Das zweite (oder dritte...) Kind

Wenn das zweite (oder dritte ...) Kind kommt, haben Mütter und Väter schon eine gewisse Routine. Und doch ist bei jeder neuen Schwangerschaft einiges anders als beim ersten Mal.

Kind gibt der Mutter eine Mandarine. © BzgA/HN/Eichhoefer

Frauen, die bereits ein Kind zur Welt gebracht haben, nehmen eine weitere Schwangerschaft oft gelassener. Sie wissen in etwa schon, was auf sie zukommt, und haben deshalb häufig weniger Ängste als beim ersten Mal. Sie können körperliche und seelische Veränderungen besser einordnen und empfinden sie daher als weniger beunruhigend. Auch die erste Zeit mit dem Neugeborenen ist für Mutter und Vater kein „Neuland“ mehr.

Dennoch ist jede Schwangerschaft und jedes Kind anders. Der Körper reagiert möglicherweise anders als bei der ersten Schwangerschaft. Veränderte Lebensumstände bringen Neues und oft auch Unerwartetes mit sich.

Wo bleibt die Zeit?

Wenn eine Schwangere schon ein Kind hat, kann sie die zweite Schwangerschaft auch als anstrengender empfinden. Als werdende Mutter konnte sie sich in der ersten Schwangerschaft vielleicht noch viel Ruhe gönnen und sich auf das Kind vorbereiten. Der Alltag in einem Haushalt mit einem oder mehreren Kindern lässt das oft nicht mehr zu. Wenn aber Muße und Entspannung zu kurz kommen, bereitet das manchen Frauen Schuldgefühle gegenüber dem ungeborenen Kind.

Für schwangere Mütter ist es daher wichtig, ihren Alltag so einzurichten, dass ihnen täglich ein wenig Zeit bleibt, sich auf das neue Kind einzustellen und die nötigen Vorbereitungen zu treffen.

Ausschlafen, entspannen und fit halten

Ein wichtiges Thema ist oft die Müdigkeit. Damit haben werdende Mütter ohnehin häufig zu kämpfen. Wenn eine Schwangere dazu noch ein Kleinkind hat, das nachts oft aufwacht oder nachmittags wenig oder gar nicht mehr schläft, kann es sein, dass sie zu wenig Schlaf bekommt. Ständige Müdigkeit kann dann das allgemeine Befinden stark beeinträchtigen.

Ab und zu einmal richtig auszuschlafen, ist wichtig und kann schon sehr helfen. Daher sollte es möglich sein, dass sich auch einmal jemand anderes morgens um das Erstgeborene kümmert. Mithilfe des Partners, der Familie und vielleicht auch des Freundeskreises lässt sich der Alltag oft so organisieren, dass sich die Schwangere ab und zu etwas Gutes tun und sich erholen kann.

Den Körper durch ausreichend Bewegung und moderaten Sport fit zu halten hilft, den Belastungen des Alltags mit Kindern standzuhalten und zum Beispiel Rückenschmerzen vorzubeugen. Regelmäßige Übungen zur Stärkung der stützenden Muskulatur, die zum Beispiel in Geburtsvorbereitungskursen vermittelt werden, können vor Beschwerden schützen.

Vorsorge und Vorbereitung

Falls es in vorangegangenen Schwangerschaften Schwierigkeiten gab, kann eine besondere medizinische Betreuung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen nötig sein. Die Ärztin oder der Arzt wird deshalb Einzelheiten über frühere Geburten, Schwangerschaften oder ein Fehlgeburtsrisiko erfragen. Wenn eine Rhesus-Unverträglichkeit vorliegt, hat die Mutter bei der ersten Geburt Antikörper gegen das Blut ihres Kindes entwickelt. In diesem Fall muss die Antikörperbildung bei der zweiten und allen weiteren Schwangerschaften medikamentös verhindert werden.

Auch wenn die Schwangere schon einmal einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht hat, ist eine Wiederholung bei einer erneuten Schwangerschaft sinnvoll. Hier können die Erfahrungen der vorangegangenen Geburt besprochen werden. Falls Probleme aufgetreten sind, lassen sie sich beim nächsten Mal vielleicht vermeiden. Für Frauen, die bereits Kinder haben, kann auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Schwangeren und Müttern hilfreich sein. Nicht zuletzt bedeutet ein Geburtsvorbereitungskurs eine Pause im Alltag – Zeit für sich selbst und für das ungeborene Kind.

Geschwisterkinder

Eltern machen sich häufig Gedanken darüber, wie sie ihr älteres Kind auf das Baby vorbereiten. In Zukunft muss das Ältere die Liebe und Aufmerksamkeit seiner Eltern und der Familie teilen. Das ist für die meisten Kinder schwer. Je nach Temperament rebellieren sie dagegen und geben ihren bisherigen „Spitzenplatz“ nicht ohne Widerstand auf.

Leichter wird es für das ältere Geschwisterkind, wenn es – abhängig von seinem Alter und seiner Vorstellungskraft – in das Geschehen einbezogen wird. Es kann zum Beispiel den Bauch der Mutter anfassen und die Bewegungen des Ungeborenen fühlen. So kann es sich besser vorstellen, was da im Bauch passiert. Auch Bilderbücher und Erklärungen mit einfachen Worten helfen, die Schwangerschaft und die Entwicklung des Ungeborenen zu verstehen. Eine neue Babypuppe zum Umsorgen kann die Situation entspannen. Ältere Kinder können beim Kauf von Babysachen oder bei der Einrichtung des Kinderzimmers helfen.

Nach der Geburt, wenn das Neugeborene viel Zeit und Aufmerksamkeit der Mutter beansprucht, braucht das Geschwisterkind auch andere Bezugspersonen, die für es da sind. In erster Linie wird das der Vater sein. Vielleicht können auch Großeltern, Paten, Freunde oder Nachbarn einspringen, mit dem „Großen“ spielen und etwas Schönes mit ihm unternehmen.

Ist das Kind alt genug, kann es auch schon kleinere Aufgaben bei der Säuglingspflege oder im Haushalt übernehmen. Wenn seine Eltern ihm das Gefühl geben, eine Hilfe zu sein, kann das seine Eifersucht deutlich mildern und die Freude am Familienzuwachs stärken.

Familienleben organisieren

In einer Partnerschaft wird ein weiteres Kind möglicherweise eine neue Arbeitsteilung erfordern. Die Partner müssen erneut untereinander aushandeln, wer in welchem Umfang berufstätig ist und sich in welcher Weise an der Hausarbeit und Kindererziehung beteiligt.

Untersuchungen zeigen, dass sich ab dem zweiten Kind häufig eine traditionelle Rollenverteilung zwischen Frau und Mann durchsetzt. Für Mütter ist es deshalb wichtig, ihre Berufswünsche und Perspektiven genau zu klären. Die eigenen Vorstellungen eindeutig zu formulieren und genaue Absprachen miteinander zu treffen, ist beim zweiten oder dritten Kind genauso ratsam wie schon bei der ersten Schwangerschaft.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16.02.2015