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Gemeinsam durch die Schwangerschaft

Schwangere Frau mit ihrem Partner © Clerkenwell/The agency Collection/Getty Image

Viele Paare gehen gemeinsam zu den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Das sind oft kleine Auszeiten, in denen Frau und Mann sich "gemeinsam schwanger" fühlen und über Wünsche und Sorgen rund um Schwangerschaft und Geburt sprechen können.


Heute sind die meisten Hebammen und gynäkologischen Praxen darauf eingestellt, dass Männer ihre schwangere Partnerin zu verschiedenen Untersuchungsterminen begleiten. Dabei kann auch der werdende Vater der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt Fragen stellen, die ihn persönlich beschäftigen. Für den Mann kann die Begleitung zu den Untersuchungen eine gute Vorbereitung auf die spätere Geburt des Kindes sein.

Es ist oft hilfreich, wenn der Mann frühzeitig die Hebamme kennenlernt, die später die Geburt begleiten soll. Nicht nur die Chemie zwischen Hebamme und Frau sollte stimmen, sondern nach Möglichkeit auch die zwischen Hebamme und Mann.

Für die Begleitung zu den Vorsorgeterminen ihrer Partnerin haben werdende Väter kein Anrecht auf Freistellung von der Arbeit. Es empfiehlt sich daher, die Vorsorgetermine möglichst ans Ende der Sprechstundenzeit zu legen.

Ein Bild vom Kind

Um die siebte Schwangerschaftswoche steht im Allgemeinen die erste von zehn Vorsorgeuntersuchungen an, auf die Schwangere einen gesetzlichen Anspruch haben. Der Sinn der Untersuchungen besteht darin, mögliche Risiken für Mutter und Kind rechtzeitig zu erkennen und wenn nötig handeln zu können. Dabei wird in der Regel auch der Mutterpass ausgestellt.

Zwischen der neunten und zwölften Woche wird die erste von normalerweise drei Ultraschalluntersuchungen angeboten. Für die meisten Männer, die ihre Partnerin zu diesem Termin begleiten, ist dieses Ereignis sehr wichtig. Der erste Blick auf ihr ungeborenes Kind ist ein ganz besonderer Moment. Es wird ihnen oft erst beim Anblick des sich bewegenden Fötus auf dem Bildschirm richtig bewusst, dass im Bauch ihrer Partnerin nun ein gemeinsames Kind heranwächst. Nicht selten entsteht in dieser Sekunde die erste emotionale Verbindung zum Kind.

Bei der Geburt dabei sein oder nicht?

Jedem werdenden Vater stellt sich früher oder später die Frage, ob er bei der Geburt seines Kindes dabei sein möchte, ob er sich das zutraut und ob seine Partnerin damit einverstanden ist. Jedes Paar sollte sich deshalb frühzeitig und offen mit der Frage beschäftigen, welche Begleitung sich die werdende Mutter bei der Geburt wünscht und ob der Mann wirklich dabei sein möchte. Niemandem ist damit gedient, wenn einer von beiden sich zu etwas gedrängt fühlt, was sie oder er eigentlich nicht möchte.

Es gibt viele nachvollziehbare Gründe, warum Männer entscheiden, bei der Geburt nicht dabei zu sein: Vielleicht fühlen sie sich nicht ausreichend vorbereitet und meinen, während der Geburt nicht nützlich sein zu können. Oder sie ahnen oder wissen, dass sie Körperausscheidungen wie Fruchtwasser und Blut nicht gut sehen können, und fürchten, der Situation nicht gewachsen zu sein. Vielleicht akzeptieren sie es auch einfach, wenn ihre Partnerin sich in Begleitung ihrer Mutter oder einer Freundin sicherer fühlt.

Auf der anderen Seite berichten viele Väter, dass die Geburt ihres Kindes eins der bedeutendsten Erlebnisse ihres Lebens war. Und viele Frauen erzählen, dass der Beistand ihres Partners für sie außerordentlich wichtig war – auch wenn er nicht viel mehr tun konnte als einfach da zu sein. Gespräche mit Vätern aus dem Freundeskreis, die bei der Geburt ihrer Kinder dabei waren – oder sich dagegen entschieden hatten –, können bei der Entscheidungsfindung helfen.

Wer bei der Geburt seines Kindes dabei sein möchte, sollte gemeinsam mit seiner Partnerin einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen.

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Häufig gestellte Fragen

Darf der Vater bei einem Kaiserschnitt mit in den OP-Saal?

Wenn Frau und Mann das möchten, spricht im Prinzip nichts dagegen. Die meisten Kliniken sind auf die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal eingestellt. Wenn schon vor der Geburt klar ist, dass eine Schnittentbindung nötig wird, können die werdenden Eltern in einem Vorgespräch mit der Ärztin, dem Arzt und der Hebamme besprechen, wie der Mann seine Frau während des Eingriffs und danach am besten unterstützen kann.

 

 

Gibt es den "Baby blues" auch bei Männern?

Auch Väter können sowohl vom aufwühlenden Erlebnis der Geburt als auch angesichts der neuen Anforderungen als Vater seelisch stark erschüttert werden. Wie ein schwerer Verlust oder massive Probleme kann auch eine eigentlich erwünschte Veränderung des Lebens starke Stimmungsschwankungen oder eine depressive Phase auslösen.

Manche Männer fühlen sich nach der Geburt des Kindes von ihrer Partnerin zurückgesetzt und entwickeln Eifersuchtsgefühle. Auch dies kann zu einem nachhaltigen Stimmungstief führen oder es verstärken.

Wenn die Eltern darüber reden, was sie beschäftigt, können sie sich besser darin unterstützen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Halten depressive Verstimmungen über längere Zeit an oder verstärken sie sich, ist es wichtig, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Stimmt es, dass das Geburtserlebnis Männer seelisch überfordern kann?

Eine Geburt hinterlässt auch bei Männern tiefe seelische Eindrücke. Ob schwierige Geburtserlebnisse einen Mann auch später noch seelisch belasten können, hängt neben seiner grundsätzlichen seelischen Stabilität davon ab, wie gut er sich auf die Geburt vorbereitet.

Männer, die große Angst vor dem Geburtserlebnis haben oder sich sorgen, weil sie etwa kein Blut sehen können, sollten darüber mit ihrer Partnerin und der Hebamme sprechen. Möglicherweise ist es dann besser, nicht mit zur Geburt zu gehen.

Bei der Geburt weitet sich die Scheide enorm. Durch das Pressen können Stuhl und Urin abgehen, und es fließt Fruchtwasser gemischt mit Blut. Ob und wie dieser Anblick später das sexuelle Empfinden eines Mannes stören kann, ist bisher nicht erforscht. Der beste Platz des Mannes ist normalerweise ohnehin seitlich oder hinter der Gebärenden, damit er die Hebamme oder das ärztliche Personal nicht behindert.

Vergleicht man die Geburtserlebnisse von Vätern, die an einem guten Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen haben, mit denen von Vätern, die unvorbereitet waren, zeigt sich, dass vorbereitete Männer das Geburtserlebnis deutlich positiver bewerten. Informierte Männer können zum einen besser mit kritischen Geburtssituationen umgehen, zum anderen sind sie besser darauf vorbereitet, ihre Partnerin starke Geburtsschmerzen erleiden zu sehen und ihr phasenweise nicht wirklich helfen zu können. Die Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs ist werdenden Vätern deshalb zu empfehlen.

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