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14.01.2016

Fetales Alkoholsyndrom umfasst mehr Störungen als bisher bekannt

Nach Schätzungen werden etwa 8 von 1000 Kindern mit dem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) geboren. FAS ist eine Folge von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Viele betroffene Kinder sind zu klein und zu leicht für ihr Alter, nicht selten ist die Intelligenz vermindert. Auch äußerlich ist die Schädigung oft zu sehen: Zu den Auffälligkeiten gehören eine kurze Lidspalte, eine schmale Oberlippe und eine wenig ausgeprägte Rinne zwischen Oberlippe und Nase.

Für Kinder, die mit FAS auf die Welt kommen, ist eine frühe Diagnose sehr wichtig, damit sie richtig behandelt und gefördert werden können. Ein kanadisches Forscherteam um Dr. Lana Popava hat jedoch bei der Analyse von über 120 Studien herausgefunden, dass die bisherigen diagnostischen Kriterien nur die Spitze eines Eisbergs erfassen, weil das FAS weitaus mehr Störungen umfasst als allgemein angenommen. 

Mehr als 90 Prozent der Kinder mit FAS zeigen demnach Auffälligkeiten im Verhalten, etwa 80 Prozent weisen Störungen im Sprachverständnis oder in ihrem sprachlichen Ausdruck auf. Bei 70 Prozent der Kinder mit FAS liegen laut Popava Entwicklungsstörungen oder kognitive Störungen vor, mehr als die Hälfte der Kinder hat ein Aufmerksamkeitsdefizit oder eine Hyperaktivität. Zu den möglichen neurologischen Störungen gehören Hör- und Sehbehinderungen. Das Wissen über dieses breite Spektrum möglicher Störungen mache nochmals deutlich, wie wichtig der Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft sei, so das Forscherteam.

Quelle

Deutsches Ärzteblatt: Fetales Alkoholsyndrom: Studie findet 428 Krankheitszeichen, 06.01.2016. Pressemitteilung des Centre for Addiction and Mental Health, Toronto, 05.01.2016.