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24. Deutscher Kongress für Perinatale Medizin: Kaiserschnitt ist keine einfache Lösung
Mittlerweile kommt fast jedes dritte Kind in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt. Auf dem diesjährigen Perinatalkongress in Berlin wurde kritisiert, dass werdende Eltern zuwenig auf die möglichen Komplikationen der Schnittentbindung hingewiesen werden.
Die Hoffnung der modernen Medizin, die Anstrengung der Geburt durch einen schnellen Schnitt überflüssig zu machen und das Vorbild vieler prominenter Frauen haben in den letzten Jahren zu steigenden Kaiserschnittraten geführt. Dass der Kaiserschnitt jedoch nicht immer ein einfacher Weg zum Kind sei, betonte Dr. Babett Ramsauer vom Perinatalzentrum des Vivantes Klinikum Neukölln (Berlin). Ein medizinisch nicht notwendiger Kaiserschnitt bedeute oft auch einen unnötig schweren Start ins Leben.
Laut Dr. Ramsauer zeigen die Neugeborenen häufiger Anpassungsstörungen, vor allem bei der Atmung. Doppelt so viele Kinder wie nach vaginalen Geburten müssen auf eine Neugeborenen-Intensivstation verlegt werden. Auch wissen Eltern oft nicht, dass der Kaiserschnitt verschiedene Risiken bei einer weiteren Schwangerschaft und Geburt mit sich bringt. Er kann zu Störungen beim Festwachsen der Plazenta an der Gebärmutterwand oder beim Ablösen der Plazenta führen. Narben können aufreißen, außerdem können chronische Narbenschmerzen entstehen.
Für den Kaiserschnitt wurde lange mit dem Argument geworben, er schone im Gegensatz zur Vaginalgeburt den Beckenboden. Der Vorteil sei jedoch geringer als vermutet, da der Beckenboden schon während der gesamten Schwangerschaft und nicht erst bei der Geburt stark beansprucht werde, so Ramsauer. Sie kritisierte zudem, dass die möglichen seelischen Folgen für Mütter nach Kaiserschnittgeburten bisher kaum beachtet würden, wie zum Beispiel Ohnmachtsgefühle bei der Geburt und ein unbefriedigendes Geburtserlebnis.
Aus eigener Kraft gebären
Nach einer Studie der Gmündner Ersatzkasse äußerten 86 Prozent der Frauen, die einen Kaiserschnitt erlebten, dass sie dessen Folgen unterschätzt hätten. 70 Prozent von ihnen wünschen sich für das nächste Mal eine vaginale Geburt. Unter anderem deshalb, weil sie das Gefühl haben, ihnen sei das Erlebnis entgangen, die Geburt aus eigener Kraft zu schaffen.
Nach Dr. Ramsauer wächst aber auch bei den ärztlichen Geburtshelferinnen und -helfern wieder der Wunsch, nicht nur die Kaiserschnitt-Technik zu beherrschen, sondern auch die Kunst, eine Vaginalgeburt gut zu betreuen.
Pressemeldung
http://www.mwm-vermittlung.de/perinatal09PDRamsauer.html
Quelle
Pressemeldung der deutschen Gesellschaft für perinatale Medizin
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