Viele Frauen finden es vorteilhaft, zumindest zeitweise keine Periode zu haben. Als Gründe geben sie geringere Menstruationsbeschwerden, weniger Blutverlust, einfachere Hygiene und insgesamt eine verbesserte Lebensqualität an. Auch beim Sport, im Urlaub oder vor Prüfungen ist es einfacher, nicht mit Beeinträchtigungen durch Monatsblutungen rechnen zu müssen.
Die „Mikropille“ erlaubt Abweichungen von der herkömmlichen Einnahmepraxis nach dem Vorbild des natürlichen Monatszyklus: Die Hormone sind so niedrig dosiert, dass sie durchgängig eingenommen werden kann. Dadurch fällt der Hormonspiegel im Körper nicht ab und es setzt keine Blutung (sogenannte Hormonentzugsblutung) ein. Eine Einnahme ohne Pillenpause und Blutung wird als Langzyklus bezeichnet. In Deutschland gibt es für dieses Anwendungsschema allerdings keine Zulassung – das heißt, es handelt sich dabei um einen sogenannten Off label use.
Grundsätzlich ist ein Langzyklus auch bei der durchgehenden Anwendung des Verhütungspflasters oder des Vaginalrings möglich. Hierzu gibt es jedoch kaum Erfahrungen. Weder bei der Dreimonatsspritze noch bei der Hormonspirale wird die Zuführung der Hormone unterbrochen. Unter dem Einfluss der Hormonspirale schwächt sich die Regelblutung ab, bei vielen Frauen bleibt sie nach einigen Monaten fast ganz aus.
Hormonentzugsblutungen beim Langzyklus
Frauen, die sich für die durchgängige Einnahme entscheiden, wird von Frauenärztinnen und -ärzten heute meist die Einnahme einer Mikropille in einem Langzyklus von 84 Tagen empfohlen. Das heißt, sie nehmen die Präparate ohne Pause über zwölf Wochen ein. Jeder andere Rhythmus (sechs Wochen, neun Wochen) ist aber ebenfalls möglich. Während der anschließenden sieben Tage ohne Einnahme kommt es dann zu einer Entzugsblutung.
Bei mehreren Langzyklen hintereinander werden die Blutungen während der sieben Tage Einnahmepause schwächer und bleiben bei den meisten Frauen dann schließlich ganz aus. Bei einer Rückkehr zum herkömmlichen Einnahmerhythmus normalisiert sich der Blutungsrhythmus gewöhnlich innerhalb von drei Monaten, das heißt, es setzen wieder regelmäßige monatliche Entzugsblutungen ein.
Wird die Pille ganz abgesetzt, kann es bei beiden Einnahmerhythmen bis zu einem halben Jahr dauern, bis wieder ein natürlicher Zyklus mit Eisprung und Menstruation stattfindet.
Sicherheit des Empfängnisschutzes
Alle bisherigen Studien haben eine hohe Sicherheit des Empfängnisschutzes durch die Mikropille im Langzyklus ergeben. Es zeigten sich keine Unterschiede zur herkömmlichen Pilleneinnahme. Die Sicherheit bei einer Langzeiteinnahme wird von Frauenärztinnen und -ärzten sogar als etwas höher eingeschätzt, weil Anwendungsfehler wie das Vergessen der Einnahme einzelner Pillen oder die Wirkung anderer Medikamente keine so große Rolle spielen wie beim herkömmlichen Einnahmerhythmus.
Vorteile des Langzyklus
Frauen mit häufigen starken Blutungen und Menstruationsbeschwerden wie Unterleibskrämpfen, Bauch-, Rücken- und Kopfschmerzen, Migräne oder zyklusbedingten Stimmungsschwankungen haben bei der Langzeiteinnahme der Mikropille weniger Beschwerden und benötigen weniger Schmerzmittel.
Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder eine verminderte sexuelle Lust (Libido) wurden seltener beobachtet als bei der Einnahme und Entzugsblutung im Monatsrhythmus. Im Vergleich zum herkömmlichen Einnahmerhythmus haben sich auch keine Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit gezeigt.
Einige Erkrankungen, die mit Hormonschwankungen oder direkt mit der Regelblutung zusammenhängen, können durch einen Langzyklus positiv beeinflusst werden. Als medizinische Indikationen für die Langzeiteinnahme der Mikropille gelten zum Beispiel Endometriose, Myome, Eierstockzysten sowie durch starke Blutungen verursachter Eisenmangel.
Nachteile des Langzyklus
Trotz der niedrigen Dosierung der Mikropille ist die Gesamtdosis der Hormone, die während eines Langzyklus im Körper wirken, höher als bei der herkömmlichen Pillen-Einnahme im Monatsrhythmus. Wie sich dies langfristig auswirkt, ist noch nicht untersucht.
Am Anfang des Langzyklus kann es zu unregelmäßig auftretenden Zwischen- und Schmierblutungen kommen.
Ob mit dem Langzyklus Risiken und Nebenwirkungen verbunden sind, die sich möglicherweise erst nach vielen Jahren der Einnahme zeigen, lässt sich heute noch nicht beurteilen. Es gibt bisher keine Langzeitstudien, die den Einfluss zum Beispiel auf die Fruchtbarkeit, auf Krebsrisiken, Thrombosen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersuchen.
Frauenärztinnen, -ärzte und andere Fachleute diskutieren, ob es sich bei jungen Frauen und Mädchen negativ auf die Entwicklung ihres Körpergefühls auswirken könnte, wenn sie keine regelmäßige Menstruation mehr erleben.

