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Bei drohender Frühgeburt zeigen Wehenhemmer wenig Wirkung
Bei vorzeitigen Wehen bekommen Schwangere oft schnell und über längere Zeit Wehenhemmer. Diese Praxis wird zunehmend kritisch gesehen, da Wehenhemmer nur begrenzt wirken und starke Nebenwirkungen haben.
Mit wehenhemmenden Medikamenten (Tokolytika) lässt sich eine Geburt meist nur um einige Tage hinauszögern. Studien haben gezeigt, dass eine langfristige Anwendung von Wehenhemmern die Frühgeburtsrate nicht senken kann. Trotzdem werden sie häufig auch länger verabreicht. Die Mittel werden meist in die Blutbahn gespritzt, entspannen die Gebärmuttermuskulatur und schwächen so die Wehentätigkeit. Da sie aber die Muskelspannung im gesamten Körper herabsetzen, wird der Kreislauf schwächer und der Herzschlag steigt. Unerwünschte Wirkungen wie Herzrasen, Angstgefühle und Schlaflosigkeit sind deshalb nicht selten.
Die deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt in ihrer aktuellen Leitlinie zur medikamentösen Wehenhemmung deshalb, Wehenhemmer nur in der Zeit zwischen der 24. und 34. Schwangerschaftswoche und nicht länger als zwei Tage einzusetzen. In diesem Zeitraum soll gleichzeitig die Lungenreifung des Kindes medikamentös gefördert werden.
Die früher übliche vollständige Bettruhe der Schwangeren wird in der neuen Leitlinie ebenfalls nicht mehr empfohlen. Auch diese Maßnahme hat die Frühgeburtsrate nicht senken können.
Gebärmutterhalsmessung
Eine Frühgeburt deutet sich in der Regel durch eine Verkürzung des Gebärmutterhalses an. Nach Aussage von Professor Klockenbusch, Leiter des Bereichs Geburtshilfe am Universitätsklinikum Münster, lässt sich die Verkürzung durch eine einfache Ultraschalluntersuchung feststellen. Solange der Gebärmutterhals lang genug ist, besteht laut Klockenbusch keine Notwendigkeit, medikamentös einzugreifen. In diesem Fall könnte ein Wehenhemmer aufgrund seiner Nebenwirkungen mehr schaden als nützen.
Stress vermeiden
Der großzügige Einsatz von Wehenhemmern zeige, so Professor Klockenbusch, dass zu sehr auf medizinische Eingriffe und Medikamente vertraut werde, statt Ruhe und Sicherheit bei den Schwangeren zu fördern. Die größten Stressfaktoren und damit auch Frühgeburtsrisiken seien schon reduziert, wenn eine werdende Mutter sich wohl fühle und sie durch Fachkräfte gut begleitet werde. Eine Schwangere müsse herausfinden, was ihr gut tue und wo sie sich geborgen und sicher fühle. Das helfe oft mehr als Medikamente.
Quelle
Links zum Thema
- DGGG-Leitlinie „Medikamentöse Wehenhemmung bei drohender Frühgeburt“
Die Leitlinie gibt detaillierte Empfehlungen zum Einsatz von Medikamenten zur Hemmung der Wehentätigkeit.
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