Ich habe mit meiner Frau gemeinsam den Geburtsvorbereitungskurs besucht. Ich weiß noch, dass ich damals oft gehetzt und müde zum Kurs kam, aber jedes Mal ziemlich entspannt nach Hause gegangen bin. Diese Abende waren schöne Auszeiten, in denen mir mehr als sonst im Alltag klar wurde, dass wir bald zu dritt sein würden.
Frauensache
Die Rolle des bloßen Begleiters meiner Frau war allerdings erst gewöhnungsbedürftig. Vom Kopf her war mir natürlich klar, dass sie und nicht ich das Kind zur Welt bringen würde. Aber ich bin es gewohnt, die Dinge in die Hand zu nehmen, und musste damals erst lernen, mich mehr zurückzunehmen. Glücklicherweise fiel mir das umso leichter, je mehr ich begriff, mit welcher Selbstverständlichkeit meine Frau trotz aller Ängste unser Kind in sich trug.
Außerdem wuchs mein Vertrauen in sie, je mehr ich über die Geburtsvorgänge erfuhr. Plötzlich war ich sogar froh, bei diesem gigantischen Ereignis bloß in der zweiten Reihe stehen zu müssen beziehungsweise zu dürfen. Von da an betrachtete ich mich als Assistenten meiner Frau. Die Hebamme sagte mir und den anderen Männern, was es für uns zu tun gab, und das war genau das Richtige.
Männersache
Leider kam in unserem Vorbereitungskurs nie ein männlicher Geburtshelfer dazu, was ich interessant gefunden hätte. Aber die Hebamme hat uns Männer so gut es ging einbezogen. Außerdem gingen die meisten Paare nach jedem Kursabend noch in eine Kneipe. Da habe ich oft mit den anderen Männern an einem Tisch gesessen und geredet.
Einige dieser Männer sehe ich heute noch regelmäßig. Nach der Geburt war es gut, Männer treffen zu können, die gerade das Gleiche erlebt hatten wie ich und deshalb in etwa wussten, was mich beschäftigte.
Chefsache
Während der Geburt habe ich meine Frau zwar nicht massiert (sie mochte das in dem Moment gar nicht haben), aber wir waren uns sehr nahe. Weil meine Rolle klar definiert war, fiel es mir nicht schwer, mich nach ihren Wünschen und den Anweisungen der Hebamme zu verhalten. Meine Frau sagte, wo es lang ging, und ich begleitete sie, wohin auch immer sie wollte. Komischerweise war das eine tolle Erfahrung für mich. Das hat uns richtig zusammengeschweißt.
Ich glaube sogar, dass ich über diese Erfahrung ein besserer Chef geworden bin. Ich habe gelernt, auf die Fähigkeiten anderer zu vertrauen, und merke, wie sehr es mich entlastet, Verantwortung auch mal abzugeben.
Weitere Informationen zum Thema
Publikationen zum Thema
Häufig gestellte Fragen
Schadet häufiges Ultraschallen dem Ungeborenen?
Ein Wissenschaftlerteam von der University of Western Australia hat im Zuge einer Langzeitstudie festgestellt, dass sich auch nach wiederholten Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft keine Schäden an Kindern nachweisen lassen.
Forschungsleiter John Newham begleitete mehrere Tausend Kinder bis zu ihrem achten Lebensjahr, von denen einige während der Schwangerschaft ihrer Mütter mehrmals, andere dagegen nur einmalig mit Ultraschall untersucht worden waren. Ein Vergleich zeigte jedoch keine Unterschiede hinsichtlich der Größe der Kinder, des Sprechens, der Sprache, des Verhaltens oder der neurologischen Entwicklung.
Darf der Vater bei einem Kaiserschnitt mit in den OP-Saal?
Wenn Frau und Mann das möchten, spricht im Prinzip nichts dagegen. Die meisten Kliniken sind auf die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal eingestellt. Wenn schon vor der Geburt klar ist, dass eine Schnittentbindung nötig wird, können die werdenden Eltern in einem Vorgespräch mit der Ärztin, dem Arzt und der Hebamme besprechen, wie der Mann seine Frau während des Eingriffs und danach am besten unterstützen kann.
Muss der Arbeitgeber einen Mann für Termine im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt freistellen?
Für Arbeitgeber besteht grundsätzlich keine Verpflichtung, Männer für die Wahrnehmung solcher Termine freizustellen. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, um eine gütliche Vereinbarung treffen zu können. Abgesehen davon ist es ratsam, Untersuchungstermine möglichst ans Ende der ärztlichen Sprechstunden zu legen. Dann lassen sie sich besser mit den üblichen Arbeitszeiten vereinbaren.
Auch wenn die Geburt naht, empfiehlt es sich, schon früh mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um für die "Rufbereitschaft" in der Zeit um den errechneten Geburtstermin herum eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Können auch Männer nach der Geburt "in ein tiefes Loch fallen"?
Frisch gebackene Väter können sowohl unter dem aufwühlenden Eindruck der Geburt als auch angesichts der neuen Anforderungen ihres Vaterseins seelisch stark erschüttert werden. Wie ein schwerer Verlust oder massive finanzielle Probleme kann auch eine im Prinzip erwünschte Veränderung des Lebens eine depressive Episode auslösen.
Hinzu kommt, dass manche Männer sich von ihrer Partnerin nach der Geburt des Kindes zurückgesetzt fühlen und Eifersuchtsgefühle entwickeln. Auch dies kann zu einem nachhaltigen Stimmungstief führen.
Wenn die Eltern offen darüber reden, was sie beschäftigt, können sie sich gegenseitig darin unterstützen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Halten die depressiven Verstimmungen jedoch an, kann es ratsam sein, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Stimmt es, dass Männer durch das Geburtserlebnis traumatisiert werden können?
Wie bei jeder Frau hinterlässt eine Geburt auch bei Männern tiefe seelische Eindrücke. Ob ein Mann die möglicherweise schwierige Geburt seines Kindes traumatisch erlebt, hängt vor allem von seiner grundsätzlichen seelischen Stabilität ab.
Männer, die große Angst vor dem Geburtserlebnis verspüren oder sich sorgen, weil sie etwa kein Blut sehen können, sollten darüber mit ihrer Partnerin und der Hebamme sprechen. Möglicherweise ist es dann besser, nicht mit zur Geburt zu gehen.
Bei der Geburt weitet sich die Scheide enorm. Durch das Pressen können Stuhl und Urin abgehen, und es fließt Fruchtwasser gemischt mit Blut. Ob dieser Anblick das sexuelle Empfinden eines Mannes beeinträchtigen kann, ist schwer zu sagen, da es bislang keine diesbezüglichen Studien gibt.
Kommt das Kind heraus, ist der beste Platz des Mannes ohnehin gewöhnlich seitlich oder hinter der Gebärenden, damit er die Hebamme oder das ärztliche Personal nicht behindert. Dort ist seine Sicht auf das Geschehen zwar eingeschränkt. Er kann aber auf diese Weise seiner Partnerin am besten den Rücken stärken - im wahrsten Sinne des Wortes.
Stimmt es, dass auch Männer körperliche Anzeichen einer Schwangerschaft entwickeln können?
Nicht nur Frauen bekommen in der Schwangerschaft einen dicken Bauch. Auch Männern kann dies passieren, und sei es, weil sie das Rauchen aufhören. Darüber hinaus zeigen nicht wenige werdende Väter mehr oder weniger starke "Schwangerschafts-Symptome" wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder heftige seelische Schwankungen.
Über die physiologischen Ursachen dieses Phänomens ist bislang wenig bekannt. Immerhin wurde an der Memorial University in St. Johns, Kanada, eine kleine Studie mit 34 Probanden durchgeführt, die ergab, dass die untersuchten Männer während der Schwangerschaft ihrer Partnerin das Stresshormon Cortisol und auch das milchbildende Hormon Prolaktin vorübergehend vermehrt produzierten. Unmittelbar nach der Geburt des Kindes sank der Testosteron-Wert bei den Männern um bis zu einem Drittel, was dann mit einem fürsorglichen Verhalten gekoppelt war.
Abgesehen von möglichen hormonellen Einflüssen kann natürlich ein werdender Vater in Erwartung der Aufgaben, die auf ihn zukommen, in Stress geraten. Möglicherweise ist er immer wieder erschöpft und ohne Antrieb und ändert seine Essgewohnheiten (wodurch er zunimmt). Damit will er nicht in "Konkurrenz" zu seiner schwangeren Partnerin treten. Es bedeutet lediglich, dass auch das Vaterwerden tief greifende Veränderungen mit sich bringt, die erst einmal "verdaut" werden wollen.
Die Phänomene einer "mitfühlenden Schwangerschaft" werden unter dem Begriff "Couvade" zusammengefasst. Das Wort bedeutet so viel wie "ausbrüten".


