Nicht nur die Mutter, auch der Vater muss sich nach der Geburt des Kindes erst einmal erholen. Weil es nun so viel Neues zu entdecken gibt, lohnt es sich, genügend Zeit dafür zu reservieren.
Auch dem Vater macht das Neugeborene von der ersten Sekunde an das Geschenk bedingungsloser Nähe. Zwar besteht zwischen Mutter und Kind eine „naturgegebene“ Nähe, weil sie das Kind neun Monate in ihrem Körper getragen hat und den Säugling mit ihrer Brust stillen kann. Darüber hinaus gibt es jedoch keine entscheidenden biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau, die den Mann daran hindern könnten, einen Säugling kompetent zu versorgen.
Bei einer aktiven Anteilnahme an Schwangerschaft und Geburt kann einer kleinen Studie zufolge auch bei Männern der Prolaktin- und Östrogenspiegel ansteigen, während der Testosteronspiegel sinkt. Beides gilt als förderlich für ein fürsorgliches Verhalten. Schreien Säuglinge, können Vater und Mutter nach einer Weile im Prinzip gleich gut (oder gleich ungenau) erkennen, ob der Grund des Unbehagens Hunger, Angst oder Langeweile ist. Zudem steigen in solchen Augenblicken bei beiden Elternteilen Herzschlag, Blutdruck und Hauttemperatur.
Wenn Väter von Anfang an Zugang zu und Interesse an ihrem Kind haben und dabei von der Umgebung unterstützt werden, versorgen sie den Säugling ebenso kompetent und gefühlvoll wie die Mutter.
Vaterrolle - Mutterrolle
Die traditionelle Verteilung der elterlichen Verantwortung ist weniger biologisch bedingt als eine soziale Übereinkunft. Kümmern sich Mutter und Vater gleichermaßen um den Nachwuchs, fühlen sich die Kinder meist mit beiden gleich intensiv verbunden. Erfahrungsgemäß zeigen solche Kinder auch weniger allgemeine Trennungsangst, denn sie machen die Erfahrung, dass es immer noch einen "Anderen" gibt, der ihnen genügend Sicherheit bietet.
Gleichwohl sind Väter oft anders als Mütter: Im Allgemeinen sprechen sie weniger mit den Kindern und toben dafür mehr mit ihnen. Ihre Spiele sind oft körperlicher und herausfordernder. Mütter stehen mehr für Ruhe und Beständigkeit, Väter für "Action" und Wechsel – ein Klischee zwar, aber nicht selten auch Realität.
Kunststück: Lassen und gelassen werden
Nach der Geburt brauchen beide Eltern Zeit, das Neugeborene kennenzulernen. Jedes Baby ist besonders und einzigartig. Wann will es Ruhe, wann Anregung, wann die Brust oder die Flasche? Wie lässt es sich am besten beruhigen, welche Liege- oder Haltestellung gefällt ihm am besten? Das alles müssen beide, Vater und Mutter, erst einmal herausfinden. Dabei hilft ihr Kind ihnen intuitiv: Mit seinen Reaktionen zeigt es beiden Eltern, was es wann und wie am besten haben möchte.
Es kann vorkommen, dass die Partnerin meint, mit dem Säugling besser umgehen zu können: Alte Rollenbilder sitzen oft tief. Davon sollte man sich nicht verunsichern oder gar entmutigen lassen. Nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen ziehen Vorteile daraus, wenn sich beide Eltern gleichermaßen kompetent um das Neugeborene kümmern und sich dabei auch beide als Lernende begreifen.
Weiterführende Informationen zum Thema
- Eltern sein - Die Erste Zeit zu dritt
Auf dieser Seite der BZgA kann die 56-seitige Broschüre "Eltern sein - Die erste Zeit zu dritt" heruntergeladen werden. Die Broschüre bietet Eltern Informationen für die Zeit nach der Geburt ihres ersten Kindes. Thematisiert wird der Umgang mit der veränderten Situation und unerwarteten Herausforderungen.
(Recherchedatum: 27.10.2011)
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Häufig gestellte Fragen
Ist Stillen eine sichere Verhütungsmethode?
Solange eine Frau voll stillt, wirkt das milchbildende Hormon Prolaktin zwar hemmend auf den Eisprung. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, in dieser Zeit wieder schwanger zu werden, eher gering. Doch sicher ist dieser Effekt nicht. Außerdem beginnen die meisten stillenden Mütter nach einer gewissen Zeit mit dem Abstillen und Zufüttern, das heißt, sie ersetzen eine Brustmahlzeit nach der anderen. Mit jeder abgestillten Mahlzeit erhöht sich dann die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, muss auf Verhütungsmittel zurückgreifen. Eine Frau, die nicht stillt, kann nach dem Versiegen des Wochenflusses meist wieder schwanger werden.
Wann kann man nach der Geburt wieder miteinander schlafen?
Zu dieser Frage gibt es keine eindeutige medizinische Empfehlung. Grundsätzlich ist Geschlechtsverkehr dann wieder möglich, wenn alle Geburtswunden vollständig verheilt sind und beide Partner Lust auf Sex haben.
Die meisten Frauen brauchen einige Wochen oder Monate, bis ihr Körper alle Umstellungen nach der Geburt des Kindes verkraftet hat und sie auch seelisch wieder für die gemeinsame Sexualität offen sind.
Fühlt sich der Geschlechtsverkehr nach einer Geburt anders an?
Manche Frauen haben nach der Geburt ihres Kindes den Eindruck, ihre Scheide fühle sich im Vergleich zu früher "weiter" an und sie könnten den Penis ihres Partners deshalb nicht mehr so gut spüren. Manchmal hat auch der Mann eine entsprechende Empfindung. Ob dies zutrifft, hängt neben den subjektiven Gefühlen beim Geschlechtsverkehr auch davon ab, wie gut sich die Beckenbodenmuskulatur der Frau im Laufe der Zeit zurückbildet.
Durch eine Geburt werden die Muskulatur, Bänder und Sehnen der gesamten Beckenregion der Frau enorm gedehnt. Danach wird die Muskulatur der Scheidenwand und des Beckenbodens jedoch wieder fester und kräftiger, sodass sich das alte Körpergefühl meist wieder einstellt. Dieser Prozess lässt sich durch eine gezielte Rückbildungsgymnastik unterstützen. Sie besteht aus Übungen, die helfen, die Muskulatur von Bauch und Beckenboden wieder zu stärken und das Gewebe zu straffen.
Was bieten Väterkurse?
In Väterkursen können sich Väter über alle Fragen des Vaterseins austauschen, meist unterstützt durch professionelle Ansprechpartner oder Moderatoren. Die Kurse werden in zahlreichen Städten zum Beispiel von Familienbildungs-Einrichtungen und Geburtskliniken angeboten. Damit erwerbstätige Väter teilnehmen können, finden sie gewöhnlich am späten Nachmittag oder an Wochenenden statt.
Manche Väterkurse richten sich speziell an werdende Väter. In diesen Kursen geht es um Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung sowie um die erste Zeit mit dem Kind.
Zu einigen Vätertreffs können Kinder mitgenommen werden. Hier werden oft gemeinsame Vater-Kind-Aktivitäten angeboten. Vätern stehen auch die allgemeinen Eltern-Kind-Kurse offen, an denen meist Frauen mit ihren Kindern teilnehmen (zum Beispiel PEKIP, Baby-Schwimmen, Baby-Gymnastik etc.).


