Bei mir waren die Kaiserschnitte nötig, weil ich klein bin, ein sehr schmales Becken habe und meine Kinder bei der Geburt im Verhältnis sehr groß waren. Zwischen den ersten beiden Geburten lagen 16 Monate, zwischen der zweiten und dritten Geburt drei Jahre. Unser erstes Kind war vier Kilogramm schwer und hatte einen Kopfumfang von 38 cm, das zweite Kind hatte das gleiche Gewicht. Das dritte wurde auf meinen Wunsch schon in der 36. Schwangerschaftswoche geholt, weil ich das Gefühl hatte, zu platzen. Das Kind war dementsprechend mit einem Kopfumfang von 35,5 Zentimetern und 3250 Gramm Gewicht fast ein Leichtgewicht.
Ich habe mich bei allen Geburten für eine Vollnarkose entschieden, weil ich während der langen Zeit der OP und der Wundversorgung nicht bei Bewusstsein sein wollte. Der Operationssaal ist kalt und grell und das Angeschnallt sein auf dem OP-Tisch unangenehm.
Alle schienen es besser zu wissen als ich
Die Operationen waren für mich okay, ich wollte sie ja und hatte auch keine Alternative. Die Kinder waren einfach zu groß. Und im Nachhinein würde ich sagen, ich bin zu ahnungslos in die erste Geburt gegangen. Ich dachte, das klappt schon alles. Über mehrere Tage wurde die Geburt viermal erfolglos eingeleitet, ich hatte auch Wehen, die aber keinen Geburtsfortschritt brachten. Schlimm fand ich, dass ich in dieser Zeit dauernd von mir fremden Menschen untersucht wurde. Am Ende fühlte ich mich wie ein Fahrkartenschalter, in den jeder reingreifen darf.
Irgendwann kam eine Traube von Ärzten auf mich zu, weil dann ganz schnell ein Kaiserschnitt gemacht werden musste. Das war schon traumatisch. Das wollte ich nicht mehr. Deshalb habe ich beim zweiten und dritten Kind nicht mehr diskutiert, sondern mich gleich für einen Kaiserschnitt entschieden. Das war ein Bauchgefühl, dem ich gefolgt bin und das ich gegen Ärzte, Hebammen, Familie und Freunde durchgesetzt habe. Das war nicht einfach, denn alle schienen alles besser zu wissen als ich.
Ein Risikogefühl hatte ich weder bei den späteren Schwangerschaften noch bei den Geburten. Ich hatte bei der letzten Schwangerschaft nur das dringende Bedürfnis, schon in der 36. Woche zu entbinden, weil mein Bauch, und ich vermute auch die Gebärmutter, so gespannt waren.
Ich habe nicht lange gestillt
Das Zusammenfinden mit den Kindern nach der Geburt dauerte etwas, die Nachwirkungen der Narkose dämpfen die Wahrnehmung. Es dauerte, bis ich registrierte, dass ich ein Kind geboren habe. Aber ich wusste meine Kinder in guten Händen, mein Mann hat sie in Empfang genommen.
Ich habe nicht lange gestillt, das hat nicht gut geklappt. Aber ich wollte auch, dass wir alle das Kind versorgen und füttern können. Ich habe meine eigene Mutter sehr übergriffig erlebt und mag das auch bei andern Frauen nicht, wenn sie so einen engen Ring um sich und das Kind ziehen. Ich wollte da mehr Offenheit. Das war für mich, meinen Mann und die anderen Kinder ganz schön.
Die Operationsnarbe
Ich habe eine große Narbe, die ziemlich hoch sitzt, also keinen „Bikini“-Schnitt. Sie ist wirklich nicht schön, aber sie gehört zu meiner Geschichte. Ich habe allerdings viel therapeutische Körperarbeit gemacht, um wieder ein gutes Gefühl in und für meinen Bauch zu bekommen. Die Operation bringt ja alle Organe durcheinander, die Gebärmutter wird angehoben, das muss sich alles wieder langsam einrichten.
Bei jedem neuen Schnitt und vor jeder neuen Naht wurde immer altes Narbengwebe weggeschnitten. Beim dritten Schnitt, das wurde mit der neuen Methode (Misgav-Ladach-Kaiserschnitt, die Redaktion) gemacht, hatte ich eine große Schwellung durch einen Bluterguss. Und um die Narbe herum war das Gewebe erstmal taub.
Leistungsdruck ums Kinderkriegen
Ich finde, dass es in Deutschland einen aggressiven Leistungsdruck um das Kinderkriegen gibt: Wie ein Wettkampf, wer am besten sein Kind bekommt. Ich hatte drei Kaiserschnitte, wollte möglichst wenig Schmerzen bei der Geburt und habe wenig gestillt. Damit hatte ich auf dem Spielplatz immer schlechte Karten unter den Müttern. Ich finde diese Sehnsucht nach Leid und Schmerz sehr deutsch. Ich kam mir oft vor, als ob ich das Mütterziel nicht erreicht habe.
Trotzdem habe ich immer versucht, mich selbst zu fühlen und mich gegen das Richtig und Falsch von außen immun zu machen. Ich liebe meine Kinder sehr, sie sind für mich ein atemberaubendes Wunder, und ich kann mir nicht vorstellen, dass das Gefühl für sie noch stärker wäre, wenn ich keinen Kaiserschnitt gehabt hätte.
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Häufig gestellte Fragen
Was kann ich tun, damit es nach dem Kaiserschnitt keine Probleme beim Stillen gibt?
Stillprobleme nach einer Schnittentbindung können auftreten, wenn es nach der Operation nicht möglich ist, das Kind gleich an die Brust zu legen, etwa weil die Mutter noch unter Narkoseeinfluss steht oder das Kind behandelt werden muss. Die Milch schießt dann oft später ein als nach einer normalen Geburt.
Nach dem Eingriff kann es außerdem wegen der Wundschmerzen schwierig sein, die richtige Haltung beim Stillen zu finden. Doch mit ein wenig Unterstützung für die Mutter gelingt das Stillen nach einem Kaiserschnitt bald meist genauso gut wie nach einer Normalgeburt. Wenn nichts dagegen spricht, ist es am besten, das Kind möglichst gleich nach dem Eingriff anzulegen. Vielleicht ist es ein wenig schläfrig, oder die Mutter ist selbst noch etwas benommen von der Narkose. Klappt das Anlegen nicht gleich, kann das Klinikpersonal Tipps geben und Hilfestellung leisten.
Rat und praktische Unterstützung beim Stillen gibt auch die Hebamme. Sie kann der Mutter zum Beispiel zeigen, wie sie sich mithilfe von Kissen so abstützt, dass die Operationswunde geschützt ist und das Kind ihre Brustwarze gut erreicht.
Link zum Faltblatt der AFS:
http://www.afs-stillen.de/upload/faltblaetter/FB_Richtig_stillen.PDF
Wird bei einer Beckenendlage heute meistens ein Kaiserschnitt gemacht?
Beckenendlagen werden in Deutschland heute zu über 90 Prozent per Kaiserschnitt entbunden. Zum einen aus medizinischen Gründen, wenn die Lage des Kindes eine sehr lange und belastende Geburt wahrscheinlich macht. Zum anderen, weil die geburtshilfliche Erfahrung mit komplizierten Geburten abgenommen hat und die Kliniken oft nicht auf solche Situationen eingerichtet sind.
Noch vor einer Generation war dies anders. Hebammen, Frauenärztinnen und -ärzte waren darin geübt, Kinder in Beckenendlage, besonders große Kinder und Mehrlinge vaginal zu entbinden. Je mehr Schnittentbindungen durchgeführt werden, desto weniger können Ärztinnen, Ärzte und Hebammen Erfahrungen mit schwierigen vaginalen Geburten sammeln. Diese Entwicklung trägt dazu bei, dass die Zahl der Kaiserschnitte steigt.
Es gibt einzelne Krankenhäuser, Ärztinnen und Ärzte, die sich auf vaginale Beckenendlagengeburten spezialisiert haben. Informationen dazu geben Hebammen, gynäkologische Praxen und Klinikabteilungen. Ist die Schwangere auf den besonderen Verlauf einer Beckenendlagengeburt vorbereitet, die Geburtsklinik darauf eingestellt und das Geburtshilfeteam entsprechend qualifiziert, spricht nichts gegen eine vaginale Geburt.
Ist ein Kaiserschnitt weniger schmerzhaft als eine normale Geburt?
Eine Schnittentbindung findet unter lokaler Betäubung statt und ist daher nicht schmerzhaft. Allerdings treten nach der Operation Wundschmerzen auf, die die Mutter in den ersten Wochen stark beeinträchtigen können.
Bei einer normalen Geburt ist der Schmerz nach der Geburt meist schnell vergessen. Zudem muss heute keine gebärende Frau mehr übermäßige Schmerzen ertragen, denn es stehen wirksame Mittel zur Schmerzlinderung zur Verfügung.
Darf der Vater bei einem Kaiserschnitt mit in den OP-Saal?
Wenn Frau und Mann das möchten, spricht im Prinzip nichts dagegen. Die meisten Kliniken sind auf die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal eingestellt. Wenn schon vor der Geburt klar ist, dass eine Schnittentbindung nötig wird, können die werdenden Eltern in einem Vorgespräch mit der Ärztin, dem Arzt und der Hebamme besprechen, wie der Mann seine Frau während des Eingriffs und danach am besten unterstützen kann.
Schützt ein Kaiserschnitt vor Beckenbodenschwäche?
Die Muskeln und Bänder des Beckenbodens werden vor allem durch das Gewicht des Kindes in den letzten Schwangerschaftswochen stark belastet. Die Dehnung des Beckenboden- und Scheidengewebes während einer vaginalen Geburt fällt im Vergleich dazu nicht so stark ins Gewicht. Ein Kaiserschnitt kann deshalb nicht garantieren, dass Beckenbodenbeschwerden wie zum Beispiel eine Blasenschwäche nicht auftreten. Die beste Vorbeugung ist regelmäßige Beckenbodengymnastik während der Schwangerschaft und danach (Rückbildungsgymnastik).
Kann man nach einem Kaiserschnitt noch normal entbinden?
Auch nach einem Kaiserschnitt ist eine normale vaginale Geburt möglich. Lag das erste Kind mit dem Po voran im Becken (Beckenendlage) oder der Mutterkuchen vor dem Ausgang der Gebärmutter (Plazenta praevia), kann das in der Folgeschwangerschaft anders sein. Auch Komplikationen während der Geburt, etwa durch eine Nabelschnurumschlingung, treten selten wiederholt auf.
Wenn jedoch wieder ein Risiko besteht, kann ein erneuter Kaiserschnitt nötig werden. Eine Schnittentbindung ist immer dann notwendig, wenn die normale Geburt für die Mutter und/ oder das Kind zu riskant wäre, oder wenn es im Geburtsverlauf zu Komplikationen kommt, die eine sofortige Operation erfordern.
Manche Frauen befürchten, dass die alte Kaiserschnittnarbe durch den stark wachsenden Bauch oder die Wehen reißen könnte. Das ist jedoch sehr unwahrscheinlich: Das Risiko, dass die Narbe wegen der Wehen Schaden nimmt, liegt bei unter einem Prozent.
Stimmt es, dass Kaiserschnitte für Kliniken lukrativer sind als normale Geburten?
Für den Arbeitsablauf in Kliniken haben Schnittentbindungen den Vorteil, dass sie planbar sind und meist nicht länger als eine Stunde dauern. Ein Operationstermin lässt sich außerdem zu Zeiten ansetzen, an denen genügend Personal anwesend ist. Auf diese Weise ist es möglich, Nacht- oder Wochenendarbeit zu vermeiden. Auch manche Eltern sehen die zeitliche Planbarkeit des Kaiserschnitts als Vorteil – zum Beispiel wegen der Berufstätigkeit des werdenden Vaters, der bei der Geburt anwesend sein möchte.
Zudem spielt der Kostenaspekt für manche Klinik eine möglicherweise nicht unwesentliche Rolle: Für eine Schnittentbindung stellen die Kliniken den Krankenkassen etwa das Doppelte in Rechnung als für eine normale Geburt.


