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Ein neuer Lebensabschnitt

Die Geburt und die ersten Stunden mit dem Neugeborenen erlebt jede Mutter und jeder Vater anders. Für alle aber gilt: Mit der Geburt des Kindes beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der mit großen Veränderungen im gewohnten Alltagsleben einhergeht.


In den ersten Stunden nach der Geburt überwiegen bei den meisten Frauen Glücksgefühle und der Stolz, es "geschafft" zu haben. Dennoch sind sie oft erschöpft von der Geburtsarbeit oder haben Schmerzen. Manche haben auch einfach nur das Bedürfnis nach Ruhe, um das Geburtserlebnis zu verarbeiten. In diesen Momenten sind die Gedanken an den Alltag mit Kind noch fern.

Die neue Elternrolle

Während sich das Neugeborene an das Leben außerhalb des Mutterleibs anpassen muss, müssen sich die Eltern an ihre neuen Rollen als Mutter und Vater gewöhnen. Sie lernen mit jedem Tag besser, die Bedürfnisse und die Persönlichkeit ihres Babys zu verstehen und auf es einzugehen. Dennoch sind sie gerade beim ersten Kind oft unsicher und voll Sorge, ob sie alles richtig machen. Sie spüren, wie abhängig das Neugeborene von Liebe, Nahrung und Pflege ist. Hinzu kommen eigener Schlafmangel, manchmal auch Stillprobleme oder Zukunftsängste.

Wenn sich junge Eltern unsicher, erschöpft oder überfordert fühlen, ist ein Netz aus Freunden und Familie wichtig, die ihnen Mut machen und bereit sind, sie bei Bedarf tatkräftig zu unterstützen.

Die neue Verantwortung für ein Kind bedeutet auch, manche lieb gewordenen Gewohnheiten aufzugeben. Der gesamte Alltag verändert sich und damit zwangsläufig auch das Freizeitverhalten. Zum einen fehlt für viele Aktivitäten die Zeit, zum anderen muss das Baby entweder mit eingeplant oder anderweitig betreut werden.

Veränderte Partnerschaft und Sexualität

Auch die Beziehung zum Partner verändert sich mit der Geburt eines Kindes. Wenn sich die gesamte Aufmerksamkeit der Eltern auf das Kind richtet, bleibt nur noch wenig Zeit und Energie für den Partner übrig. Wenn die Verantwortung für Kind und Haushalt nicht eindeutig geklärt ist, kommt schnell Unzufriedenheit auf. Zeitnot und das Gefühl, Tag und Nacht vor allem für das Baby da zu sein, lassen außerdem das Bedürfnis nach eigenen Freiräumen wachsen. So kann es phasenweise erholsamer sein, auch einmal einen Abend allein und außer Haus zu verbringen, als sich dem Partner zuzuwenden.

Dennoch ist es wichtig, dass sich ein Elternpaar trotz aller Belastungen Raum und Zeit nimmt, um die Partnerschaft zu pflegen, die Nähe zueinander zu bewahren und sich immer wieder neu aufeinander einzustellen.

Die Frage, wie es um die Sexualität steht, stellt sich spätestens dann, wenn die Eltern wieder etwas mehr Zeit füreinander haben. Bis sich die Lust wieder richtig einfindet, können durchaus Monate vergehen. Sexuelle Unlust bei der Frau kommt in der ersten Zeit nach der Geburt sehr häufig vor, was zu Verunsicherung auf beiden Seiten führen kann. Der Mann kann das mangelnde Interesse seiner Partnerin als Zurückweisung erleben, oder er hält sich zurück aus Angst, seiner Frau Schmerzen zuzufügen. Die Frau kann sich unter Druck fühlen und gleichzeitig Angst haben, ihren Partner zu verletzen, wenn sie kein Verlangen nach körperlicher Nähe zu ihm spürt. Geduld und offene Gespräche über unterschiedliche Bedürfnisse helfen, den anderen besser zu verstehen und diese Phase gemeinsam zu überwinden.

Veränderte soziale Kontakte

Viele Mütter fühlen sich gerade in den ersten Wochen sehr erschöpft und haben das Bedürfnis, ihre Zeit ungestört mit dem Kind zu verbringen. Wenn die Kraft und die Lust auf Kontakt mit dem Freundeskreis allmählich zurückkehren, stellen Mütter jedoch schnell fest, dass es schwieriger geworden ist, sich zu verabreden. Auch wenn das Baby fast überallhin mitgenommen werden kann, ist es nicht immer möglich, kurzfristig eine Verabredung zu treffen oder einzuhalten. Die Bedürfnisse des Babys lassen sich nicht planen.

Für viele Eltern verschieben sich nach der Geburt ihres Kindes die Interessen, und auch dadurch verändern sich die Kontakte. Die meisten knüpfen in Eltern-Kind-Gruppen Kontakte zu anderen Eltern mit gleichaltrigen Kindern. Der Austausch mit "Gleichgesinnten" steht dabei oft im Vordergrund, und daraus können sich auch neue Freundschaften entwickeln. Bestehende Freundschaften können sich verändern, sobald das Kind da ist. Der Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen ist in der Elternzeit manchmal nur noch schwer aufrechtzuerhalten.

Nicht selten wird es als einengend erlebt, dass kaum eine Unternehmung mehr ohne Kind gemacht werden kann. So manche Frau fühlt sich anfangs isoliert und auf das Dasein als Mutter reduziert. So wie die Partnerschaft gepflegt werden muss, wollen auch soziale Kontakte, Hobbys und andere Freizeitaktivitäten gepflegt werden. Dazu fehlt zwar in der ersten Zeit oft die Kraft, doch nach einer Phase der Umgewöhnung finden die meisten Mütter und Väter einen Weg, das Leben mit Kind und die ganz persönlichen Bedürfnisse zufriedenstellend miteinander zu vereinbaren.

Weiterführende Informationen

Publikationen zum Thema

Remo H. Largo
überarbeitete Auflage März 2010 | Preis: 12,95 Euro

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Häufig gestellte Fragen

Wann setzt nach der Geburt die erste Periode wieder ein?

Das Einsetzen der ersten Menstruation nach der Geburt ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Wenn eine Frau voll stillt, also auch keinen Tee oder Wasser zufüttert, bleibt die Menstruationsblutung etwa drei bis sechs Monate, manchmal auch bis zum Abstillen aus. Während der Stillzeit wird das Hormon Prolaktin freigesetzt. Es fördert nicht nur die Milchproduktion, sondern hemmt auch den Eisprung. Doch Vorsicht: Stillen bietet keinen sicheren Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft.

Bei Frauen, die nicht stillen, beginnt der erste Menstruationszyklus ungefähr sechs bis acht Wochen nach der Geburt.

Stimmt es, dass Mütter nach der Geburt Haarausfall haben?

Nach einer alten Redewendung kostet jede Schwangerschaft „einen Zopf und einen Zahn". Haarausfall ist nach einer Schwangerschaft ein häufiges Phänomen. Ursache für den plötzlichen Haarausfall ist der abrupte Abfall des Hormons Östrogen nach der Geburt.

Der hohe Östrogenspiegel vor der Entbindung ist dagegen oft der Grund, wenn werdende Mütter volleres und glänzenderes Haar haben als vor der Schwangerschaft. Die Schwangerschaftshormone hemmen den natürlichen Haarausfall. Nach der Geburt fallen dann die Haare aus, die ohne Schwangerschaft schon längst verloren gegangen wären. In der Regel normalisiert sich der Haarwuchs nach einigen Monaten, sodass kein Grund zur Sorge besteht.

Wann kann man nach der Geburt wieder miteinander schlafen?

Zu dieser Frage gibt es keine eindeutige medizinische Empfehlung. Grundsätzlich ist Geschlechtsverkehr dann wieder möglich, wenn alle Geburtswunden vollständig verheilt sind und beide Partner Lust auf Sex haben.

Die meisten Frauen brauchen einige Wochen oder Monate, bis ihr Körper alle Umstellungen nach der Geburt des Kindes verkraftet hat und sie auch seelisch wieder für die gemeinsame Sexualität offen sind.

Stimmt es, dass das Geburtserlebnis Männer seelisch überfordern kann?

Eine Geburt hinterlässt auch bei Männern tiefe seelische Eindrücke. Ob schwierige Geburtserlebnisse einen Mann auch später noch seelisch belasten können, hängt neben seiner grundsätzlichen seelischen Stabilität davon ab, wie gut er sich auf die Geburt vorbereitet.

Männer, die große Angst vor dem Geburtserlebnis haben oder sich sorgen, weil sie etwa kein Blut sehen können, sollten darüber mit ihrer Partnerin und der Hebamme sprechen. Möglicherweise ist es dann besser, nicht mit zur Geburt zu gehen.

Bei der Geburt weitet sich die Scheide enorm. Durch das Pressen können Stuhl und Urin abgehen, und es fließt Fruchtwasser gemischt mit Blut. Ob und wie dieser Anblick später das sexuelle Empfinden eines Mannes stören kann, ist bisher nicht erforscht. Der beste Platz des Mannes ist normalerweise ohnehin seitlich oder hinter der Gebärenden, damit er die Hebamme oder das ärztliche Personal nicht behindert.

Vergleicht man die Geburtserlebnisse von Vätern, die an einem guten Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen haben, mit denen von Vätern, die unvorbereitet waren, zeigt sich, dass vorbereitete Männer das Geburtserlebnis deutlich positiver bewerten. Informierte Männer können zum einen besser mit kritischen Geburtssituationen umgehen, zum anderen sind sie besser darauf vorbereitet, ihre Partnerin starke Geburtsschmerzen erleiden zu sehen und ihr phasenweise nicht wirklich helfen zu können. Die Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs ist werdenden Vätern deshalb zu empfehlen.

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