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13.05.2011

Künstliche Befruchtung: Einflussfaktor Stress überschätzt

Nach aktuellen Studienergebnissen haben die psychischen Belastungen durch eine Kinderwunschbehandlung keinen nachweisbaren Einfluss auf deren Erfolgschancen.

Kinderlose Paare, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, stehen häufig unter großem seelischem Druck: Zu der Enttäuschung, auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen zu können, kommen die Belastungen der Kinderwunschbehandlung. Dass dieser doppelte seelische Stress die Behandlungsergebnisse negativ beeinflussen könnte, wurde lange befürchtet.

Eine Studie der britischen Universität Cardiff, die im Februar 2011 im British Medical Journal veröffentlicht wurde, analysierte die Daten von rund 3600 Frauen zwischen 29 und 37 Jahren aus zehn Ländern. Sie hatten sich zwischen 1985 und 2010 erstmalig einer In-vitro-Fertilisation unterzogen. Vor Beginn der Behandlung wurde mit standardisierten psychologischen Tests überprüft, inwieweit die Frauen unter Ängsten und depressiven Verstimmungen litten. Diese Daten wurden mit der Zahl der Schwangerschaften abgeglichen, die mithilfe der künstlichen Befruchtung entstanden waren. Dabei stellte sich heraus, dass die psychisch belasteten Frauen ebenso häufig schwanger geworden waren wie die Frauen ohne erkennbaren emotionalen Stress.

Nach diesen Ergebnissen senkt seelische Anspannung nicht die Chancen, mithilfe der Fortpflanzungsmedizin schwanger zu werden. Dies könnte darauf hinweisen, dass die biologischen Abläufe und die Qualität der Eizellen für das Eintreten einer Schwangerschaft wichtiger sind als die seelische Verfassung der Frau. Die Studienautorinnen und -autoren schließen jedoch nicht aus, dass die psychische Verfassung bei wiederholten ergebnislosen Behandlungszyklen eine zunehmende Rolle spielen könne. Der psychologische Stress führe manchmal auch zum Behandlungsabbruch.

Quelle

Zeit online, 13.4.2011
Die Chancen auf ein Baby sinken nicht durch Stress