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Pränataldiagnostik: Gemeinsam entscheiden

Paar im Gespräch, auf Sofa sitzend © Tom Grill/Tetra Images/Corbis

Häufig werden über die regulären Vorsorgeuntersuchungen hinaus auch Untersuchungen zur Pränataldiagnostik erwogen. Die werdenden Eltern müssen für sich entscheiden, welche Angebote sie nutzen möchten.


Die meisten Kinder kommen gesund zur Welt. Allerdings erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einige erblich bedingte Entwicklungsstörungen mit zunehmendem Alter der Frau. Die Medizin hat deshalb festgelegt, dass Frauen ab 35 Jahren weitergehende Untersuchungen als Kassenleistung angeboten werden. Diese Altersgrenze ist jedoch nur ein statistischer Wert. Er sagt nichts darüber aus, ob bei einer bestimmten Frau in diesem Alter tatsächlich ein höheres Risiko besteht, dass ihr Ungeborenes eine Chromosomenstörung hat.

Es gibt einige Hinweise darauf, dass auch ein höheres Alter des Vaters das Risiko für Fehlgeburten und Fehlentwicklungen des Kindes im Mutterleib erhöht. Die Auswirkungen des väterlichen Alters sind bisher jedoch noch nicht ausreichend erforscht.

Kostenübernahme und Aufklärungspflicht

Mit dem Begriff Pränataldiagnostik werden Tests und Untersuchungen der Schwangeren und des ungeborenen Kindes bezeichnet, die schwere Erkrankungen und Behinderungen des Ungeborenen schon vor der Geburt entdecken sollen. Sie gehören nicht zu den regulären Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft, sondern müssen als „Individuelle Gesundheitsleistungen“ (IGeL) selbst bezahlt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn eine Frau über 35 Jahre alt ist, eine medizinische Indikation oder ein familiär bedingtes erhöhtes Risiko besteht. Wenn sich zum Beispiel bei den normalen Vorsorgeuntersuchungen Anzeichen ergeben haben, dass die kindliche Entwicklung gestört sein könnte, werden weitere Untersuchungen wie ein Spezial-Ultraschall von den Kassen gezahlt.

Nach dem neuen Gendiagnostikgesetz müssen Schwangere vor einer pränataldiagnostischen Untersuchung ausführlicher als bisher über die Art der Untersuchung und über mögliche Konsequenzen aufgeklärt werden. Eine schriftliche Einwilligung ist vorgeschrieben. Ärztinnen und Ärzte müssen auf die Möglichkeit und den Nutzen einer psychosozialen Beratung im Zusammenhang mit pränataldiagnostischen Tests hinweisen. Zeichnet sich bei den Untersuchungen ab, dass das Ungeborene eine Behinderung hat, müssen sie Expertinnen oder Experten hinzuziehen, die auf die Gesundheitsschädigung des Kindes spezialisiert sind. Das gilt besonders, wenn die werdende Mutter aus psychischen Gründen einen Abbruch der Schwangerschaft in Erwägung zieht.

Eingreifende und nicht eingreifende Verfahren

Bei den pränataldiagnostischen Untersuchungen unterscheidet man zwischen Methoden, die nicht in den Körper eingreifen (nicht-invasiven) und Methoden, die in den Körper eingreifen (invasiven).

Die nicht-invasiven Verfahren gefährden die Schwangerschaft nicht, sind aber weniger aussagekräftig als die invasiven. Zu den nicht-invasiven Verfahren gehören der Nackentransparenz-Ultraschall, der Ersttrimester-Test (ETS) oder der Triple-Test, mit denen vor allem das Risiko für Chromosomenabweichungen eingeschätzt werden kann. Sie können auch Hinweise auf andere Abweichungen geben (beispielsweise Herzfehler oder einen „offenen Rücken“). Das Ergebnis der Untersuchung wird in Wahrscheinlichkeiten ausgedrückt: So kann zum Beispiel ein Risiko von 1:450 bestehen, dass das Kind eine Chromosomenabweichung hat.

Bei einer hohen Wahrscheinlichkeit können weiterführende, invasive Untersuchungen gemacht werden, um den Verdacht auf eine kindliche Schädigung auszuschließen oder zu bestätigen. Invasive Untersuchungen sind zum Beispiel die Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Plazenta (Chorionzottenbiopsie) oder die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese). Sie ermöglichen genauere Aussagen über Chromosomenstörungen, Neuralrohrdefekte, Stoffwechsel- und Muskelerkrankungen oder mögliche Erbkrankheiten. Diese Verfahren sind nicht ohne Risiko für das Ungeborene: So löst eine Fruchtwasseruntersuchung in einem von 100 Fällen eine Fehlgeburt aus, eine Chorionzottenbiopsie in 0,5 bis 2 von 100 Fällen.

Nutzen und Konsequenzen

Vor der Entscheidung zu einem Test ist es sehr wichtig, sich über den Nutzen und die Konsequenzen zu informieren. Mithilfe der Pränataldiagnostik lässt sich zwar die Wahrscheinlichkeit von Fehlentwicklungen und Krankheiten einschätzen. Jedoch sind die Befunde oft nicht eindeutig und ziehen weitere Tests nach sich. Und: Bei einem auffälligen Befund sind die Behandlungsmöglichkeiten in der Schwangerschaft bisher sehr begrenzt.

Bluttransfusionen sind beispielsweise nur sehr selten sinnvoll, Operationen im Mutterleib sind immer noch Einzelversuche. Eine festgestellte Chromosomenanomalie lässt sich nicht verändern. Aufgrund einer vorgeburtlichen Diagnose kann ein erkranktes Kind jedoch in einer Spezialklinik geboren werden, um ihm einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Entscheidungsfindung

Manche Eltern fühlen sich sicherer, wenn ein Test ihnen ein unauffälliges Ergebnis bescheinigt. Andere erleben das Angebot, verschiedene Tests durchführen zu lassen, eher als belastend. Sie können sich gegen Pränataldiagnostik und für ihr Recht auf Nichtwissen entscheiden.

Bei einem auffälligen Befund stellt sich für werdende Eltern die Frage, ob sie sich ein Leben mit einem behinderten Kind zutrauen. Eine Schwangere kann sich durch die Schwangerschaft psychisch so sehr belastet fühlen, dass ihr ein Abbruch als der einzige Ausweg erscheint.

Wichtig ist, sich vor einer pränataldiagnostischen Untersuchung gemeinsam darüber klar zu werden: Welche Konsequenzen hätte das Ergebnis für uns? Können wir uns ein Leben mit einem behinderten Kind vorstellen? Was würde ein Schwangerschaftsabbruch in der Spätschwangerschaft, bei dem möglicherweise das Kind im Mutterleib getötet werden muss, für uns bedeuten?

Beratung und Unterstützung

Pränataldiagnostische Untersuchungen lösen fast immer viele Fragen und Konflikte aus, mit denen aber weder die Frau noch der Mann allein bleiben muss. Schwangerschafts-Beratungsstellen bieten kostenfreie psychosoziale Beratungen an, auf die Eltern einen gesetzlichen Anspruch haben. Hier können alle Fragen, die sich im Zusammenhang mit den vorgeburtlichen Untersuchungen stellen, angesprochen werden. Dazu gehören auch Unsicherheiten, Ängste oder das Gefühl, mit einer Entscheidung überfordert zu sein. Die Beratung kann gemeinsam oder allein in Anspruch genommen werden.

Weiterführende Informationen

Publikationen zum Thema

Vera Herbst
Berlin 2007 | Preis: 24,80 €
Conny Wenk
Neumünster 2008 | Preis: 19,80 €

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Häufig gestellte Fragen

Schadet häufiges Ultraschallen dem Ungeborenen?

Wissenschaftliche Studien haben bisher keine schädlichen Auswirkungen von Ultraschall-Untersuchungen auf Ungeborene feststellen können. Dennoch sollte sich der Einsatz des medizinischen Diagnoseverfahrens auf notwendige Untersuchungen im Rahmen der Vorsorge beschränken. Von längerem «Baby-Fernsehen», um das ungeborene Kind in 3D-Technik zu betrachten, rät das Europäische Komitee für Ultraschallsicherheit ab.

Eine große Langzeitstudie zum Thema konnte auch nach wiederholten Ultraschall-Untersuchungen in der Schwangerschaft keine Schäden an Kindern nachweisen. Ein australisches Wissenschaftlerteam hatte insgesamt 3000 Kinder bis zu ihrem achten Lebensjahr begleitet. Von ihnen war die Hälfte während der Schwangerschaft ihrer Mütter mehrmals, die andere dagegen nur einmal mit Ultraschall untersucht worden. Jährliche Vergleiche zeigten keine Unterschiede im Wachstum, im Verhalten oder in der geistigen Entwicklung der Kinder. Die Studie wurde 2004 im renommierten Fachjournal «The Lancet» veröffentlicht. Diese Ergebnisse wurden durch neuere Forschungsarbeiten bestätigt.

Muss der Arbeitgeber einen Mann für Termine im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt freistellen?

Für Arbeitgeber besteht grundsätzlich keine Verpflichtung, Männer für die Wahrnehmung solcher Termine freizustellen. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, um eine gütliche Vereinbarung treffen zu können. Abgesehen davon ist es ratsam, Untersuchungstermine möglichst ans Ende der ärztlichen Sprechstunden zu legen. Dann lassen sie sich besser mit den üblichen Arbeitszeiten vereinbaren.

Auch wenn die Geburt naht, empfiehlt es sich, schon früh mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um für die "Rufbereitschaft" in der Zeit um den errechneten Geburtstermin herum eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Stimmt es, dass sich auch Männer "schwanger" fühlen können?

Nicht nur Frauen bekommen in der Schwangerschaft einen dicken Bauch. Auch Männern kann dies passieren – und sei es »nur«, weil sie mit dem Rauchen aufhören. Darüber hinaus zeigen nicht wenige werdende Väter unterschiedlich starke »Schwangerschafts-Symptome« wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder starke Stimmungsschwankungen.

Über die Ursachen dieses Phänomens ist bislang wenig bekannt. Immerhin wurde im Jahr 2000 an der kanadischen Memorial University in St. Johns eine kleine Studie mit 34 Teilnehmern dazu durchgeführt. Sie ergab, dass die untersuchten Männer während der Schwangerschaft ihrer Partnerin vorübergehend vermehrt das Stresshormon Cortisol sowie das milchbildende Hormon Prolaktin produzierten. Unmittelbar nach der Geburt des Kindes sank der Testosteron-Wert bei den Männern um bis zu einem Drittel, was möglicherweise ein fürsorglicheres Verhalten förderte.

Abgesehen von möglichen hormonellen Einflüssen kann ein werdender Vater auch angesichts all der anstehenden neuen Aufgaben in Stress geraten. Vielleicht ist er mit einem Mal leichter erschöpft und antriebslos. Wird er häuslicher, weniger aktiv und ändert seine Essgewohnheiten, legt er möglicherweise an Gewicht zu. Solche Symptome zeigen, dass auch das Vaterwerden tiefgreifende Veränderungen mit sich bringt, die erst einmal "verdaut" werden wollen.

Die Anzeichen einer »mitfühlenden Schwangerschaft« werden unter dem Begriff »Couvade« zusammengefasst. Das Wort bedeutet so viel wie »ausbrüten«.

Können pränataldiagnostische Untersuchungen das Kind gefährden?

Ein gewisses Risiko für das Ungeborene besteht bei allen Verfahren der Pränataldiagnostik, die mit einem Eingriff verbunden sind (invasive Verfahren). Bei diesen Untersuchungen werden mit einer Hohlnadel kindliche Zellen aus der Plazenta, dem Fruchtwasser oder der Nabelschnur entnommen. Verletzungen des Fötus durch die Nadel sind sehr selten. Der Eingriff kann aber bei der Schwangeren Blutungen und Wehen auslösen, oder es kann Fruchtwasser abfließen.

Laut Statistik beträgt das Risiko einer Fehlgeburt bei der Chorionzottenbiopsie 0,5 bis 2 Prozent, bei der Fruchtwasseruntersuchung 0,5 bis 1 Prozent und bei der Nabelschnurpunktion 1 bis 3 Prozent. Das bedeutet, je nach Verfahren wird bei bis zu drei von 100 untersuchten Frauen durch die Untersuchung eine Fehlgeburt ausgelöst.

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