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Die Geburt begleiten

Als werdender Vater eine Geburt zu begleiten, heißt vor allem, den Dingen ihren Lauf zu lassen, der Partnerin zu vertrauen und ihr eine aufmerksame Stütze zu sein.


Für die Partnerin da zu sein bedeutet, sich auf ihre Bedürfnisse und die Geburtssituation ganz einzulassen und ihr Sicherheit und Ruhe zu vermitteln. Es geht darum, ihr die enorme Anstrengung der Geburt etwas zu erleichtern und sich darum zu kümmern, dass sie sich so wohl fühlt wie möglich.

Dazu braucht es Verständnis und Einfühlungsvermögen. Je nach Situation können tröstende oder ermutigende Worte, eine Massage oder einfach nur ein Scherz im richtigen Moment gut tun. Manchmal ist es dagegen besser, den Mund zu halten und sich zurückzunehmen. Ab und zu gilt es einfach auszuhalten, dass der Partnerin mit einem Mal gar nichts mehr recht ist oder sie im größten Geburtsstress völlig außer sich gerät. In solchen Momenten kann „mann“ sich schnell hilflos fühlen. Dann ist es gut, auf die Erfahrung der Hebamme und die Kraft der Partnerin zu vertrauen.

Treten Spannungen zwischen der Partnerin und der Hebamme auf oder gibt es Klärungsbedarf in medizinischen Fragen, ist es gut, wenn der Mann in Ruhe zu vermitteln weiß. Auf keinen Fall sollte er selbst zusätzlichen Druck im Kreißsaal erzeugen und immer bedenken: Für die Hebamme, die Ärztin oder den Arzt ist das Geburtsgeschehen Alltag, für die Schwangere und den werdenden Vater dagegen eine Ausnahmesituation. Es ist nicht die Aufgabe des werdenden Vaters, die Geschehnisse im Kreißsaal zu kontrollieren.

Weder Frau noch Mann wissen vorher, wie sie sich bei der Geburt ihres Kindes fühlen werden. Wer sich als werdender Vater von den Ereignissen überfordert fühlt oder eine Pause braucht, sollte sich in Absprache mit der Frau eine Zeit lang zurückziehen. Vielleicht tut dann ein Telefonat mit einem Freund gut, der die Geburt seines Kindes bereits erlebt hat.

Eröffnungsphase

Kommen die Wehen in regelmäßigen Abständen von zehn Minuten oder weisen andere Zeichen auf den Geburtsbeginn hin, wird es Zeit, die werdende Mutter sicher in die Klinik oder ins Geburtshaus zu begleiten. Am besten ruft man ein Taxi oder lässt sich von einem Freund fahren. Kurz vor der Geburt sind werdende Väter nicht unbedingt die besten Autofahrer.

Die Eröffnungsphase ist die Zeit, die es braucht, bis sich der Muttermund mithilfe der stärker werdenden Wehen vollständig öffnet. Beim ersten Kind kann diese Phase mehr als zehn Stunden dauern, bei der nächsten Geburt geht es meist schneller.

Steht die Geburt noch am Anfang, kann ein langer Spaziergang durch den Garten der Klinik oder über die Flure dazu beitragen, die Eröffnungsphase voranzubringen. Manchmal hilft auch ein warmes Bad oder eine Massage.

Übergangsphase

Die Eröffnungsphase wird meist von einer kurzen Übergangsphase abgelöst. Nun werden die Wehen unregelmäßig, folgen manchmal schnell aufeinander und sind schwer zu veratmen. Viele Frauen kommen nun an ihre Grenzen und haben das Gefühl: „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr.“ Sie möchten nach Hause oder werden wütend, gereizt oder mutlos. Die Hebamme, der Partner oder andere Begleitpersonen sind jetzt als „Blitzableiter“, Unterstützer und Mutmacher besonders wichtig, um über die schwierige Klippe der Übergangsphase zu kommen.

Austreibungsphase

Die Austreibungsphase beginnt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist. Sie dauert etwa eine halbe Stunde, in seltenen Fällen bis zu zwei Stunden und endet mit der vollständigen Geburt des Kindes.

Die Wehen sind nun sehr stark, kommen aber nicht mehr so rasch hintereinander wie in der Übergangsphase. Das Kind drückt heftig nach unten und dehnt die Scheide. Weil das Kind auch auf den Darm drückt, kann es zu einer spontanen Darmentleerung kommen.

Ab und zu werden die Herztöne des Kindes kontrolliert. Die Hebamme ist immer ganz nah und hilft bei jeder Wehe mit konkreten Anweisungen. Der Schmerz ist in dieser Phase meist am tiefsten. Frauen können in einer Presswehe regelrecht „wegtauchen“ und erst mit dem Nachlassen der Wehe wieder an die Oberfläche kommen. Sie hören und sehen dann nicht mehr viel und sind ganz auf die Geburt konzentriert. Der Mann ist jetzt meist nur noch staunender Zuschauer.

In der Regel wird zuerst der Hinterkopf des Kindes, dann die Stirn und schließlich der ganze Kopf geboren. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgen mit der nächsten Wehe die Schultern und der Körper. Ist mit dem Kind alles in Ordnung, wird es sofort auf den Bauch oder an die Brust der Mutter gelegt.

Nachgeburtsphase

In der Nachgeburtsphase lösen sich Mutterkuchen und Fruchtblase aus der Gebärmutter und werden mit einer weiteren kräftigen Wehe nach draußen gedrückt (Nachgeburt). Dies geschieht meist zehn bis 30 Minuten nach der Geburt.

Nun wird die Nabelschnur mit zwei Klemmen unterbunden und zwischen den Klemmen durchtrennt. Wenn der Vater möchte, kann er das tun. Weil die Nabelschnur keine Nervenzellen hat, tut die Abnabelung weder dem Kind noch der Mutter weh. Wem bei der Vorstellung, die Nabelschnur zu durchtrennen, nicht ganz wohl ist, sollte dies beruhigt der Hebamme oder dem ärztlichen Personal überlassen.

Bis mögliche Geburtsverletzungen (Dammriss oder Dammschnitt) versorgt sind, kann die Mutter das Kind auf der Brust behalten. Ist sie zu erschöpft, kann auch der Vater das Kind in den Arm nehmen.

Handeln bei schwierigen Geburten

Eine Geburt ist ein in jeder Hinsicht fordernder und überwältigender Akt. Dies gilt erst recht, wenn Komplikationen auftreten. Kommen Hilfsmittel wie Geburtszange oder Saugglocke zur Anwendung oder muss gar ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, müssen auch die Männer bange Minuten und Gefühle von Hilflosigkeit durchstehen.

In vielen Kliniken ist es inzwischen möglich, dass der Mann auch bei einem Kaiserschnitt bei seiner Partnerin bleiben kann. Sein Platz ist dann hinter einem Sichtschutz am Kopf der Frau. Sie wird während des etwa einstündigen Eingriffs meist mit einer Periduralanästhesie (PDA) von der Hüfte an abwärts betäubt und bleibt so bei Bewusstsein. Auch bei einem Kaiserschnitt ist es also möglich, das Kind von der ersten Minute an zu erleben.

Geht es dem Kind gut, kann der Vater es auf den Arm nehmen, während die Operationswunde der Frau versorgt wird.

Es ist vollbracht!

Ist alles gut gegangen, wird die junge Familie in den Stunden nach der Geburt des Kindes möglichst wenig gestört. Sie kann sich jetzt ein wenig erholen. Hin und wieder schaut die Hebamme nach Kind und Mutter und überwacht die Blutung aus der Gebärmutter. Wenn nach zwei Stunden alles in Ordnung ist, können alle drei den Kreißsaal verlassen und zur Wochenstation überwechseln. Bei einer ambulanten Geburt wird die Zeit bis zur Entlassung aus der Klinik sicherheitshalber auf vier Stunden ausgedehnt.

Bei der Erinnerung an das Geburtserlebnis empfinden viele Männer großen Stolz auf ihre Partnerin. Hat sie doch mit einer ungeheuren Kraft das gemeinsame Kind zur Welt gebracht. Und die meisten Frauen äußern, dass ihnen die Anwesenheit des Partners wichtig war – oft zum Erstaunen der Männer, die manchmal das Gefühl plagt, zu wenig zum Gelingen der Geburt beigetragen zu haben.

Danach gefragt, möchten die weitaus meisten Männer das Erlebnis der Geburt ihres Kindes nicht missen – trotz der seelischen Strapazen, die das Geburtsgeschehen auch für den Vater mit sich bringen kann. Die Beschreibungen des Erlebnisses reichen von "zutiefst bewegend" über "gigantisch" bis "das bedeutendste Ereignis meines Lebens".

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Häufig gestellte Fragen

Darf der Vater bei einem Kaiserschnitt mit in den OP-Saal?

Wenn Frau und Mann das möchten, spricht im Prinzip nichts dagegen. Die meisten Kliniken sind auf die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal eingestellt. Wenn schon vor der Geburt klar ist, dass eine Schnittentbindung nötig wird, können die werdenden Eltern in einem Vorgespräch mit der Ärztin, dem Arzt und der Hebamme besprechen, wie der Mann seine Frau während des Eingriffs und danach am besten unterstützen kann.

 

 

Muss der Arbeitgeber einen Mann für Termine im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt freistellen?

Für Arbeitgeber besteht grundsätzlich keine Verpflichtung, Männer für die Wahrnehmung solcher Termine freizustellen. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, um eine gütliche Vereinbarung treffen zu können. Abgesehen davon ist es ratsam, Untersuchungstermine möglichst ans Ende der ärztlichen Sprechstunden zu legen. Dann lassen sie sich besser mit den üblichen Arbeitszeiten vereinbaren.

Auch wenn die Geburt naht, empfiehlt es sich, schon früh mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um für die "Rufbereitschaft" in der Zeit um den errechneten Geburtstermin herum eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Stimmt es, dass das Geburtserlebnis Männer seelisch überfordern kann?

Eine Geburt hinterlässt auch bei Männern tiefe seelische Eindrücke. Ob schwierige Geburtserlebnisse einen Mann auch später noch seelisch belasten können, hängt neben seiner grundsätzlichen seelischen Stabilität davon ab, wie gut er sich auf die Geburt vorbereitet.

Männer, die große Angst vor dem Geburtserlebnis haben oder sich sorgen, weil sie etwa kein Blut sehen können, sollten darüber mit ihrer Partnerin und der Hebamme sprechen. Möglicherweise ist es dann besser, nicht mit zur Geburt zu gehen.

Bei der Geburt weitet sich die Scheide enorm. Durch das Pressen können Stuhl und Urin abgehen, und es fließt Fruchtwasser gemischt mit Blut. Ob und wie dieser Anblick später das sexuelle Empfinden eines Mannes stören kann, ist bisher nicht erforscht. Der beste Platz des Mannes ist normalerweise ohnehin seitlich oder hinter der Gebärenden, damit er die Hebamme oder das ärztliche Personal nicht behindert.

Vergleicht man die Geburtserlebnisse von Vätern, die an einem guten Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen haben, mit denen von Vätern, die unvorbereitet waren, zeigt sich, dass vorbereitete Männer das Geburtserlebnis deutlich positiver bewerten. Informierte Männer können zum einen besser mit kritischen Geburtssituationen umgehen, zum anderen sind sie besser darauf vorbereitet, ihre Partnerin starke Geburtsschmerzen erleiden zu sehen und ihr phasenweise nicht wirklich helfen zu können. Die Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs ist werdenden Vätern deshalb zu empfehlen.

Gibt es den "Baby blues" auch bei Männern?

Auch Väter können sowohl vom aufwühlenden Erlebnis der Geburt als auch angesichts der neuen Anforderungen als Vater seelisch stark erschüttert werden. Wie ein schwerer Verlust oder massive Probleme kann auch eine eigentlich erwünschte Veränderung des Lebens starke Stimmungsschwankungen oder eine depressive Phase auslösen.

Manche Männer fühlen sich nach der Geburt des Kindes von ihrer Partnerin zurückgesetzt und entwickeln Eifersuchtsgefühle. Auch dies kann zu einem nachhaltigen Stimmungstief führen oder es verstärken.

Wenn die Eltern darüber reden, was sie beschäftigt, können sie sich besser darin unterstützen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Halten depressive Verstimmungen über längere Zeit an oder verstärken sie sich, ist es wichtig, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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