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04.09.2015

Überversorgung in der Schwangerschaft

Im Rahmen einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung wurden rund 1.300 bei der BARMER GEK versicherte Frauen befragt, die im vergangenen Jahr ein Kind bekommen haben. Die Frauen wurden gebeten, Auskunft darüber zu geben, welche Vorsorgeuntersuchungen ihnen angeboten wurden, welche sie wahrgenommen haben und wie sie über die angebotenen Tests aufgeklärt wurden.  

Fast alle Schwangeren (99 Prozent) erhielten mehr Untersuchungen, als die Mutterschafts-Richtlinien vorsehen, unabhängig davon, ob eine Risikoschwangerschaft vorlag oder nicht. Zu den häufigsten Untersuchungen gehörten Ableitungen der Herztöne des Kindes und der Wehen (CTG) sowie zusätzliche Ultraschall-Untersuchungen: Fast jede Schwangere bekam ein CTG, und die Hälfte der Frauen erhielt mehr als fünf Ultraschall-Untersuchungen, auch wenn die Schwangerschaft normal verlief. 80 Prozent der Schwangeren leisteten Zuzahlungen, da die gewünschten oder angebotenen Leistungen nicht Bestandteil der Mutterschafts-Richtlinien waren. Dies geschah unabhängig von Alter, Einkommen oder Bildungsabschluss der Schwangeren.

Insgesamt war die Hälfte der Frauen sehr zufrieden mit der ärztlichen Beratung, weitere 30 Prozent fühlten sich gut beraten. Allerdings gingen 95 Prozent der Frauen davon aus, dass ein CTG zu den Routinemaßnahmen in der Schwangerschaft gehört, obwohl es in den Mutterschafts-Richtlinien nicht vorgesehen ist.

Die Autorinnen der Studie werten die Ergebnisse als eine deutliche Überversorgung während der Schwangerschaft und mutmaßen, dass dies bei den Schwangeren unnötige Unsicherheiten und Ängste vor vermeintlichen Risiken schüren könnte.

Quelle

Bertelsmann Stiftung: Zu viele Untersuchungen in der Schwangerschaft. Pressemitteilung vom 27. Juli 2015.