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Komplikationen während der Geburt

Auf dem Weg ins Leben kann es zu Schwierigkeiten kommen, die den Verlauf einer Geburt stören. Manche dieser Probleme sind absehbar, andere treten unerwartet ein.


Keine Geburt ist gänzlich vorhersehbar – sie kann immer anders verlaufen als erwartet. Bestimmte Risiken können sich schon vor der Geburt abzeichnen, manche Probleme treten erst während der Geburt auf. Mehr als jede dritte Geburt wird mit einem größeren geburtshilflichen Eingriff beendet, zum Beispiel mithilfe einer Saugglocke oder durch einen Kaiserschnitt.

Risikoschwangerschaft und Geburt

Zu den Geburtsrisiken, die sich schon während der Schwangerschaft zeigen, gehören ungünstige Kindslagen wie die Beckenendlage und die Querlage, ein sehr kleines oder sehr großes Kind sowie eine Fehllage des Mutterkuchens (Plazenta praevia).

Risiken durch Krankheiten der Mutter, wie Diabetes oder Bluthochdruck, sind meist schon vor der Geburt bekannt. Mögliche Erkrankungen des Kindes, zum Beispiel ein Herzfehler, können oft schon im Mutterleib erkannt werden. Nicht alle Risikoschwangerschaften haben jedoch Risikogeburten zur Folge. Manche erfordern nur eine intensivere Kontrolle während der Geburt. Manche Erkrankungen können allerdings eine Geburt auf normalem Weg ausschließen, zum Beispiel eine schwere Gestose bei der Mutter oder ein Hydrozephalus (Störung des Gehirnwasserkreislaufs) beim ungeborenen Kind.

Bestehen Risiken in der Schwangerschaft, die eine normale Geburt erschweren können, wird die Frauenärztin, der Frauenarzt oder die Hebamme mit den Eltern besprechen, welche Art und welcher Ort der Geburt für Mutter und Kind am besten geeignet sind. Außerdem ist es sinnvoll, sich schon einige Wochen vor dem Geburtstermin in der gewählten Geburtsabteilung vorzustellen, damit die Entbindung in Ruhe geplant und der Umgang mit möglichen Komplikationen besprochen werden können.

Probleme während der Geburt

Probleme treten oft erst im Verlauf der Geburt auf, ohne dass sie vorhersehbar waren. In der Regel lassen sie sich aber gut behandeln. Zu den häufigsten Schwierigkeiten gehören:

  • das kindliche Köpfchen dreht sich nicht richtig ins mütterliche Becken,
  • der Muttermund öffnet sich nicht,
  • die Herztöne des Kindes verschlechtern sich,
  • die Wehen sind unregelmäßig oder werden schwächer. 

Durch eine fortwährende Betreuung während der Geburt können diese Probleme meist rechtzeitig erkannt werden. Ob und wie medizinisch in den weiteren Ablauf der Geburt eingegriffen werden muss, ist dann von der jeweiligen Situation abhängig.

Vorzeitiger Blasensprung

Bei etwa jeder fünften Geburt springt die Fruchtblase, bevor die Wehen eingesetzt haben. Bei den meisten Schwangeren beginnen die Wehen dann innerhalb von 24 Stunden. 

Je mehr Zeit zwischen Blasensprung und Geburt vergeht, desto mehr steigt allerdings das Risiko einer Infektion für Mutter und Kind. Deshalb sollte man möglichst bald ins Krankenhaus fahren, wenn Fruchtwasser abgeht. Falls die Fruchtblase tatsächlich geplatzt ist, wird noch eine bestimmte Zeit auf den Beginn der Wehen gewartet, dann jedoch die Geburt eingeleitet. In dieser Zeit werden die Temperatur und die Entzündungswerte im Blut der Mutter regelmäßig kontrolliert.

Das Köpfchen dreht sich nicht richtig ins mütterliche Becken

In den meisten Fällen dreht sich das Kind während der Geburt selbst in die günstigste Geburtslage: Es drückt das Kinn fest auf die Brust und schiebt den Hinterkopf passend in den Beckeneingang der Mutter. Beugt das Kind den Kopf nicht genügend, entwickelt es je nach Grad der Streckung eine Stirn- oder Gesichtslage. Ein Grund dafür kann sein, dass die Nabelschnur um den Hals liegt (Nabelschnur-Umschlingung).

Schiebt das Kind den Kopf nicht passgerecht in den Beckeneingang, kann sich der Kopf nicht richtig in das Becken „einstellen“. Solche sogenannten Einstellungsanomalien können zu Verzögerungen oder einem Geburtsstillstand führen und manchmal eine normale Geburt verhindern. 

Die Hebamme kann durch das Abtasten der Schädelnähte des Kindes die genaue Haltung des Köpfchens feststellen. Manchmal lässt sich die Einstellung des Köpfchens durch eine bestimmte Lage der Mutter oder durch "Beckenkreisen" verbessern. Die dazu nötigen Positionen erfordern Geduld und werden hin und wieder als unangenehm empfunden. Manchmal hilft auch eine Periduralanästhesie (PDA): Wenn die Schmerzen nachlassen, kann sich die Frau besser entspannen. Ist ihre Muskulatur entspannt, kann das Köpfchen dann möglicherweise noch den richtigen Weg finden.

Führt eine Einstellungsanomalie trotz aller Hilfestellung zum Geburtsstillstand, wird entschieden, ob eine Saugglockengeburt möglich oder ein Kaiserschnitt nötig ist.

Der Muttermund öffnet sich nicht

Normalerweise öffnet sich der Muttermund, wenn die Fruchtblase, das Köpfchen oder der Steiß des Kindes auf den Muttermund drücken. Für den nötigen Druck sorgen die Wehen, also die Arbeit der Gebärmuttermuskeln.  

Ist der Muttermund zu fest oder der Druck nicht stark genug, kann er sich nicht öffnen. Bei zu festem Muttermund können beispielsweise Entspannung helfen, die Verminderung der Wehen durch sogenannte Wehenhemmer oder durch eine PDA. Dass der Druck nicht stark genug ist, kann beispielsweise bei einer Wehenschwäche passieren, wenn sich das Köpfchen nicht richtig einstellt. Oder bei Frühgeburten, die mit ihren kleinen, weicheren Köpfchen nicht ausreichend Druck ausüben können. Manchmal hilft die Unterstützung der Wehen durch einen Wehentropf.

Schlechte Herztöne

Die Herztöne des Kindes werden während der Geburt immer wieder mit einem CTG aufgezeichnet oder mit einem Holzrohr von der Hebamme abgehört. Werden dabei Abweichungen vom normalen Herztonmuster hörbar, kann das auf eine Stresssituation oder eine Gefährdung des Kindes hinweisen. Gründe dafür sind unter anderem Wehenstörungen, eine Nabelschnur-Umschlingung oder eine Unterversorgung des Kindes.  

Ob medizinisch in die Geburt eingegriffen werden muss, hängt unter anderem von der Geburtsdauer und dem Geburtsfortschritt ab. In den letzten Minuten kann ein Kind Stress gut tolerieren, über mehrere Stunden jedoch nicht. Droht ein Sauerstoffmangel, wird ein sofortiger medizinischer Eingriff in den normalen Geburtsablauf nötig.

Die Geburt verzögert sich

Eine länger andauernde Geburt muss nicht problematisch für Mutter und Kind sein. Dabei muss aber stets geprüft werden, ob das Kind ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Ein Wehentropf oder eine Periduralanästhesie können den Geburtsverlauf unter Umständen begünstigen. Je nach Befund muss die Geburt möglicherweise mithilfe einer Saugglocke unterstützt oder durch einen Kaiserschnitt beendet werden. 

Als verzögert gilt ein Geburtsverlauf, wenn die Geburt bei Erstgebärenden mehr als 18 Stunden und bei Mehrgebärenden mehr als zwölf Stunden dauert. Bei einem verzögerten Geburtsverlauf können schwache Wehen, eine Einstellungsanomalie oder ein Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken eine Rolle spielen.

Unregelmäßige Wehen

Während einer normalen Wehe steigt der Druck in der Gebärmutter kontinuierlich an und fällt langsam wieder ab. Verlaufen die Wehen sehr unregelmäßig, sind sie nicht effektiv und sehr ermüdend für Mutter und Kind.  

Bei einer Wehenschwäche sind die Pausen zwischen den Wehen zu lang, oder die einzelne Wehe ist zu kurz oder zu schwach. Wenn sich die Gebärmutter nicht kräftig genug zusammenzieht, bewirken die Wehen keinen Geburtsfortschritt.

Unregelmäßige Wehen können mit wehenhemmenden oder wehenfördernden Medikamenten behandelt werden. Manchmal werden auch homöopathische Mittel oder Akupunktur eingesetzt.

Störungen in der Nachgeburtsphase

Auch wenn das Kind schon geboren ist, können noch Komplikationen auftreten. Deshalb wird die Mutter während und nach der Geburt des Mutterkuchens (Nachgeburt) besonders gut beobachtet. Kritisch sind in dieser Phase starke Blutungen. Sie können durch eine Wehenschwäche nach der Geburt verursacht werden oder dadurch, dass der Mutterkuchen nicht oder nur unvollständig ausgestoßen wird. 

Je länger der Mutterkuchen oder ein Rest in der Gebärmutter verbleibt, desto größer ist die Gefahr starker Nachblutungen: Solange die Gebärmutter nicht vollständig entleert ist, kann sie sich nicht genügend zusammenziehen, um die Wunde, die durch die Ablösung des Mutterkuchens entstanden ist, wieder zu verschließen. 

Meist kann die Gebärmutter durch wehenfördernde Maßnahmen wie Akupunktur, Handgriffe oder Medikamente veranlasst werden, sich fest zusammenzuziehen. Löst sich der Mutterkuchen oder der Rest trotz aller Hilfen nicht von selbst, muss er mit der Hand gelöst oder mittels einer Ausschabung entfernt werden. Dieser Eingriff erfolgt in Vollnarkose oder in Periduralanästhesie (PDA), falls diese schon liegt.

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Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert eine äußere Wendung bei Beckenendlage?

Manchmal ist es möglich, ein Kind, das mit dem Po voran im Beckenausgang der Mutter liegt, zu einer Drehung in die Schädellage zu bewegen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Manche kann man zu Hause allein probieren, bei manchen ist professionelle Hilfe nötig.

Eine Hebamme kann bestimmte Gymnastikübungen anleiten, die sich auch zu Hause durchführen lassen. Manche Hebammen und werdenden Mütter versuchen es mit Moxibustion – einer Methode, die aus der alten chinesischen Medizin stammt.  Dabei wird ein bestimmter Akupunkturpunkt am kleinen Zeh der Schwangeren aus einer gewissen Entfernung mit einem glühenden Stäbchen aus Beifußkraut (japanisch: Moxa) erwärmt. Dies soll bewirken, dass sich das Kind dreht.

Ab der vollendeten 36., besser der 38. Schwangerschaftswoche werden äußere Wendungsversuche in geburtshilflichen Kliniken vorgenommen. Wenn der Bauch ganz weich und entspannt ist, kann die Frauenärztin oder der Frauenarzt versuchen, das Kind durch kräftigen, gezielten Druck auf die Bauchdecke zu drehen. Dabei und danach werden die Herztöne über etwa eine Stunde aufgezeichnet, um sicherzustellen, dass es dem Kind gut geht. Wenn Probleme auftreten, die das Kind gefährden, kann ein sofortiger Kaiserschnitt erforderlich werden.

Es gibt keine Garantie, dass eine äußere Wendung klappt. Einige Kinder drehen sich wieder zurück, andere haben sich schon zu fest in die Beckenendlage gesetzt, und bei manchen ist die Nabelschnur für eine Wendung zu kurz.

Wie lange wird vor einem geburtshilflichen Eingriff abgewartet?

In der Eröffnungsphase wird etwa alle zwei Stunden kontrolliert, wie weit sich der Muttermund schon geöffnet hat. Hat er sich nicht weiter geöffnet, kann es sein, dass die Wehen zu schwach sind oder das Köpfchen nicht genug drückt, weil es nicht in der richtigen Position sitzt oder die Mutter zu verspannt ist.

In diesem Fall wird zunächst versucht, die Wehen wieder in Gang zu bringen, zum Beispiel durch entspannende Maßnahmen oder durch einen Wehentropf. Auch eine Periduralanästhesie kann hilfreich sein, wenn sich die Mutter durch die Abnahme der Schmerzen entspannt. Länger als vier Stunden ohne Geburtsfortschritt wird jedoch selten abgewartet, selbst wenn es Mutter und Kind gut geht.

Die Austreibungsphase sollte nicht länger als zwei Stunden dauern. Verzögert sie sich, wird häufiger untersucht und schneller eingegriffen als zu Beginn der Geburt, weil das Kind in dieser Geburtsphase stärker belastet ist.

Was ist eine Schulterdystokie?

Eine Schulterdystokie ist eine Geburtskomplikation während der Austreibungsphase. Dabei bleibt die vordere Schulter des Kindes nach der Geburt des Kopfes an der Schambeinfuge des mütterlichen Beckens hängen. Diese Komplikation kommt hauptsächlich bei großen, über 4000 Gramm schweren Kindern vor, insgesamt aber bei etwa einer von zweihundert Geburten (0,5 Prozent).

Um Risiken wie Sauerstoffmangel, Schlüsselbeinbruch oder Nervenlähmungen für das Kind zu vermeiden, sind spezielle geburtshilfliche Maßnahmen erforderlich. Eine Methode ist zum Beispiel das mehrmalige Strecken und Beugen der mütterlichen Beine in Kombination mit Druckausübung oberhalb des Schambeinbogens der Mutter.

Wenn Untersuchungen ergeben haben, dass das Kind sehr groß und die Wahrscheinlichkeit einer Schulterdystokie hoch ist, wird häufig ein geplanter Kaiserschnitt empfohlen.

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