Medizinische Eingriffe

Wenn die Geburt nicht vorangehen will, die Kräfte der Mutter verbraucht sind und das Kind gestresst reagiert, lassen sich ein geburtshilflicher Eingriff oder eine Schnittentbindung häufig nicht vermeiden.

Mutter mit Neugeborenem © Corbis Images

Die moderne Geburtsmedizin und die elektronische Überwachung von Geburten machen es möglich, eine Gefährdung von Mutter und Kind schon früh zu erkennen und bei Bedarf rechtzeitig einzugreifen. Die Möglichkeiten der technisch kontrollierten Geburt haben auf der anderen Seite aber dazu geführt, dass aus einem natürlichen Ereignis ein medizinischer Vorgang mit zunehmend mehr ärztlichen Eingriffen geworden ist. So führen manchmal auch Ungeduld und fehlendes Vertrauen dazu, dass in den natürlichen Geburtsverlauf eingegriffen wird.

Geburtseinleitung

In manchen Fällen wird eine Geburt schon vor dem natürlichen Geburtsbeginn künstlich in Gang gesetzt. Ungeduld der Eltern oder Planungen der Geburtsklinik sollten kein Grund für eine Geburtseinleitung sein, denn sie zieht oft weitere Eingriffe nach sich.

Medizinische Gründe für eine Geburtseinleitung sind zum Beispiel:

  • Infektionsrisiko durch einen vorzeitigen Blasensprung,
  • Überschreitung des Geburtstermins um eine Woche bis 14 Tage nach dem errechneten Geburtstermin,
  • Erkrankungen der Mutter (Diabetes, Bluthochdruck, Gestose),
  • Funktionsschwäche des Mutterkuchens (Plazenta-Insuffizienz).

Eine Geburt kann durch Öffnen der Fruchtblase, mithilfe eines Wehentropfs oder durch Medikamente eingeleitet werden, die den Muttermund schneller „reifen“ (weich werden und sich öffnen) lassen. Ist der Muttermund noch unreif, werden zunächst Prostaglandine als Gel oder als Tablette in die Scheide eingeführt. Die Schwangere kann sich dann weiter ungehindert bewegen und ist nicht ans Bett gebunden.

Wenn der Muttermund schon weich und ein wenig geöffnet ist, die Wehen aber nicht stark genug sind, können sie mithilfe eines Wehentropfs verstärkt werden. Der Tropf schränkt allerdings die Bewegungsfreiheit der Schwangeren ein. Bei beiden Methoden werden in regelmäßigen Abständen die Herztöne des Kindes kontrolliert.

Wehenmittel während der Geburt

Von einer verzögerten Geburt spricht man, wenn die Geburt beim ersten Kind länger als 18 Stunden und bei den nächsten Kindern mehr als zwölf Stunden dauert. Um die Geburt zu beschleunigen, können unterstützende medizinische Maßnahmen nötig werden. Je nach Ursache der Verzögerung können dies Wehenmittel, aber auch schmerzstillende Maßnahmen sein.

Ein Wehentropf besteht aus einer Flüssigkeitslösung, die außer Zucker und Mineralien das wehenfördernde Hormon Oxytozin enthält und als Infusion verabreicht wird. Meist wird die Infusionsnadel auf dem Handrücken angebracht. 

Zu Beginn wird das Mittel nur langsam verabreicht. Die Anzahl der Tropfen kann später gesteigert werden, bis regelmäßige und kräftige Wehen die Geburt voranbringen. Bei kurzfristigem Bedarf ganz am Ende der Geburt kann das Wehenmittel auch als Nasenspray verabreicht werden.

Wehenmittel sollten nur eingesetzt werden, wenn sie medizinisch sinnvoll sind. Eine unnötige Beschleunigung der Geburt kann Nachteile für Mutter und Kind haben:

  • Das Kind hat weniger Zeit, sich in Ruhe in den Geburtsweg einzufügen und das Gewebe langsam zu dehnen.
  • Die Frau hat weniger Pausen, um sich zu erholen.
  • Es kommt häufiger zu Dammrissen und Dammschnitten.

Dammschnitt

Der Dammschnitt (Episiotomie) ist ein häufiger geburtshilflicher Eingriff. Er wird bei etwa einem Drittel aller normalen Geburten durchgeführt. Dabei sind Frauen, die ihr erstes Kind entbinden, deutlich häufiger betroffen als Mehrgebärende. Ob ein Dammschnitt bei einer normalen Geburt nötig ist oder nicht, kann die Hebamme immer erst dann entscheiden, wenn sich das Köpfchen schon im Beckenausgang befindet.

Es gibt verschiedene Gründe für einen Dammschnitt:

  • zur Verkürzung der Austreibungsphase, wenn das Kind am Ende der Geburt Stresssignale zeigt,
  • zum Schutz vor unkontrollierten Dammrissen,
  • zum Schutz des kindlichen Köpfchens vor dem Druck des Beckenbodens,
  • wenn eine Saugglocke oder Geburtszange eingesetzt werden muss.

Wenn trotz Dammschutz ein größerer Riss droht, wird im Moment der größten Dehnung ein Schnitt mit einer speziellen Schere gesetzt. Die meisten Frauen beschreiben keinen Schmerz, sondern ein plötzliches Gefühl der Entlastung nach einem zuvor sehr großen Spannungsgefühl. Muss der Dammschnitt schon früh gesetzt werden, um zum Beispiel bei Frühgeburten das Köpfchen zu schonen, wird die Schnittstelle vorher örtlich betäubt.

Nach der Geburt wird der Dammschnitt in örtlicher Betäubung schichtweise genäht. Die Fäden werden nicht gezogen, sie lösen sich von selbst auf. In den allermeisten Fällen heilen die Dammschnitte im Wochenbett problemlos ab.

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