bei dem nur selten Komplikationen auftreten. Die Sterilisation der Frau (Tubensterilisation), bei der während einer Bauchoperation die Eileiter durchtrennt werden, ist aufwändiger und mit deutlich höheren Risiken verbunden.
Mögliche Komplikationen
Komplikationen nach einer Vasektomie sind insgesamt selten, lassen sich aber im Einzelfall nicht ausschließen. Es hängt auch von der Erfahrung und dem Können der Operateure ab, wie der Eingriff verläuft. Daher empfiehlt es sich, die Operation in einer Praxis oder Klinik vornehmen zu lassen, die mehr als fünfzig Vasektomien im Jahr durchführt.
In den Tagen nach der Operation treten bei einem bis sechs Prozent der Männer Beschwerden wie Blutergüsse, Druckgefühle in den Hoden, Wundinfektionen oder eine Entzündung der Nebenhoden (Epididymis) auf. Mit entsprechender Behandlung bilden sie sich im Allgemeinen bald wieder zurück.
Einige Monate nach dem Eingriff oder auch noch später können sich kleine knotenartige Gewebeeinschlüsse von Samenzellen bilden (Sperma-Granulome). Sie sind meist eine Folge des Drucks in den Hoden, der durch die weiterhin produzierten Spermien entsteht. Normalerweise bleiben sie unbemerkt, können in Einzelfällen aber zur Rekanalisierung eines der Samenleiter beitragen.
Neben unerwarteten seelischen Problemen mit der Unfruchtbarkeit finden sich unter den möglichen Spätfolgen einer Vasektomie auch chronische Schmerzen im Bereich der Hoden. In manchen Fällen verstärken sie sich bei sexueller Aktivität und können die Lebensqualität erheblich einschränken. Wie häufig dieses sogenannte Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom auftritt, ist noch nicht ausreichend erforscht. Die Angaben zu den Zahlen der Männer, die sich deswegen in ärztliche Behandlung geben, schwanken zwischen 2,2 und 5 Prozent.
Die Ursachen für diese Schmerzen sind bisher nicht bekannt. Die Vermutung, dass sie durch eine Entzündung hervorgerufen werden, hat sich nicht bestätigt, da Antibiotika bei einer Behandlung meist unwirksam sind. Vieles deutet darauf hin, dass bei Männern, die ein behandlungsbedürftiges Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom entwickeln, der Druckausgleich in den Hoden nur unzureichend funktioniert. Bei ihnen sind deshalb auch seltener Spermagranulome zu finden. Zudem könnten bei der Operation verschiedene Nerven geschädigt worden sein. Unter Umständen wird eine erneute Operation notwendig.
Männer mit einer Leistenoperation, mit Problemen im Bereich der Lendenwirbelsäule und/ oder gelegentlichem Ziehen im Hodenbereich sollten dies im Beratungsgespräch vor einer Vasektomie unbedingt mitteilen. Das gilt auch für alle anderen Arten von schon bestehenden chronischen Schmerzen.
Manche Männer befürchten, dass eine Vasektomie das Risiko für Prostata- oder Hodenkrebs erhöht. Dies konnte aber bislang nicht nachgewiesen werden.
Lässt sich der Eingriff rückgängig machen?
Mikrochirurgische Verfahren machen es in den meisten Fällen möglich, durchtrennte Samenleiter wieder miteinander zu verbinden. Das bedeutet jedoch nicht in jedem Fall, dass der Mann dann wieder fruchtbar ist. Oft haben sich in der Zwischenzeit aus verschiedenen Gründen die körperlichen Bedingungen der Spermienproduktion verschlechtert. Die sogenannte Refertilisierung ist zudem eine vergleichsweise aufwändige Operation: Sie dauert zwischen zwei und vier Stunden und erfordert eine Vollnarkose.
Es ist möglich, vor einer Vasektomie eine oder mehrere Spermienproben (kostenpflichtig) einfrieren zu lassen (Kryokonservierung). Das Verfahren wird jedoch im Allgemeinen nur männlichen Krebspatienten mit Kinderwunsch vor einer Chemotherapie oder einer Strahlenbehandlung angeboten. Einem gesunden Mann, der vor einer Vasektomie eine Kryokonservierung seines Spermas erwägt, wird meist geraten, zu prüfen, ob seine Entscheidung für eine Vasektomie wirklich ausgereift ist.
Die Kosten
Eine Vasektomie, zu der sich ein Mann aus nicht-medizinischen Gründen entscheidet, muss selbst bezahlt werden. Sie kostet je nach durchführender Praxis zwischen 300 und 500 Euro. Es empfiehlt sich, vorher zu erfragen, ob alle notwendigen Kontrolluntersuchungen im Preis enthalten sind.
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Häufig gestellte Fragen
Lässt sich die Sterilisation beim Mann rückgängig machen?
Wenn die Sterilisation eines Mannes nicht länger als einige Jahre zurückliegt, lässt sich seine Fruchtbarkeit in vielen Fällen durch eine mikrochirurgische Operation wiederherstellen (Refertilisierung). Dabei werden die durchtrennten Samenleiter wieder zusammengefügt. Es gibt zwei Operationsverfahren. Meistens genügt eine Vasovasostomie, bei der die beiden einstmals durchtrennten Samenleiter wieder miteinander vernäht werden. Ist dies nicht möglich, kann bei der chirurgisch deutlich anspruchsvolleren Tubulovasostomie der Samenleiter neu an den Nebenhoden angeschlossen werden. Beide Verfahren können ambulant durchgeführt werden, erfordern aber eine Vollnarkose. Eine Vasovasostomie dauert etwa zwei, eine Tubulovasostomie bis zu vier Stunden.
Die Kosten für eine Refertilisierung liegen je nach Methode zwischen etwa 1500 und 4000 €. Sie werden von den Krankenkassen im Allgemeinen nicht übernommen.



