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Interview: "Das sollte sich kein Vater entgehen lassen!"

Portrait von Lothar Schon und seiner Tochter vor dem Meer

Der Psychologe Lothar Schon über die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des neugeborenen Kindes.


Brauchen Kinder am Anfang ihres Lebens gleich viel Mutter wie Vater?

Ja. Natürlich gibt es gewisse biologisch bedingte Unterschiede zwischen der Mutter-Kind- und der Vater-Kind-Beziehung. Die Mutter hat das Kind in ihrem Körper ausgetragen, und sie ist biologisch dafür ausgestattet, das Baby zu nähren. Vätern fehlt dieses naturgegebene "leibliche Band" zu ihren Neugeborenen, das durch die Nabelschnur symbolisiert wird. Der Vater muss die körperliche Nähe zum Kind also aktiv suchen und wünschen, um sie herzustellen. Kinder brauchen jedoch Mutter und Vater, von Anfang an.

Wozu braucht das Kind beide Eltern?

Um ein soziales Wesen zu werden. Für eine optimale psychische Entwicklung ist eine gute Beziehung zur Mutter und zum Vater außerordentlich wichtig. Außerdem sollten Mutter und Vater eine nach Möglichkeit hinreichend gute Beziehung zueinander haben. Dies gilt schon vorgeburtlich, erst recht aber nach der Geburt des Kindes.

In Familien, in denen dies (aus welchen Gründen auch immer) nicht möglich ist, sollte man versuchen, für Ersatz zu sorgen. Es wäre gut, wenn es mindestens zwei nahe Bezugspersonen geben würde. Optimal sind zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts. Außerdem sollten sich die wichtigen Pflegepersonen eines Säuglings oder Kleinkindes gut verstehen.

Gibt es zwischen Vater und Kind besondere Beziehungsaspekte?

Zunächst einmal ist die Vater-Kind-Beziehung dadurch einzigartig, dass der Vater das Kind gezeugt hat. Die Suche von unehelichen oder adoptierten Kindern nach ihren leiblichen Vätern beziehungsweise Eltern zeigt, wie tief verankert der Wunsch ist, zu wissen, aus welchen Menschen man biologisch entstanden ist. Jeder von uns möchte außerdem erfahren, wie die Beziehung zwischen den beiden Menschen gewesen ist, aus der wir hervorgegangen sind.

Neben diesem Zeugungsaspekt ist die Vater-Kind-Beziehung einzigartig, weil der Vater ein anderes Geschlecht hat als die Mutter, mit all den psychischen Bedeutungen, die damit einhergehen. So haben Mütter häufig einen anderen Spiel- und Pflegestil als Väter. Ist die Mutter eher beruhigend, einfühlsam, auf harmonischen Gleichklang bedacht, zeigen Väter oft ein Verhalten, das auf den ersten Blick "gröber" erscheint, dadurch aber auch aufregend ist: Sie neigen dazu, ihre Kinder aus einem emotionalen Zustand in einen anderen mitzureißen, um sie dann erst nach überstandenen Wildheiten wieder zu beruhigen. Der Vater ist deshalb zum Beispiel wichtig für die Bewältigung von heftigen Gefühlen.

Macht das Geschlecht des Kindes einen Unterschied?

Für das kleine Mädchen ist der Vater wichtig als "Anderer", während es mit der Mutter Ähnlichkeit oder Gleichheit erlebt, für den Jungen ist er wichtig als "einer, der so ist wie ich". Väter sind also sehr wichtig für die Entwicklung der Geschlechtsidentität ihrer Kinder, und zwar von Anfang an!

Beide Erfahrungen, mütterliche und väterliche, sind gleich wichtig für die kindliche Entwicklung, und erst der Wechsel zwischen beiden befriedigt die unterschiedlichen Bedürfnisse eines Kindes.

Entwickeln sich Kinder von allein erziehenden Vätern anders als Kinder von allein erziehenden Müttern?

Nicht unbedingt. Frauen und Männer können sowohl mütterliche als auch väterliche Eigenschaften haben, und Alleinerziehende sind mit der strapaziösen Aufgabe gefordert, Mutter und Vater in einem zu sein. Wie der bzw. die Einzelne diese Aufgabe erfüllt, hängt stark vom eigenen Identitätserleben ab. Zum Beispiel davon, ob ein Vater es genießen und mit seiner Männlichkeit vereinbaren kann, ein Baby oder Kleinkind zu füttern und dabei ähnlich innige Gefühle zu haben wie die sprichwörtlich nährende Mutter.

Werden Kinder in der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität irritiert, wenn sie vor allem ein Mann erzieht?

Die Situation eines allein erziehenden Vaters ist sehr verschieden von der Situation eines Hausmannes, der in fester Beziehung mit der Mutter des Kindes lebt. Hier steht dem Kind ein vollständiges Elternpaar zur Verfügung, nur die traditionelle Rollenverteilung ist umgekehrt. Ob und wie sich das auswirkt, hängt entscheidend davon ab, wie die Beteiligten und die Umgebung dieses Arrangement erleben. Wenn zum Beispiel der Vater nur notgedrungen zu Hause bleibt, weil er arbeitslos ist, diese Situation im Grunde aber ablehnt, sind die Bedingungen sicherlich schlecht. Wenn ein Paar sich aktiv und in gegenseitiger Wertschätzung für eine solche Verteilung der Aufgaben entscheidet, sehe ich dagegen keine Probleme.

Was entgeht einem Säugling möglicherweise, wenn der Vater sich bei der Pflege und Versorgung weitgehend zurückhält?

Dem Säugling entgeht die Erfahrung einer alternativen Bindung an den zweiten Elternteil. Mehrere verlässliche Bindungen sind der Entwicklung förderlicher als eine einzige, die emotional oft sehr stark aufgeladen ist, weil beide – beispielsweise Mutter und Kind – ununterbrochen aufeinander angewiesen sind.

Außerdem entgeht dem Säugling der "Glanz im Auge des Vaters", das heißt. die Erfahrung und das Erleben eines liebenden, stolzen und zugewandten Vaters, der beglückt ist über dieses kleine Wesen. Diese väterliche Freude zu erleben ist für den Säugling ebenso wichtig wie der "Glanz im Auge der Mutter". Beide zusammen bieten ein solides Fundament, um gerüstet zu sein für die Welt da draußen.

Der Vater fasst das Baby anders an, er hat eine andere Stimme, andere Stärken als die Mutter. Dem Baby wird etwas vorenthalten, wenn es diese Andersartigkeit nicht erleben darf!

Was entgeht einem Vater möglicherweise, wenn er sich bei der Pflege und Versorgung des Kindes weitgehend zurück hält?

Ein tiefes, vorher kaum vorstellbares Glücksgefühl und eine unvergleichliche Vertrautheit mit dem Baby oder Kleinkind. Von den Momenten der "primären Väterlichkeit" zeugen Berichte von Männern, die erzählen, was sie bei der Geburt ihrer Kinder und in den ersten Lebensmonaten mit ihren Säuglingen erlebt haben. Der innige körperliche Kontakt mit dem schutzbedürftigen, zarten, aber doch bereits so kontaktfreudigen kleinen Wesen macht aus harten Kerlen weiche, brummende Bären, die auch schon mal vor Rührung eine Träne verdrücken.

Babys und natürlich auch kleine und größere Kinder können Vätern helfen, den Zugang zur eigenen Emotionalität wiederzuentdecken und zu vertiefen. Das sollte sich kein Vater entgehen lassen!

Dr. phil. Lothar Schon, Jahrgang 1963, Psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker in eigener Praxis in München. Buchveröffentlichungen zur "Entwicklung des Beziehungsdreiecks Vater-Mutter-Kind" (Kohlhammer 1995) und zur "Sehnsucht nach dem Vater" (Klett-Cotta 2000). Vater einer 16jährigen Tochter.

Publikationen zum Thema

Richter, Robert; Schäfer, Eberhard
München 2005, 4. Auflage | Preis: 14,90 €
Köln 2011 | Preis: kostenlos

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Häufig gestellte Fragen

Ist Stillen eine sichere Verhütungsmethode?

Solange eine Frau voll stillt, wirkt das milchbildende Hormon Prolaktin zwar hemmend auf den Eisprung. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, in dieser Zeit wieder schwanger zu werden, eher gering. Doch sicher ist dieser Effekt nicht. Außerdem beginnen die meisten stillenden Mütter nach einer gewissen Zeit mit dem Abstillen und Zufüttern, das heißt, sie ersetzen eine Brustmahlzeit nach der anderen. Mit jeder abgestillten Mahlzeit erhöht sich dann die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, muss auf Verhütungsmittel zurückgreifen. Eine Frau, die nicht stillt, kann nach dem Versiegen des Wochenflusses meist wieder schwanger werden.

Wann kann man nach der Geburt wieder miteinander schlafen?

Zu dieser Frage gibt es keine eindeutige medizinische Empfehlung. Grundsätzlich ist Geschlechtsverkehr dann wieder möglich, wenn alle Geburtswunden vollständig verheilt sind und beide Partner Lust auf Sex haben.

Die meisten Frauen brauchen einige Wochen oder Monate, bis ihr Körper alle Umstellungen nach der Geburt des Kindes verkraftet hat und sie auch seelisch wieder für die gemeinsame Sexualität offen sind.

Fühlt sich der Geschlechtsverkehr nach einer Geburt anders an?

Manche Frauen haben nach der Geburt ihres Kindes den Eindruck, ihre Scheide fühle sich im Vergleich zu früher "weiter" an und sie könnten den Penis ihres Partners deshalb nicht mehr so gut spüren. Manchmal hat auch der Mann eine entsprechende Empfindung. Ob dies zutrifft, hängt neben den subjektiven Gefühlen beim Geschlechtsverkehr auch davon ab, wie gut sich die Beckenbodenmuskulatur der Frau im Laufe der Zeit zurückbildet.

Durch eine Geburt werden die Muskulatur, Bänder und Sehnen der gesamten Beckenregion der Frau enorm gedehnt. Danach wird die Muskulatur der Scheidenwand und des Beckenbodens jedoch wieder fester und kräftiger, sodass sich das alte Körpergefühl meist wieder einstellt. Dieser Prozess lässt sich durch eine gezielte Rückbildungsgymnastik unterstützen. Sie besteht aus Übungen, die helfen, die Muskulatur von Bauch und Beckenboden wieder zu stärken und das Gewebe zu straffen.

Was bieten Väterkurse?

In Väterkursen können sich Väter über alle Fragen des Vaterseins austauschen, meist unterstützt durch professionelle Ansprechpartner oder Moderatoren. Die Kurse werden in zahlreichen Städten zum Beispiel von Familienbildungs-Einrichtungen und Geburtskliniken angeboten. Damit erwerbstätige Väter teilnehmen können, finden sie gewöhnlich am späten Nachmittag oder an Wochenenden statt.

Manche Väterkurse richten sich speziell an werdende Väter. In diesen Kursen geht es um Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung sowie um die erste Zeit mit dem Kind.

Zu einigen Vätertreffs können Kinder mitgenommen werden. Hier werden oft gemeinsame Vater-Kind-Aktivitäten angeboten. Vätern stehen auch die allgemeinen Eltern-Kind-Kurse offen, an denen meist Frauen mit ihren Kindern teilnehmen (zum Beispiel PEKIP, Baby-Schwimmen, Baby-Gymnastik etc.).

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