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Der Kaiserschnitt: Operationsverlauf

Rund ein Drittel aller Kinder kommt in Deutschland durch einen Kaiserschnitt auf die Welt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist er aber nur bei etwa jeder achten Geburt sinnvoll. Welche Gründe machen eine Schnittentbindung tatsächlich notwendig? Und wie verläuft die Operation?


Neugeborenes unmittelbar nach der Entbindung
Lupe

Der Kaiserschnitt ist eine Operation, die auch als Schnittentbindung bezeichnet wird. Dabei wird der Bauch der Schwangeren mit einem Schnitt geöffnet, um das Kind direkt aus der Gebärmutter auf die Welt zu holen. Der Eingriff kann meist unter regionaler Betäubung stattfinden und dauert etwa eine Stunde. Die Schnittentbindung selbst ist aufgrund der Betäubung zwar schmerzfrei, nach der Operation ist jedoch mit länger anhaltenden Wundschmerzen zu rechnen. Je nach Operationsmethode ist ein Klinikaufenthalt von drei bis sechs Tagen nötig.

Medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt

Aus medizinischer Sicht gibt es zwei Kriterien für eine Schnittentbindung:

  • Schon vor der Geburt steht fest, dass die Entbindung auf natürlichem Weg unmöglich oder zu gefährlich ist.
  • Während der Geburt kommt es zu Komplikationen, die im Interesse der Mutter und/ oder des Kindes ein sofortiges Ende des Geburtsvorgangs nötig machen.

Einen Kaiserschnitt, der vor oder mit dem Beginn der Wehen durchgeführt wird, nennt man "primäre Sectio". Die Gründe dafür können sein:

  • Schwere Erkrankungen der Mutter
  • Vorausgegangene Operationen an der Gebärmutter
  • Eine Plazenta, die teilweise oder vollständig vor dem Muttermund liegt (Plazenta praevia)
  • Eine Kindslage, die eine normale Geburt unmöglich oder riskant macht
  • Eine Frühgeburt
  • Krankheiten des Ungeborenen
  • Eine Herpes-Erstinfektion oder HIV-Infektion der Mutter
  • Ein im Verhältnis zum Becken der Mutter sehr großes Kind
  • Extreme Angst der Mutter vor der Geburt, zum Beispiel weil eine frühere Geburt sehr belastend war oder das Kind dabei Schaden erlitten hat

Als "sekundäre Sectio" wird ein Kaiserschnitt bezeichnet, wenn eine normale Geburt begonnen wurde, sie aber nicht zu Ende gebracht werden kann. Bei einer sekundären Sectio stellt sich meist erst nach Einsetzen der Wehen heraus, dass eine Schnittentbindung nötig wird. Dabei können verschiedene, meist unvorhersehbare Gründe eine Rolle spielen. Zum Beispiel:

    • Das Köpfchen des Kindes passt nicht durch das mütterliche Becken
    • Nach einem Blasensprung bildet sich eine Infektion
    • Die Mutter bekommt Fieber, oder ihr Blutdruck steigt übermäßig an
    • Der Mutterkuchen löst sich vorzeitig ab 
    • Dem Kind droht ein Sauerstoffmangel
    • Die Geburt dauert zu lange und ist zu erschöpfend für Mutter und Kind
    Neugeborenes unmittelbar nach Kaiserschnitt, © Rune Hellestad/Corbis
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    Operationsverlauf

    Für die Operation stehen verschiedene Arten der Narkose zur Verfügung. Eine Vollnarkose wird heute nur noch in Ausnahmen oder Notfällen durchgeführt. Meist werden die regionalen Betäubungsverfahren Spinalanästhesie oder Periduralanästhesie (PDA) eingesetzt. In beiden Fällen ist die Frau bei Bewusstsein und spürt Zug- und Druckgefühle, aber keine Schmerzen. Die Risiken und Nachwirkungen einer Vollnarkose entfallen.

    Zur Vorbereitung auf die OP werden die Schamhaare rasiert und ein Blasenkatheter gelegt, der bis zum nächsten Tag liegen bleibt. Wenn die Frau entkleidet ist, wird sie sofort mit großen Tüchern zugedeckt, die nur noch den Bauch freilassen.

    Sobald die Frau sicher schmerzfrei ist, wird ein horizontaler Schnitt unterhalb der Schamhaargrenze gesetzt und die Bauchdecke Schicht für Schicht sorgfältig eröffnet. Nach Öffnung der Gebärmutter wird das Neugeborene vorsichtig aus der Gebärmutter gehoben. Die eigentliche Entbindung dauert nur wenige Minuten – das Kind ist also nur kurz der Wirkung des Betäubungsmittels ausgesetzt. Es wird direkt abgenabelt, in warme Tücher gehüllt und der Hebamme übergeben. Die Mutter kann nun das Neugeborene sehen, der Vater kann es im Arm halten und gemeinsam mit der Hebamme, der Kinderärztin oder dem Kinderarzt weiter versorgen.

    Unmittelbar nachdem das Kind herausgehoben wurde, zieht sich die Gebärmutter zusammen, wie bei einer normalen Geburt. Der Mutterkuchen löst sich ab und wird ebenfalls herausgenommen. Danach werden die Gebärmutter und die einzelnen Bauchschichten wieder vernäht.

    Kaiserschnitt nach Misgav-Ladach

    Heute wird häufig eine Operationstechnik angewandt, die 1994 im Misgav-Ladach-Hospital in Jerusalem entwickelt wurde. Im Unterschied zum herkömmlichen Vorgehen wird beim Misgav-Ladach-Kaiserschnitt nur die obere Hautschicht mit dem Skalpell eingeschnitten. Die tieferen Schichten der Bauchwand werden anschließend mit den Fingern so vorsichtig wie möglich auseinandergerissen. Dies soll das Gewebe schonen und den Blutverlust gering halten.

    Nach der Geburt des Kindes sind weniger Nähte nötig, um den Bauch zu verschließen. Die Zwischenschichten wachsen meist von selbst wieder zusammen. Die Operationsdauer ist kürzer als beim traditionellen Kaiserschnitt. Die Schnitt- und Rissstellen sollen schneller ausheilen, der Wundschmerz geringer sein. Blutergüsse (Hämatome) rund um die Naht treten jedoch häufiger auf. Der Blasenkatheter kann bereits nach zwei Stunden wieder entfernt werden. In der Regel können die Frauen früher aufstehen und um den vierten Tag herum aus der Klinik entlassen werden.

    Die Misgav-Ladach-Technik wird hierzulande oft missverständlich als "sanfter“ Kaiserschnitt bezeichnet. Doch auch bei dieser Methode werden sämtliche Bauchschichten geöffnet. Egal, ob Schnitt- oder Risstechnik: Der Eingriff schafft eine recht große Bauchwunde und ist mit den üblichen Operationsrisiken verbunden.

    Junge Mutter mit Neugeborenem, liegend
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    Nach der Operation

    Im Anschluss an die Operation wird die Frau in ein Bett gehoben und für ungefähr zwei Stunden zur weiteren Überwachung in den Kreißsaal gebracht. Wenn sie möchte, kann sie das Kind nun zum ersten Mal stillen und zusammen mit ihren Angehörigen die erste Zeit mit dem Baby genießen.

    Wenn alles in Ordnung ist, werden Mutter und Kind im Anschluss auf der Wochenstation betreut. Nach dem Klinikaufenthalt beobachtet die nachsorgende Hebamme den Gesundheitszustand der Mutter und die Heilung der Wundnaht. Nach vier bis sechs Wochen steht die übliche Nachuntersuchung bei der Frauenärztin oder beim Frauenarzt an.

    In den ersten Tagen nach dem Eingriff ist es ganz normal, dass sich die Frau wegen des Wundschmerzes nur eingeschränkt bewegen kann. Die Wunde ist meist 12 bis 15 Zentimeter lang und reicht durch mehrere Gewebeschichten. Der Körper braucht jetzt vor allem Zeit und Ruhe für die Wundheilung. Zur Schmerzbehandlung stehen auch nach dem Klinikaufenthalt verschiedene Medikamente zur Verfügung, die das Stillen nicht beeinträchtigen.

    Nach einem Kaiserschnitt bildet sich die Gebärmutter etwas langsamer zurück als nach einer normalen Geburt. Dadurch hält auch der Wochenfluss etwas länger an.

    Vater zeigt im OP-Saal das Neugeborene der Mutter
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    Väter im OP-Saal

    Der werdende Vater (oder eine andere nahestehende Person) kann bei der Schnittentbindung dabei sein. Dies ist für die Frau oft eine wertvolle Unterstützung. Bei einer geplanten Operation ist es ratsam, dass sich der Mann vorher gut über den Ablauf des Eingriffs informiert.

    Bei der Anwesenheit im Operationssaal geht es nicht darum, die Operation zu beobachten, sondern sich um die Gebärende zu kümmern.

    Der Partner sitzt daher am Kopf der Frau. So kann er sie beruhigen und dazu beitragen, dass sie den Eingriff möglichst stressarm erlebt. Manchmal werden Väter vom Operationsteam auch mit kleinen Aufgaben, zum Beispiel dem Halten der Sauerstoffmaske, betraut. Wenn das Kind geboren ist, kann der Mann es mit Unterstützung der Hebamme vor Ort versorgen. Wenn er möchte, kann er das Neugeborene auf seine Brust legen, bis die Mutter nach dem Eingriff im Überwachungsbereich selbst dazu in der Lage ist.

    Der Kaiserschnitt ist die einzige Operation, bei der Angehörige im Operationssaal zugelassen sind. Damit wurde dem Bedürfnis vieler Eltern entsprochen, dass die Geburt auch unter OP-Bedingungen zu einem gemeinsamen Erlebnis werden kann. Die Frage, wie Männer eine Schnittentbindung erleben, wurde bisher aber kaum hinterfragt oder wissenschaftlich untersucht.

    Weiterführende Informationen

    Publikationen zum Thema

    de Jong, Theresia Maria; Kemmler, Gabriele
    5. Auflage 2008 | Preis: 15,95 €
    Köln 2010 | Preis: kostenlos
    Jurgelucks, Christiane
    Frankfurt 2004 | Preis: 16,90 €

    Beratungsstellensuche

    Häufig gestellte Fragen

    Was kann ich tun, damit es nach dem Kaiserschnitt keine Probleme beim Stillen gibt?

    Stillprobleme nach einer Schnittentbindung können auftreten, wenn es nach der Operation nicht möglich ist, das Kind gleich an die Brust zu legen, etwa weil die Mutter noch unter Narkoseeinfluss steht oder das Kind behandelt werden muss. Die Milch schießt dann oft später ein als nach einer normalen Geburt.

    Nach dem Eingriff kann es außerdem wegen der Wundschmerzen schwierig sein, die richtige Haltung beim Stillen zu finden. Doch mit ein wenig Unterstützung für die Mutter gelingt das Stillen nach einem Kaiserschnitt bald meist genauso gut wie nach einer Normalgeburt. Wenn nichts dagegen spricht, ist es am besten, das Kind möglichst gleich nach dem Eingriff anzulegen. Vielleicht ist es ein wenig schläfrig, oder die Mutter ist selbst noch etwas benommen von der Narkose. Klappt das Anlegen nicht gleich, kann das Klinikpersonal Tipps geben und Hilfestellung leisten.

    Rat und praktische Unterstützung beim Stillen gibt auch die Hebamme. Sie kann der Mutter zum Beispiel zeigen, wie sie sich mithilfe von Kissen so abstützt, dass die Operationswunde geschützt ist und das Kind ihre Brustwarze gut erreicht.

    Link zum Faltblatt der AFS:
    http://www.afs-stillen.de/upload/faltblaetter/FB_Richtig_stillen.PDF

     

    Wird bei einer Beckenendlage heute meistens ein Kaiserschnitt gemacht?

    Beckenendlagen werden in Deutschland heute zu über 90 Prozent per Kaiserschnitt entbunden. Zum einen aus medizinischen Gründen, wenn die Lage des Kindes eine sehr lange und belastende Geburt wahrscheinlich macht. Zum anderen, weil die geburtshilfliche Erfahrung mit komplizierten Geburten abgenommen hat und die Kliniken oft nicht auf solche Situationen eingerichtet sind.

    Noch vor einer Generation war dies anders. Hebammen, Frauenärztinnen und -ärzte waren darin geübt, Kinder in Beckenendlage, besonders große Kinder und Mehrlinge vaginal zu entbinden. Je mehr Schnittentbindungen durchgeführt werden, desto weniger können Ärztinnen, Ärzte und Hebammen Erfahrungen mit schwierigen vaginalen Geburten sammeln. Diese Entwicklung trägt dazu bei, dass die Zahl der Kaiserschnitte steigt.

    Es gibt einzelne Krankenhäuser, Ärztinnen und Ärzte, die sich auf vaginale Beckenendlagengeburten spezialisiert haben. Informationen dazu geben Hebammen, gynäkologische Praxen und Klinikabteilungen. Ist die Schwangere auf den besonderen Verlauf einer Beckenendlagengeburt vorbereitet, die Geburtsklinik darauf eingestellt und das Geburtshilfeteam entsprechend qualifiziert, spricht nichts gegen eine vaginale Geburt.

    Ist ein Kaiserschnitt weniger schmerzhaft als eine normale Geburt?

    Eine Schnittentbindung findet unter lokaler Betäubung statt und ist daher nicht schmerzhaft. Allerdings treten nach der Operation Wundschmerzen auf, die die Mutter in den ersten Wochen stark beeinträchtigen können.
    Bei einer normalen Geburt ist der Schmerz nach der Geburt meist schnell vergessen. Zudem muss heute keine gebärende Frau mehr übermäßige Schmerzen ertragen, denn es stehen wirksame Mittel zur Schmerzlinderung zur Verfügung.

    Darf der Vater bei einem Kaiserschnitt mit in den OP-Saal?

    Wenn Frau und Mann das möchten, spricht im Prinzip nichts dagegen. Die meisten Kliniken sind auf die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal eingestellt. Wenn schon vor der Geburt klar ist, dass eine Schnittentbindung nötig wird, können die werdenden Eltern in einem Vorgespräch mit der Ärztin, dem Arzt und der Hebamme besprechen, wie der Mann seine Frau während des Eingriffs und danach am besten unterstützen kann.

    Schützt ein Kaiserschnitt vor Beckenbodenschwäche?

    Die Muskeln und Bänder des Beckenbodens werden vor allem durch das Gewicht des Kindes in den letzten Schwangerschaftswochen stark belastet. Die Dehnung des Beckenboden- und Scheidengewebes während einer vaginalen Geburt fällt im Vergleich dazu nicht so stark ins Gewicht. Ein Kaiserschnitt kann deshalb nicht garantieren, dass Beckenbodenbeschwerden wie zum Beispiel eine Blasenschwäche nicht auftreten. Die beste Vorbeugung ist regelmäßige Beckenbodengymnastik während der Schwangerschaft und danach (Rückbildungsgymnastik).

    Kann man nach einem Kaiserschnitt noch normal entbinden?

    Auch nach einem Kaiserschnitt ist eine normale vaginale Geburt möglich. Lag das erste Kind mit dem Po voran im Becken (Beckenendlage) oder der Mutterkuchen vor dem Ausgang der Gebärmutter (Plazenta praevia), kann das in der Folgeschwangerschaft anders sein. Auch Komplikationen während der Geburt, etwa durch eine Nabelschnurumschlingung, treten selten wiederholt auf.

    Wenn jedoch wieder ein Risiko besteht, kann ein erneuter Kaiserschnitt nötig werden. Eine Schnittentbindung ist immer dann notwendig, wenn die normale Geburt für die Mutter und/ oder das Kind zu riskant wäre, oder wenn es im Geburtsverlauf zu Komplikationen kommt, die eine sofortige Operation erfordern.

    Manche Frauen befürchten, dass die alte Kaiserschnittnarbe durch den stark wachsenden Bauch oder die Wehen reißen könnte. Das ist jedoch sehr unwahrscheinlich: Das Risiko, dass die Narbe wegen der Wehen Schaden nimmt, liegt bei unter einem Prozent.

    Stimmt es, dass Kaiserschnitte für Kliniken lukrativer sind als normale Geburten?

    Für den Arbeitsablauf in Kliniken haben Schnittentbindungen den Vorteil, dass sie planbar sind und meist nicht länger als eine Stunde dauern. Ein Operationstermin lässt sich außerdem zu Zeiten ansetzen, an denen genügend Personal anwesend ist. Auf diese Weise ist es möglich, Nacht- oder Wochenendarbeit zu vermeiden. Auch manche Eltern sehen die zeitliche Planbarkeit des Kaiserschnitts als Vorteil – zum Beispiel wegen der Berufstätigkeit des werdenden Vaters, der bei der Geburt anwesend sein möchte.

    Zudem spielt der Kostenaspekt für manche Klinik eine möglicherweise nicht unwesentliche Rolle: Für eine Schnittentbindung stellen die Kliniken den Krankenkassen etwa das Doppelte in Rechnung als für eine normale Geburt.

     
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