In die Elternzeit bin ich drei Monate nach der Geburt der Kleinen eingestiegen. Der Chef meiner Frau meinte damals, dass er nicht länger als ein Vierteljahr auf sie verzichten würde, wenn sie ihren Posten als Abteilungsleiterin behalten wollte. Und weil ich zu dieser Zeit schon seit fast zwanzig Jahren als Zahntechniker gearbeitet hatte, dachte ich: Gut, dann bleibe ich zu Hause.
Ein anstrengender Job
Abgesehen davon, dass meine Frau die ersten zwei Monate voll gestillt (und danach fleißig abgepumpt) hat, haben wir uns die Arbeit mit der Kleinen von Anfang geteilt. Wir hatten ja beide keine wirkliche Ahnung davon, wie man einen Säugling zum Beispiel richtig hält oder badet, wickelt und beruhigt. Das hat jeder auf seine Weise erst lernen müssen.
Außerdem haben wir uns in den Nächten mit dem „Beruhigungsdienst“ immer abgewechselt und das auch beibehalten, als meine Frau wieder arbeiten ging. Zuerst meinte sie zwar, sie brauche nun nachts mehr Schlaf als ich, weil ich mich ja tagsüber mal aufs Ohr legen könne. Aber es gab so erstaunlich viel zu tun (Saubermachen, Wäsche, Baby füttern und versorgen, der erste Babykurs, Einkaufen, Abendessen und und und …), dass ich abends oft erschöpfter war als sie.
In den ersten Tagen und Wochen konnten wir nicht genug von der Kleinen bekommen. Manchmal balgten wir uns regelrecht, wer sie auf den Arm nehmen durfte. Sie schlief fast den ganzen Tag und hielt uns nachts auf Trab, aber das machte uns nichts aus. Ich ging noch zur Arbeit und konnte es abends kaum erwarten, die Kleine wieder zu sehen. Später war ich oft froh, wenn meine Frau nach Hause kam und ich ihr die Kleine in den Arm drücken konnte.
Allein unter Müttern
Seltsam war die Erfahrung, dass ich fast immer der einzige Mann unter Frauen war, ob beim Kinderarzt, später in der Babyspielgruppe oder auf dem Spielplatz. Samstagmorgens, wenn ich kindfrei hatte, war meine Frau dafür auf dem Spielplatz von lauter Vätern umgeben. Es war nicht leicht, als Mann in einen Mutterzirkel aufgenommen zu werden, in dem die Frauen sich treffen, Kaffee trinken, sich austauschen und den Kinderalltag außerhalb der eigenen vier Wände organisieren.
Direkt ausgesprochen hat es zwar niemand, aber ich hatte oft das Gefühl, dass die Leute (auch die Frauen) mich etwas argwöhnisch betrachtet haben: Hast du nichts Besseres zu tun, als Hausmann zu sein? Von Männern kamen zwar keine blöden Bemerkungen, aber für meinen Alltag mit dem Kind hat sich auch niemand wirklich interessiert. Natürlich fiel mir manchmal die Decke auf den Kopf. Belohnt wurde ich aber durch diese unvergleichliche Vertrautheit mit unserer Tochter. Ich bin wirklich dankbar, dass ich ihre ersten Lebensjahre so nahe miterleben durfte.
Loslassen lernen
Es ist alles andere als leicht, für ein Kind zuständig zu sein, das seinen eigenen Kopf hat, aber unterm Strich ist es total schön. Wenn sie schlecht drauf ist und dann nur meine Nähe sucht, hat meine Frau manchmal heftig daran zu knabbern.
Nun gehe ich bald wieder arbeiten. Darauf freue ich mich schon. Ich werde wieder mehr unter Männern sein und meinen Kopf mit anderen Dingen als Babybrei und Kindertränen beschäftigen können. Aber ich bin auch froh, dass ich nur halbtags arbeiten werde. Ich habe es schätzen gelernt, meinen Tag selbst organisieren zu können und keinen Chef zu haben. Wenn ich ehrlich bin, fällt es mir außerdem auch gar nicht leicht, die Kleine herzugeben. Aber das lerne ich sicher auch noch.
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Häufig gestellte Fragen
Ist Stillen eine sichere Verhütungsmethode?
Solange eine Frau voll stillt, wirkt das milchbildende Hormon Prolaktin zwar hemmend auf den Eisprung. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, in dieser Zeit wieder schwanger zu werden, eher gering. Doch sicher ist dieser Effekt nicht. Außerdem beginnen die meisten stillenden Mütter nach einer gewissen Zeit mit dem Abstillen und Zufüttern, das heißt, sie ersetzen eine Brustmahlzeit nach der anderen. Mit jeder abgestillten Mahlzeit erhöht sich dann die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, muss auf Verhütungsmittel zurückgreifen. Eine Frau, die nicht stillt, kann nach dem Versiegen des Wochenflusses meist wieder schwanger werden.
Wann kann man nach der Geburt wieder miteinander schlafen?
Zu dieser Frage gibt es keine eindeutige medizinische Empfehlung. Grundsätzlich ist Geschlechtsverkehr dann wieder möglich, wenn alle Geburtswunden vollständig verheilt sind und beide Partner Lust auf Sex haben.
Die meisten Frauen brauchen einige Wochen oder Monate, bis ihr Körper alle Umstellungen nach der Geburt des Kindes verkraftet hat und sie auch seelisch wieder für die gemeinsame Sexualität offen sind.
Fühlt sich der Geschlechtsverkehr nach einer Geburt anders an?
Manche Frauen haben nach der Geburt ihres Kindes den Eindruck, ihre Scheide fühle sich im Vergleich zu früher "weiter" an und sie könnten den Penis ihres Partners deshalb nicht mehr so gut spüren. Manchmal hat auch der Mann eine entsprechende Empfindung. Ob dies zutrifft, hängt neben den subjektiven Gefühlen beim Geschlechtsverkehr auch davon ab, wie gut sich die Beckenbodenmuskulatur der Frau im Laufe der Zeit zurückbildet.
Durch eine Geburt werden die Muskulatur, Bänder und Sehnen der gesamten Beckenregion der Frau enorm gedehnt. Danach wird die Muskulatur der Scheidenwand und des Beckenbodens jedoch wieder fester und kräftiger, sodass sich das alte Körpergefühl meist wieder einstellt. Dieser Prozess lässt sich durch eine gezielte Rückbildungsgymnastik unterstützen. Sie besteht aus Übungen, die helfen, die Muskulatur von Bauch und Beckenboden wieder zu stärken und das Gewebe zu straffen.
Was bieten Väterkurse?
In Väterkursen können sich Väter über alle Fragen des Vaterseins austauschen, meist unterstützt durch professionelle Ansprechpartner oder Moderatoren. Die Kurse werden in zahlreichen Städten zum Beispiel von Familienbildungs-Einrichtungen und Geburtskliniken angeboten. Damit erwerbstätige Väter teilnehmen können, finden sie gewöhnlich am späten Nachmittag oder an Wochenenden statt.
Manche Väterkurse richten sich speziell an werdende Väter. In diesen Kursen geht es um Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung sowie um die erste Zeit mit dem Kind.
Zu einigen Vätertreffs können Kinder mitgenommen werden. Hier werden oft gemeinsame Vater-Kind-Aktivitäten angeboten. Vätern stehen auch die allgemeinen Eltern-Kind-Kurse offen, an denen meist Frauen mit ihren Kindern teilnehmen (zum Beispiel PEKIP, Baby-Schwimmen, Baby-Gymnastik etc.).


