Mehrlinge: Viel Glück auf einmal

Mehrlinge sind keine Seltenheit. In jedem Fall aber sind sie für Schwangere und Eltern eine besondere Herausforderung.

Drillinge, mit gleicher Kleidung, sitzen auf dem Boden und einer krabbelt gerade auf die Kamera zu © Gettyimages

Mehrlinge sind keine Seltenheit. Während eineiige Zwillinge ein reines „Zufallsprodukt“ der Natur sind, ist bei der Entstehung zweieiiger Zwillinge häufig eine erbliche Veranlagung im Spiel. Außerdem ist bei Frauen, die älter als 35 Jahre sind und bereits ein Kind haben oder die längere Zeit Hormonpräparate genommen haben, die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft höher. Das gilt ebenso für Schwangerschaften, die mithilfe einer künstlichen Befruchtung entstanden sind.

Eineiige Zwillinge entwickeln sich, wenn sich eine befruchtete Eizelle in zwei Zellkerne mit identischen Erbanlagen trennt. Die beiden Kinder haben dann das gleiche Geschlecht und die gleiche Blutgruppe. Und meist ähneln sie sich tatsächlich „wie ein Ei dem anderen“.

Zweieiige Zwillinge dagegen entstehen aus zwei im selben Zyklus befruchteten Eizellen und unterscheiden sich meist genauso stark voneinander wie alle anderen Geschwister. Bei Drillings- oder Vierlingsschwangerschaften sind Kombinationen von eineiigen und zweieiigen Mehrlingen möglich.

Gemischte Gefühle

Die Eröffnung, dass sie Mehrlinge erwarten, beschert Müttern und Vätern oft erst einmal gemischte Gefühle. Auch wenn sie sich über den unerwarteten Zuwachs freuen, stellt sich häufig die Frage, wie sie die größeren Belastungen nach der Geburt bewältigen können. 

Für Mehrlingseltern ist es wichtig, schon möglichst früh ein Netz von Helferinnen und Helfern zu knüpfen, die bereit sind, in Stresssituationen einzuspringen. Ob es um Unterstützung bei der Hausarbeit geht, ums Einkaufen oder Babysitten – Angehörige, Freunde und Nachbarn erweisen sich in dieser Situation oft als sehr hilfsbereit. Wer bereits im Vorfeld Unterstützung organisiert hat, kann zukünftigen Herausforderungen gelassener entgegensehen.

Finanzielle Hilfe

Mehrfacher Kindersegen bringt größere finanzielle Belastungen mit sich. Daher ist es ratsam, sich über Ansprüche auf staatliche Leistungen wie Mutterschafts- und Elterngeld sowie bei Bedarf Sozialhilfe zu informieren. Eltern von Mehrlingen, die zwischen dem 1.  Januar 2009 und dem 31. Dezember 2014 geborenen sind, haben für jedes einzelne neugeborene Kind einen eigenen Elterngeldanspruch. Somit können Vater und Mutter von Mehrlingen gleichzeitig Elternzeit nehmen und Elterngeld beziehen. Außerdem erhalten sie einen Mehrlingszuschlag. Für Mehrlingsgeburten ab dem 1. Januar 2015 erhalten die Eltern nur noch einen (geburtsbezogenen) Anspruch auf Elterngeld. Wie bisher wird das Elterngeld für jedes Mehrlingsgeschwisterkind um den Mehrlingszuschlag von 300 Euro erhöht.
Weil die Berechnung im Einzelfall kompliziert sein kann, sollten Eltern sich an ihre Elterngeldstelle vor Ort wenden, um genauere Informationen zu erhalten.

Familien in besonderen Notlagen können außerdem finanzielle Unterstützung über die „Bundesstiftung Mutter und Kind“ beantragen. Informationen zu allen infrage kommenden Leistungen und anderen Formen der Unterstützung erhalten werdende Eltern in Schwangerschaftsberatungsstellen. Die Beratungen sind kostenfrei. (Link zu Beratungsstellensuche)

In vielen Städten gibt es Selbsthilfegruppen für Mehrlingseltern. Auch im Internet können Mehrlingseltern Kontakt miteinander aufnehmen. Hier erhalten sie nicht nur praktische Tipps und die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch, sondern oft auch Hinweise auf günstige Angebote für spezielle Umstandsmode, Babyausstattung und vieles mehr.

Mehrlingsschwangerschaften sind anders

Zwei oder mehr Kinder im Bauch bedeuten für eine Schwangere in vieler Hinsicht eine deutlich höhere körperliche Beanspruchung: Die Wirbelsäule und die Beine haben mehr Gewicht zu tragen, das Bindegewebe und die Muskulatur müssen mit größeren Belastungen fertigwerden als bei nur einem Ungeborenen. Auch Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Verstopfung, Ödeme und Rückenschmerzen treten verstärkt auf. Wer mehr als ein Kind erwartet, sollte daher ganz besonders auf den eigenen Körper achten. 

So empfiehlt es sich, von Beginn der Schwangerschaft an Beckenbodengymnastik zu machen, damit die Muskulatur der zunehmenden Belastung gewachsen ist. Bauch, Brust und Hüften mit einem Öl oder einer Creme zu massieren hilft, Spannungsgefühle der Haut und des Bindegewebes zu mindern. 

Eine ausgewogene Ernährung ist bei einer Mehrlingsschwangerschaft besonders wichtig. Eventuell ist – nach ärztlicher Beratung – die zusätzliche Einnahme von Jod-, Eisen- oder Kalziumpräparaten sinnvoll. 

Das Risiko vorzeitiger Wehen ist bei Mehrlingsschwangerschaften erhöht. Darum sollten körperliche Anstrengungen und Stress vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft möglichst vermieden werden.

Für alle Fälle auf Nummer sicher

Eine Mehrlingsschwangerschaft wird unter medizinischen Gesichtspunkten stets als Risikoschwangerschaft eingestuft. Deshalb folgen die Vorsorgeuntersuchungen in engeren Abständen als bei einer Ein-Kind-Schwangerschaft. 

Auch die Geburt von Mehrlingen gilt generell als Risikogeburt. Es wird immer zu einer Klinikgeburt geraten, damit schnell gehandelt werden kann, falls es zu Komplikationen kommt, die sofortige medizinische Hilfe erfordern. 

Mehrlinge kommen meist vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Die mittlere Schwangerschaftsdauer beträgt bei Zwillingen im Schnitt 37 Wochen, bei Drillingen oft noch weniger. Häufig haben sie ein geringeres Geburtsgewicht. Es ist daher günstig, wenn der ausgewählten Geburtsklinik ein Perinatal- oder neonatologisches Zentrum für Frühgeborene angeschlossen ist. 

Zwillinge können, wenn die Schwangerschaft unkompliziert verlaufen ist und der erste Zwilling sich vor der Geburt in Kopflage befindet, auf natürlichem Weg geboren werden. Es empfiehlt sich jedoch, für die Geburt eine Klinik mit entsprechend erfahrenen Geburtshelferinnen und -helfern zu wählen. Bei Drillingen und mehr Babys wird dagegen immer zu einem Kaiserschnitt geraten.

Keine Seltenheit

Mehrlingsschwangerschaften haftet immer noch etwas Exotisches an. Sie sind aber gar nicht so ungewöhnlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland 2012 insgesamt 673.500 Kinder geboren.

Es gab rund 11.880 Mehrlingsgeburten: Davon waren etwa 11.650 Zwillingsgeburten (und somit  23.300 Zwillingskinder), 230 Drillings- und 3 Vierlingsgeburten (zusammen fast 700 Kinder). Von 100 Neugeborenen sind also 3,7 Mehrlingskinder.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 24.03.2015