Die Prägung einer Bindung beginnt bereits in der Schwangerschaft und setzt sich unmittelbar nach der Geburt fort. Die meisten Neugeborenen sind kurz nach der Geburt wach und ruhig, nehmen Augenkontakt zur Mutter auf und suchen schon nach kurzer Zeit die Brust.
In den ersten Stunden nach der Geburt durchleben Mütter und Väter sehr intensive Gefühle. Die meisten sind glücklich und stolz, wenn sie ihr Neugeborenes im Arm halten. Das Neugeborene fühlt sich wohl im Arm der Eltern. Die Stimme der Mutter kennt es bereits aus dem Mutterleib, und der Geruch der Eltern wird ihm sehr schnell vertraut. Diese Wahrnehmungen geben ihm ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit – die sprichwörtliche Nestwärme.
Der Prozess des Aufbaus dieser spezifischen Beziehung zwischen Eltern und Kind wird auch mit dem englischen begriff "Bonding" bezeichnet.
Mutter und Kind lernen sich kennen
Das Neugeborene hat bereits unmittelbar nach der Geburt einen gut entwickelten Saugreflex. Bei der Mutter wird das Hormon Prolaktin freigesetzt. Prolaktin setzt aber nicht nur die Milchbildung in Gang, es sensibilisiert ebenfalls die mütterliche Wahrnehmung für die allerkleinsten Signale des Neugeborenen.
Körperliche Nähe wird insbesondere durch das Stillen gefördert. Aber auch bei nicht stillenden Müttern entwickelt sich meist von selbst das Bedürfnis nach körperlicher Nähe zum Kind. Die Kommunikation mit dem Kind erfolgt für die meisten Mütter ganz intuitiv. Die Mutter reagiert auf die Signale des Kindes und umgekehrt.
Mit jedem Tag verbessert sich das gegenseitige Verständnis. Die Mutter weiß nach einiger Zeit den Hungerschrei vom Schreien aus Langeweile zu unterscheiden und beginnt je nach Bedürfnis das Kind zu füttern oder sich mit ihm zu beschäftigen und es zu unterhalten. Das Kind lernt ebenfalls mit jedem Tag hinzu, dass seine Bedürfnisse gestillt werden, dass es versorgt oder getröstet wird. Auch lernt es, dass auf eine Aktion eine Reaktion erfolgt, zum Beispiel, dass es, wenn es weint, auf den Arm genommen wird. Das schafft ein Grundvertrauen in die Welt.
Vater-Kind-Bindung
Mutter und Kind bilden von Anfang an eine Einheit, die durch das Stillen auch nach der Geburt besonders intensiv ist. Für Väter ist es meist schwieriger, eine ebenso intensive Bindung aufzubauen, und es können Gefühle von Überflüssig-sein und Unsicherheit im Umgang mit dem Kind aufkommen. Dabei gibt es für Väter viele Gelegenheiten, dem Baby nahe zu sein. Sie können es wickeln und es zum Beispiel mit abgepumpter Muttermilch füttern, nicht nur wenn die Mutter unterwegs ist. Väter können mit dem Kind schmusen, es baden und tragen. Für die Vater-Kind-Beziehung sind Momente der Nähe sehr wichtig. Und der Mutter verschafft ein Vater, der sich intensiv um sein Kind kümmert, hin und wieder eine kleine Ruhepause.
Eltern-Kind-Beziehung – ein Prozess
Nicht immer besteht von Geburt an eine Bindung zwischen Mutter und Kind oder Vater und Kind. Sie entwickelt sich aber in der Regel mit der Zeit, wenn Mutter und Vater ihrem Kind sehr viel Zuwendung und Nähe schenken.
Die nötige Zeit und Energie sowie innere Ruhe dafür können sich Eltern verschaffen, indem sie für Unterstützung in ihrem Alltag sorgen. Eine weitere Hilfe, Nähe und Bindung aufzubauen, bieten Eltern-Kind-Kurse, beispielsweise Elternschulen oder Kurse wie Babymassage. Dort erhalten Eltern Anleitung und Anregungen für das Zusammensein mit ihrem Kind.
Probleme in der Eltern-Kind-Beziehung
Manchmal gibt es Umstände, die das Herstellen einer befriedigenden Beziehung erschweren. Das kann passieren, wenn etwa die Realität des Lebens mit Kind nicht den eigenen Erwartungen entspricht. Bei postpartalen Depressionen und anderen ernsthaften Erkrankungen von Mutter oder Kind ist das Herstellen von Nähe nicht oder nur eingeschränkt möglich.
Wichtig ist es, die eigenen Ängste und Sorgen dem Partner oder guten Freundinnen oder Freunden anzuvertrauen. Manchmal hilft aber auch schon der Austausch mit anderen Eltern.
Deuten sich schwierigere Probleme an, können die betreuende Hebamme, die Ärztin oder der Arzt wichtige Hilfestellung leisten.
Weitere Informationen zum Thema
- "Das Baby"
Der 108-seitige Leitfaden "Das Baby" der BZgA bietet werdenden und jungen Eltern viele Hinweise für die Entwicklung des Babys im ersten Lebensjahr. Die Broschüre kann hier bestellt oder heruntergeladen werden.
- Die Deutsche Liga für das Kind
Die Deutsche Liga für das Kind hält auf ihren Seiten Informationsmaterial für Eltern bereit und bietet die Möglichkeit, online auf die Zeitschrift 'Frühe Kindheit' zuzugreifen. Darüber hinaus können Empfehlungslisten für Filme zum Thema bestellt werden. (Recherchedatum: 13.12.2005)
- "Eltern sein - Die erste Zeit zu dritt" (PDF)
In der 56-seitigen Broschüre "Eltern sein - Die erste Zeit zu dritt" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden Eltern Informationen für die Zeit nach der Geburt ihres ersten Kindes. Thematisiert wird der Umgang mit der veränderten Situation und unerwarteten Herausforderungen. (Recherchedatum: 16.01.2006)
- "Plötzlich zu Dritt"
Der Artikel "Plötzlich zu Dritt" auf den Seiten des Familienhandbuchs befasst sich mit Themen der Zeit nach der Geburt. Er nimmt Eltern den Druck, perfekt sein zu müssen. Der Text geht auf mögliche Schwierigkeiten ein und bietet Lösungsansätze. (Recherchedatum: 5.12.2005)
- Mutter-Kind-Behandlung bei postpartalen psychischen Problemen (PDF)
Die 12-seitige Broschüre "Mutter-Kind-Behandlung bei postpartalen psychischen Problemen" des Psychiatrischen Zentrum Nordbaden beschreibt in Kurzform die Therapieformen der Mutter-Kind-Behandlung. (Recherchedatum: 17.09.2008)
Publikationen zum Thema
Häufig gestellte Fragen
Wann setzt nach der Geburt die erste Periode wieder ein?
Falls die Milchbildung gestoppt wird, beginnt der erste Menstruationszyklus ungefähr sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Während der Stillzeit bleibt die Menstruationsblutung in der Regel bis zum Abstillen aus, denn das Hormon Prolaktin, das während der Stillzeit freigesetzt wird, fördert nicht nur die Milchproduktion sondern verzögert auch den Eisprung. Doch Vorsicht: Stillen bietet dennoch keinen sicheren Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft.
Stimmt es, dass die Haare nach der Geburt ausfallen?
Nach einer alten Redewendung kostet jede Schwangerschaft einen "Zopf und einen Zahn". Haarausfall ist nach einer Schwangerschaft ein häufiges Phänomen.
Ursache für den plötzlichen Haarausfall ist der abrupte Abfall des Hormons Östrogen nach der Geburt. Der hohe Hormonspiegel vor der Entbindung ist dagegen oft der Grund für besonders volles und glänzendes Haar der Schwangeren. Die Schwangerschaftshormone hemmen den natürlichen Haarausfall und "plustern" das einzelne Haar auf. Nach der Geburt fallen dann die Haare aus, die ohne Schwangerschaft schon längst verloren gegangen wären. In der Regel normalisiert sich der Haarwuchs nach einigen Monaten, so dass kein Grund zur Sorge besteht.
Ein Angebot der BZgA
Das 1. Lebensjahr
Das Online-Angebot kindergesundheit-info.de bietet umfassende Informationen, Tipps und Materialien rund um das 1. Lebensjahr. Schwerpunktthemen sind Ernährung und Schlafen. mehr



