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04.07.2011

Studie erforscht Motive für und gegen gemeinsame Sorgeerklärung

Ein Drittel der Kinder in Deutschland wird nichtehelich geboren. Eine Studie im Auftrag des Bundesjustizministeriums (BMJ) untersuchte nun die Einstellung der Eltern zum gemeinsamen Sorgerecht.

Etwa jedes dritte Kind in Deutschland hat Eltern, die nicht miteinander verheiratet sind. Deshalb müssen jährlich rund 220.000 Eltern die Frage des Sorgerechts regeln.

Seit Anfang der 1970er Jahre steht unverheirateten Müttern automatisch das alleinige Sorgerecht zu. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und das Bundesverfassungsgericht beanstandeten 2009/2010, dass die Väter seitdem nicht gegen den Willen der Mutter das Sorgerecht beantragen konnten. Deshalb unterbreitete das Bundesjustizministerium im Februar 2011 einen Kompromissvorschlag. Er sieht das beidseitige Sorgerecht für unverheiratete Eltern als Regel vor, wenn dies dem Kindeswohl entspricht.

Gestützt wird der Kompromissvorschlag durch die Ergebnisse des Forschungsvorhabens „Gemeinsames Sorgerecht nicht miteinander verheirateter Eltern“. Die Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI), der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) untersuchte die Einstellung unverheirateter Eltern zum gemeinsamen Sorgerecht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen 50 und 60 Prozent der Eltern die Situation einvernehmlich regeln und gemeinsam die elterliche Sorge innehaben. Für die meisten der zusammen lebenden Eltern ist dies selbstverständlich. Deshalb hält die Studie das gemeinsame Sorgerecht für zusammen lebende Elternpaare für angemessen. Dies könne für die jungen Eltern sogar zu einer Entlastung führen, da für sie ein großer bürokratischer Aufwand entfiele.

Bei getrennt lebenden Elternpaaren oder Eltern, die nicht (mehr) in einer Partnerschaft leben, könne die automatische Übertragung des gemeinsamen Sorgerechts dagegen zu Konflikten führen. Das sei vor allem zu befürchten, wenn sich das Paar im Streit befinde und das Kindeswohl dadurch möglicherweise nicht mehr im Mittelpunkt stehe. Voraussetzung für die gemeinsame Sorge seien reife Eltern-Persönlichkeiten. Das vom BMJ vorgelegte Kompromissmodell könne jedoch die gemeinsame Sorge ab der Geburt und eine gleichberechtigte Aufgabenteilung der Eltern fördern.

Quelle

Deutsches Jugendinstitut e.V., Pressemitteilung vom 9.Mai 2011

 

http://www.dji.de/presse/medieninfo/2011/2011_05_09.pdf

Weitere Informationen unter

Bundesministerium für Justiz: Sorgerecht nicht miteinander verheirateter Eltern, Stand 6.Mai 2011