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Als Vater beim Kaiserschnitt

Christian G. war bei der Entbindung seiner Zwillinge per Kaiserschnitt dabei. Er fühlte sich als „Zuschauer mit großer Verantwortung“ und erlebte ein Wechselbad der Gefühle.


Alles deutete auf eine Vaginalgeburt hin. Meine Frau hatte den ganzen Tag über tapfer durchgehalten, dann war eine Periduralanästhesie zur Linderung der Schmerzen für unumgänglich erachtet worden. Plötzlich hieß es aus heiterem Himmel: Kaiserschnitt!

Schon länger war klar, dass wir Zwillinge bekommen und dass der eine ungefähr das doppelte Gewicht des Anderen haben würde. Ein Kind war also sehr unterversorgt und demzufolge schwach. Die Anstrengung einer Spontangeburt hätte er wohl nicht überlebt, daher war der Kaiserschnitt der einzige Ausweg.

Blitzartiger Szenenwechsel

Alles ging plötzlich rasend schnell. Eben noch im Kreißsaal gebangt und gehofft, und nicht einmal eine halbe Stunde später als grün gekleideter „Zaungast“ im OP-Saal wieder gefunden.

Mir schlotterten die Knie! So gut ich auf alles rund um die „normale“ Geburt vorbereitet gewesen war, so unvorbereitet traf mich nun dieser Blitzumzug in den Operationssaal. Ich bekam noch mit, wie meine Frau betäubt wurde. Kaum später ging es auch schon los. Und ehe ich die Handgriffe der bevorstehenden Operation alle verstanden hatte, brachte der Arzt mittels eines beherzten Griffs auch schon das erste „Päckchen“ zur Welt. Ich merkte nur, dass das kleine Wesen („Ein Junge!“ rief die Hebamme aus) in eine Ecke des OP-Saals gebracht wurde. Dann wurde auch schon der zweite Junge aus Mamas Bauch befördert!

Das Ende dieser unglaublichen „Live-Inszenierung“ begriff ich erst, als die Hebamme sagte: „He, Vater, kümmere dich um deine Kinder!“ Ich kam mir vor, als sei ich hypnotisiert.

In mir brodelte es

Von Beistand für meine Frau konnte beim Kaiserschnitt keine Rede sein. Zwischen der Entscheidung für die Operation und ihrem Erwachen aus der Narkose war gar keine Zeit für einen Austausch oder zum Mut machen.

Gleich nach der Geburt war ich dann zu 100 Prozent gefordert. Der schwerere der beiden Jungs – wir hatten ihm soeben den Namen Marian gegeben – durfte bei seiner Mama bleiben. Der andere, Leon, wurde in meine Obhut gegeben und dann auf eine – wie wir im Nachhinein fanden – höchst fragwürdige Odyssee von Untersuchungen und Tests geschickt. Man befand ihn mit 1.600 Gramm als grundsätzlich gefährdet. Die Untersuchungen stressten ihn enorm. Ich empfand das alles als überaus anstrengend und auch wenig beeinflussbar.

Rein äußerlich war meine Rolle bei der Kaiserschnittgeburt die eines Zuschauers. In mir brodelte es jedoch, und ich spürte die große Verantwortung, meiner Frau später über die Geburt berichten zu können und auch gleich für die Kinder da zu sein. Das hat uns vier sehr nah zueinander gebracht.

Archaische Erfahrung fehlt

Da ich selber auch per Kaiserschnitt zur Welt gebracht wurde, habe ich manchmal überlegt, ob eine natürliche Geburt nicht besser für meine Kinder gewesen wäre. Aber ich habe das dann immer schnell verworfen, da es medizinisch einfach keine Alternative gab und wir nichts riskieren durften. So fehlt meinen Söhnen und mir die archaische Erfahrung, sich durch den Geburtsweg gekämpft zu haben.

Über die Augenblicke der Geburt habe ich in den folgenden Wochen und Monaten noch unzählige Male berichtet und war froh, dass meine Aufregung sich mit jedem Mal ein kleines bisschen legte. So konnte ich die tief greifenden Erlebnisse am besten verarbeiten.

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Häufig gestellte Fragen

Was kann ich tun, damit es nach dem Kaiserschnitt keine Probleme beim Stillen gibt?

Stillprobleme nach einer Schnittentbindung können auftreten, wenn es nach der Operation nicht möglich ist, das Kind gleich an die Brust zu legen, etwa weil die Mutter noch unter Narkoseeinfluss steht oder das Kind behandelt werden muss. Die Milch schießt dann oft später ein als nach einer normalen Geburt.

Nach dem Eingriff kann es außerdem wegen der Wundschmerzen schwierig sein, die richtige Haltung beim Stillen zu finden. Doch mit ein wenig Unterstützung für die Mutter gelingt das Stillen nach einem Kaiserschnitt bald meist genauso gut wie nach einer Normalgeburt. Wenn nichts dagegen spricht, ist es am besten, das Kind möglichst gleich nach dem Eingriff anzulegen. Vielleicht ist es ein wenig schläfrig, oder die Mutter ist selbst noch etwas benommen von der Narkose. Klappt das Anlegen nicht gleich, kann das Klinikpersonal Tipps geben und Hilfestellung leisten.

Rat und praktische Unterstützung beim Stillen gibt auch die Hebamme. Sie kann der Mutter zum Beispiel zeigen, wie sie sich mithilfe von Kissen so abstützt, dass die Operationswunde geschützt ist und das Kind ihre Brustwarze gut erreicht.

Link zum Faltblatt der AFS:
http://www.afs-stillen.de/upload/faltblaetter/FB_Richtig_stillen.PDF

 

Wird bei einer Beckenendlage heute meistens ein Kaiserschnitt gemacht?

Beckenendlagen werden in Deutschland heute zu über 90 Prozent per Kaiserschnitt entbunden. Zum einen aus medizinischen Gründen, wenn die Lage des Kindes eine sehr lange und belastende Geburt wahrscheinlich macht. Zum anderen, weil die geburtshilfliche Erfahrung mit komplizierten Geburten abgenommen hat und die Kliniken oft nicht auf solche Situationen eingerichtet sind.

Noch vor einer Generation war dies anders. Hebammen, Frauenärztinnen und -ärzte waren darin geübt, Kinder in Beckenendlage, besonders große Kinder und Mehrlinge vaginal zu entbinden. Je mehr Schnittentbindungen durchgeführt werden, desto weniger können Ärztinnen, Ärzte und Hebammen Erfahrungen mit schwierigen vaginalen Geburten sammeln. Diese Entwicklung trägt dazu bei, dass die Zahl der Kaiserschnitte steigt.

Es gibt einzelne Krankenhäuser, Ärztinnen und Ärzte, die sich auf vaginale Beckenendlagengeburten spezialisiert haben. Informationen dazu geben Hebammen, gynäkologische Praxen und Klinikabteilungen. Ist die Schwangere auf den besonderen Verlauf einer Beckenendlagengeburt vorbereitet, die Geburtsklinik darauf eingestellt und das Geburtshilfeteam entsprechend qualifiziert, spricht nichts gegen eine vaginale Geburt.

Ist ein Kaiserschnitt weniger schmerzhaft als eine normale Geburt?

Eine Schnittentbindung findet unter lokaler Betäubung statt und ist daher nicht schmerzhaft. Allerdings treten nach der Operation Wundschmerzen auf, die die Mutter in den ersten Wochen stark beeinträchtigen können.
Bei einer normalen Geburt ist der Schmerz nach der Geburt meist schnell vergessen. Zudem muss heute keine gebärende Frau mehr übermäßige Schmerzen ertragen, denn es stehen wirksame Mittel zur Schmerzlinderung zur Verfügung.

Darf der Vater bei einem Kaiserschnitt mit in den OP-Saal?

Wenn Frau und Mann das möchten, spricht im Prinzip nichts dagegen. Die meisten Kliniken sind auf die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal eingestellt. Wenn schon vor der Geburt klar ist, dass eine Schnittentbindung nötig wird, können die werdenden Eltern in einem Vorgespräch mit der Ärztin, dem Arzt und der Hebamme besprechen, wie der Mann seine Frau während des Eingriffs und danach am besten unterstützen kann.

Schützt ein Kaiserschnitt vor Beckenbodenschwäche?

Die Muskeln und Bänder des Beckenbodens werden vor allem durch das Gewicht des Kindes in den letzten Schwangerschaftswochen stark belastet. Die Dehnung des Beckenboden- und Scheidengewebes während einer vaginalen Geburt fällt im Vergleich dazu nicht so stark ins Gewicht. Ein Kaiserschnitt kann deshalb nicht garantieren, dass Beckenbodenbeschwerden wie zum Beispiel eine Blasenschwäche nicht auftreten. Die beste Vorbeugung ist regelmäßige Beckenbodengymnastik während der Schwangerschaft und danach (Rückbildungsgymnastik).

Kann man nach einem Kaiserschnitt noch normal entbinden?

Auch nach einem Kaiserschnitt ist eine normale vaginale Geburt möglich. Lag das erste Kind mit dem Po voran im Becken (Beckenendlage) oder der Mutterkuchen vor dem Ausgang der Gebärmutter (Plazenta praevia), kann das in der Folgeschwangerschaft anders sein. Auch Komplikationen während der Geburt, etwa durch eine Nabelschnurumschlingung, treten selten wiederholt auf.

Wenn jedoch wieder ein Risiko besteht, kann ein erneuter Kaiserschnitt nötig werden. Eine Schnittentbindung ist immer dann notwendig, wenn die normale Geburt für die Mutter und/ oder das Kind zu riskant wäre, oder wenn es im Geburtsverlauf zu Komplikationen kommt, die eine sofortige Operation erfordern.

Manche Frauen befürchten, dass die alte Kaiserschnittnarbe durch den stark wachsenden Bauch oder die Wehen reißen könnte. Das ist jedoch sehr unwahrscheinlich: Das Risiko, dass die Narbe wegen der Wehen Schaden nimmt, liegt bei unter einem Prozent.

Stimmt es, dass Kaiserschnitte für Kliniken lukrativer sind als normale Geburten?

Für den Arbeitsablauf in Kliniken haben Schnittentbindungen den Vorteil, dass sie planbar sind und meist nicht länger als eine Stunde dauern. Ein Operationstermin lässt sich außerdem zu Zeiten ansetzen, an denen genügend Personal anwesend ist. Auf diese Weise ist es möglich, Nacht- oder Wochenendarbeit zu vermeiden. Auch manche Eltern sehen die zeitliche Planbarkeit des Kaiserschnitts als Vorteil – zum Beispiel wegen der Berufstätigkeit des werdenden Vaters, der bei der Geburt anwesend sein möchte.

Zudem spielt der Kostenaspekt für manche Klinik eine möglicherweise nicht unwesentliche Rolle: Für eine Schnittentbindung stellen die Kliniken den Krankenkassen etwa das Doppelte in Rechnung als für eine normale Geburt.

 
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