1. bis 8. Schwangerschaftswoche: Körper und Seele in „anderen Umständen“

In den ersten Schwangerschaftswochen arbeitet der Körper auf Hochtouren. Auch der Gefühlshaushalt kann durcheinandergeraten – Körper und Seele kommen in „andere Umstände“.

Mit dem Augenblick der Befruchtung ändern sich die Hormonverhältnisse im Körper. Der gesamte Organismus der Frau passt sich in kurzer Zeit den Anforderungen der Schwangerschaft an. Er sorgt dafür, dass sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann und der Mutterkuchen (Plazenta) sich entwickelt.

Der Körper verändert sich

Ein glückliches Paar in einer Umarmung, die Frau hält einen Schwangerschaftstest © BZgA/HN/Eichhöfer

Auch wenn in den ersten Schwangerschaftswochen äußerlich noch nicht viel zu sehen ist, verändert sich viel im weiblichen Körper. Das mütterliche Blut stellt alle notwendigen Nährstoffe für die Bildung des Mutterkuchens und den rasch wachsenden Embryo bereit. Um diese Aufgaben zu meistern, erhöht sich der Stoffwechsel der Frau um etwa 20 Prozent, ihr Blutplasma (Blutflüssigkeit) nimmt um 30 bis 40 Prozent zu. Bei einigen Frauen hat das sichtbare Auswirkungen. Zum Beispiel können sich die Blutgefäße unter der Haut deutlicher abzeichnen. Außerdem werden die Gebärmutter und der Gebärmutterhals weicher, die wachsende Gebärmutter drückt auf die Blase. Die Blutzufuhr zur Scheide erhöht sich, wodurch die Schamlippen etwas dunkler erscheinen. Die Brüste werden größer und sehr empfindlich. Oft färbt sich auch der Warzenvorhof dunkler und entwickelt einen weicheren, gerunzelten Bereich.

Wechselbad der Gefühle

Zunächst produziert die sich entwickelnde Plazenta gemeinsam mit den Eierstöcken verschiedene Hormone: Östrogen sowie die Schwangerschaftshormone HCG und Progesteron. Später, etwa ab dem vierten Schwangerschaftsmonat, wird die Produktion der Schwangerschaftshormone ganz von der Plazenta übernommen.

Hormone als Botenstoffe des Körpers regulieren nicht nur verschiedene körperliche Vorgänge, sondern wirken sich auch auf die Gefühlswelt aus. In der Anfangszeit der Schwangerschaft funktioniert bei der Hormonproduktion die Feinabstimmung zwischen Plazenta und Eierstöcken nicht immer optimal: Das hormonelle Auf und Ab kann plötzliche Stimmungsumschwünge bewirken. Freude und Gereiztheit, Hochgefühle und Traurigkeit – die Gefühlsspanne kann sehr weit reichen. Meist stabilisiert sich die hormonelle Situation dann im zweiten Schwangerschaftsdrittel, und die Stimmung wird wieder ausgeglichener.

Veränderte Lebenssituation

Nicht nur die Hormone können in der Schwangerschaft die Gefühlswelt verändern. Mutter zu werden bedeutet, eine neue Rolle und Aufgabe zu bekommen und für lange Zeit für das Leben eines anderen Menschen verantwortlich zu sein. Mit der Gewissheit, schwanger zu sein, tauchen viele Fragen auf. In die Freude mischen sich mitunter auch Bedenken: Werden Schwangerschaft und Geburt gut verlaufen? Wird das Kind gesund sein? Wie reagieren Partner und Familie? Wird das Geld reichen? Wie werden sich Kind, Partnerschaft und Beruf unter einen Hut bringen lassen?

Bei nicht wenigen Paaren kündigt sich der Nachwuchs ungeplant an. Dann müssen aktuelle Lebensgestaltung und Zukunftsplanung oft neu überdacht und besprochen werden. Dies erfordert Geduld und Kompromissbereitschaft, denn die werdenden Eltern setzen sich manchmal auf verschiedene Weise mit der neuen Situation auseinander und treffen anstehende Entscheidungen unterschiedlich.

Was Ihr Körper jetzt braucht

Die Schwangerschaft erhöht den Bedarf des Körpers an Vitaminen, Eisen, Jod, Magnesium, Kalzium und vor allem Folsäure. Folsäure ist wichtig für alle Zellteilungs- und Wachstumsprozesse. Ein Folsäuremangel kann unter anderem zu Blutarmut, Verdauungsbeschwerden und Schleimhautveränderungen führen. Beim Ungeborenen kann er die Entwicklung des zentralen Nervensystems, des Gehirns und des Rückenmarks stören (Neuralrohrdefekt).

Vor allem in der Frühschwangerschaft wird deshalb eine folsäurereiche Ernährung (Gemüse, Früchte und Vollkornprodukte) empfohlen. In Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt ist die zusätzliche Einnahme von täglich 0,4 Milligramm Folsäure bis zur zwölften Schwangerschaftswoche (Folsäureprophylaxe) ratsam. Fachgesellschaften empfehlen, Folsäuretabletten am besten schon vor der Empfängnis, spätestens nach Bekanntwerden der Schwangerschaft einzunehmen.

Abgesehen davon gilt: Wer in der Schwangerschaft gesund lebt, schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass sich das Baby gut entwickelt. Die Schwangerschaft ist deshalb ein guter Anlass für die Frau und ihren Partner, über die eigene Lebensführung nachzudenken. Wie ernähre ich mich? Wie steht es mit dem Tabak- und Alkoholkonsum und mit dem Gebrauch von Medikamenten?

Vorsorge und Mutterpass

Die erste Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung nach Feststellung der Schwangerschaft kann eine Frauenärztin, ein Frauenarzt oder eine Hebamme machen. Dabei wird der allgemeine Gesundheitszustand der werdenden Mutter überprüft und der voraussichtliche Geburtstermin errechnet. Alle Untersuchungsergebnisse werden im Mutterpass festgehalten. Der Mutterpass ist ein wichtiges Dokument, das eine Schwangere immer bei sich tragen sollte. In einem Notfall gibt er Ärztinnen, Ärzten und Hebammen schnell Auskünfte, die für Mutter und Kind lebenswichtig sein können.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.11.2015