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Zeitpunkt der Geburt
Nach etwa 40 Schwangerschaftswochen wird die Geburt des Kindes erwartet. Schwankungen von 14 Tagen um diesen Termin herum sind normal.
Kinder, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, werden als Frühgeburten bezeichnet. Sie sind oft nicht so robust wie Kinder, die nach einer 40-wöchigen Schwangerschaft geboren werden und bei denen alle Organsysteme ausgereift sind. Je früher ein Kind geboren wird, umso anstrengender ist für das Kind die Geburt und die Anpassungsphase nach der Geburt.
Geburtsphasen
Eine Geburt kann sich über mehrere Stunden hinziehen. Die Geburt beginnt in vielen Fällen mit dem Sprung der Fruchtblase und endet etwa zwei Stunden nach dem Ausstoßen des Mutterkuchens.
Eine Geburt wird meist in drei Phasen eingeteilt:
- die Eröffnungsperiode
- die Austreibungsperiode
- die Nachgeburtsperiode
Geburtsdauer
Bei einer Frau, die ihr erstes Kind bekommt dauert die Geburt durchschnittlich zwölf bis 18 Stunden. Bei der zweiten Geburt verkürzt sich die Zeit durchschnittlich auf etwa zehn Stunden. Weitere Kinder kommen meistens noch schneller. Die Dauer einer Geburt ist individuell aber sehr verschieden, deswegen sind diese Angaben nur ungefähre Orientierungswerte.
Einflüsse auf die Geburt
Noch immer kennt man nicht alle Zusammenhänge, die einen Einfluss auf die Geburt haben. Man weiß aber, dass unter anderem folgende Faktoren einen Einfluss auf den Geburtsverlauf nehmen können:
- der körperliche und psychische Zustand der Frau
- die Anzahl der vorausgegangenen Geburten
- die Anatomie des Geburtsweges
- die Wehen
- die Größe und Lage des Kindes
- eine Vertrauen erweckende Umgebung
- die Begleitung und Leitung der Geburt durch professionelle Helferinnen und Helfer und Angehörige
Geburtsschmerz
Die Geburt ist der einzige Vorgang im Körper, der mit Schmerzen einhergeht, die keine Krankheit anzeigen.
Viele Frauen beschäftigen sich schon sehr früh in der Schwangerschaft in den Geburtsvorbereitungskursen damit, wie sie mit den Schmerzen möglichst gut umgehen können. Sie lernen verschiedene Atemtechniken und Entspannungsübungen, die sie allein oder gemeinsam mit dem Partner anwenden können. Die Auseinandersetzung mit dem Schmerz und seine Annahme ist eine wirkungsvolle Maßnahme Geburtsschmerzen zu lindern.
Es besteht aber auch die Möglichkeit die Geburtsschmerzen mit Medikamenten zu betäuben. Eine medikamentöse Betäubung hemmt allerdings nicht nur die Schmerzen, sondern kann auch die hormonellen Abläufe im Körper beeinflussen, die nach der Geburt dafür sorgen, dass das Geburtserlebnis positiver in Erinnerung bleibt, als es dem Außenstehenden scheinen mag.
Es gibt zahlreiche Methoden, die den Geburtsschmerz reduzieren können, ohne dass die Hormonproduktion gestört wird. Massagen, Akupunktur oder Hypnose können dabei helfen, die Geburt ohne Betäubung zu bewältigen. Diese Methoden lassen meist den Geburtschmerz in den Hintergrund treten und bieten auch Raum für ein Gefühl der Aktivität und Stärke.
Betreuung während der Geburt
Eine normale Geburt kann durchaus ohne medizinische Eingriffe ablaufen. Eine fachkundige Unterstützung ist jedoch hilfreich. Jede Frau hat Anspruch auf die Begleitung der Geburt durch eine Hebamme.
Die Aufgabe von Hebammen ist es, einer Frau bei der Geburt kontinuierlich beizustehen, ihr zu helfen und Schmerzen zu lindern, den Verlauf zu beobachten und richtig einzuschätzen, ob und wann medizinische Hilfe notwendig wird. Sobald bei einer Geburt Unregelmäßigkeiten oder Probleme auftreten. sollte eine Ärztin oder ein Arzt hinzugezogen werden. Auch wenn die Hebammen im Kreißsaal einer Klinik für die Geburten zuständig sind, ist in der geburtshilflichen Abteilung einer Klinik zu jeder Zeit eine Frauenärztin oder ein Frauenarzt in Bereitschaft, die oder der im Notfall herbeigerufen werden kann.
Um die Geburt ihres Kindes als ein beglückendes Familienereignis erleben zu können, möchten viele Frauen zusätzlich zu dem Klinikpersonal auch von einem einfühlsamen Partner, der Mutter oder einer Freundin umsorgt werden. Mittlerweile ist es in fast jeder Klinik möglich einen oder mehrere Angehörige zur Geburt mitzubringen.
Weiterführende Informationen
- Deutscher Hebammenverband e.V.
Internetseite des Deutschen Hebammenverbandes e.V. (DHV), der sich für die Interessen aller im klinischen wie im außerklinischen Bereich tätigen Hebammen einsetzt. In der Rubrik »Elterninformation« finden sich unter anderem hilfreiche Tipps und Hinweise zum Stillen und zur Hebammenhilfe. (Recherchedatum: 21.09.2009)
Publikationen zum Thema
Häufig gestellte Fragen
Was passiert, wenn das Baby auf sich warten lässt?
Nur drei von 100 Kindern kommen zum errechneten Geburtstermin zur Welt. Daher kann es durchaus normal sein, wenn das Kind zum errechneten Termin noch nicht geboren ist. Ab dem errechneten Entbindungstermin werden die Herztöne des ungeborenen Kindes in der Regel alle zwei Tage kontrolliert, mit dem Ziel, festzustellen, ob der Mutterkuchen noch gut arbeitet und es dem Kind gut geht. Während der Woche ist die behandelnde Frauenarztpraxis oder die Hebamme dafür zuständig und am Wochenende die ausgesuchte, beziehungsweise nahe gelegene Entbindungsklinik. Sofern es Mutter und Kind auch nach dem errechneten Entbindungstermin gut geht, wird noch eine Zeit lang der natürliche Geburtsbeginn abgewartet.
Allerdings wird angestrebt, die Schwangerschaft nicht länger als 42 Wochen aufrecht zu erhalten. Ab etwa dem zehnten oder zwölften Tag nach dem errechneten Termin, also in der Mitte der 41. Schwangerschaftswoche wird meist in der Klinik die Reifung des Muttermundes mit Medikamenten vorgeschlagen. Diese Reifung geschieht durch ein Hormon (Prostaglandine), das in Tabletten- oder Gelform vor den Muttermund gelegt wird. Durch diese Medikamente wird der Muttermund meist weich und öffnet sich ein wenig. Wenn die Muttermundreifung erfolgreich durchgeführt worden ist, kann die Ärztin oder der Arzt die Geburt dann mit einem Wehentropf einleiten.
Eine Geburtseinleitung sollte immer medizinisch begründet sein. Ungeduld oder Lustlosigkeit ist kein Grund für eine medizinische Intervention. Aber auch trotz verschiedener Möglichkeiten, eine Geburt einzuleiten, kann nicht immer sichergestellt werden, dass das Kind an dem Tag geboren wird, an dem die Geburt eingeleitet wird. Oft ist eine zweite Tabletten- oder Gelgabe erforderlich. Länger als 14 Tage nach dem errechneten Termin wird in der Regel nicht auf den natürlichen Geburtsbeginn gewartet, weil der Mutterkuchen das Kind danach möglicherweise nicht mehr gut versorgt.
Kann ich trotz einer Einleitung noch normal entbinden?
Bei einer Geburtseinleitung werden die Wehen künstlich vor dem natürlichen Geburtsbeginn in Gang gesetzt. Der Verlauf der weiteren Geburt kann ganz natürlich vor sich gehen. Ein wesentliches Kriterium für den Erfolg einer Einleitung ist die Reife des Muttermundes. Je reifer dieser ist, desto einfacher wird der Geburtsverlauf sein.
Das hängt aber auch ein wenig davon ab, was der Grund für die Geburtseinleitung ist. Bei einer Übertragung über den errechneten Geburtstermin oder einem vorzeitigen Blasensprung sind weniger Probleme zu erwarten. Wird die Geburt aber sehr früh eingeleitet, weil beispielsweise der Mutterkuchen nicht mehr gut arbeitet (Plazentainsuffizienz) kann es sein, dass die Anstrengungen einer normalen Geburt für das Kind zu groß sind. Das Kind würde dann seinen Stress mit schlechten Herztönen signalisieren. Welche Hilfe dann richtig ist, hängt davon ab, wie weit die Geburt schon vorangeschritten ist.
Was bekommt das Kind zu trinken, bis bei mir die richtige Milch kommt?
Ein gesundes Neugeborenes kommt gesättigt zur Welt. Nach etwa zwölf bis 24 Stunden äußert es seinen ersten Hunger, es wird unruhig und schreit. Wenn es dann gleich an die Brust gelegt wird, kann es schon die ersten Tropfen der Vormilch (Kolostrum) trinken. Diese kleinen Mengen reichen. Die Vormilch ist reich an Eiweißen, Mineralien und enthält wenig Fett und Zucker.
Am zweiten oder dritten Tag schießt die sättigende Muttermilch in Brust, die die optimale Ernährung des Kindes ist.
Es gibt keinen Grund einem gesunden Neugeborenen in den ersten Tagen Nahrung oder Flüssigkeit außer der Muttermilch zu geben. Der Magen und der Darm des Kindes reagieren noch sehr empfindlich auf unnatürliche und körperfremde Nahrung.
Nimmt ein Kind allerdings mehr als zehn Prozent seines Geburtsgewichtes ab, bekommt Fieber oder liegen andere Probleme vor, kann es durchaus sinnvoll sein, zusätzlich ein wenig Flüssigkeit zu geben. Das kann Tee oder eine sehr verdünnte Traubenzuckerlösung sein.
Handeln wir unverantwortlich, wenn wir die Augentropfen für unser Neugeborenes ablehnen?
Eine Reihe von in der Scheide vorkommenden Keimen kann das Kind auf dem Weg durch den Geburtskanal infizieren und zu einer Bindehautentzündung beim Neugeborenen führen. Seit den 1880er Jahren wird die so genannte Augenprophylaxe durchgeführt. Damals war etwa jede dritte Frau mit Gonokokken (Trippererreger) infiziert. Etwa jedes zehnte Kind steckte sich auf dem Weg durch den Geburtskanal mit diesen Erregern an und nicht selten führten diese Infektionen innerhalb kurzer Zeit zur Erblindung des Kindes. Durch die Gabe der Augentropfen mit Silbernitratlösung ist dieses Krankheitsbild nahezu verschwunden.
Seit 1986 ist die Augenprophylaxe nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben, weil die Tripper-Infektionen deutlich seltener geworden sind und falls vorhanden, in der Schwangerschaft behandelt werden können. Außerdem wird die Silbernitratlösung heute seltener verwendet, weil sie sehr in den Augen brennt. Die Kinder blinzeln danach sehr lange und nehmen entsprechend schlechter Blickkontakt mit der Mutter auf.
Als Alternative wird in den meisten Kliniken jetzt statt der Silbernitratlösung ein gegen viele Keime wirksames Antibiotikum empfohlen und verwendet. Das Antibiotikum schmerzt nicht in den Augen und hilft zusätzlich auch gegen andere Keime, wie zum Beispiel Chlamydien. Ein Gegenargument für das Antibiotikum ist die zu wenig konkrete Wirkung, die aber zu einer Sensibilisierung des Kindes führen kann. Das bedeutet, dass eine später notwendige Antibiotikagabe eventuell nicht mehr so gut wirkt. Bis heute ist sich die Medizin nicht einig, ob die allgemeine Prophylaxe sinnvoller ist, oder ob man Kind genau beobachten soll und nur im Falle einer Infektion behandelt. Ein Abstrich aus der Scheide am Ende der Schwangerschaft kann die Entscheidung für oder gegen eine Prophylaxe erleichtern. Wenn sich dabei herausstellt, dass keine gefährlichen Keime zu finden sind, kann man eher auf diese vorbeugende Maßnahme verzichten. Treten innerhalb der ersten zehn Lebenstage Rötungen der Augen auf, sollte allerdings unverzüglich die Hebamme oder eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt konsultiert werden, damit die Entzündung gezielt behandelt werden kann.
Stimmt es, dass...
Stimmt es, dass man mit Sex oder Rizinus die Geburt einleiten kann?
In der Samenflüssigkeit des Mannes befinden sich Prostaglandine, Hormone, die ebenfalls in der Gebärmutter der Frau produziert werden. Sie lockern gegen Ende der Schwangerschaft die Fasern des Muttermundes so auf, dass er sich unter dem Druck der Wehen öffnen kann und spielen bei der Wehentätigkeit eine entscheidende Rolle. Prostaglandine werden deshalb auch zur Geburtseinleitung als Gel, Zäpfchen oder Tablette verwendet.
Die Menge der Prostalglandine im Ejakulat des Mannes ist allerdings allein nicht ausreichend, um Wehen auszulösen, wenn der Körper der Frau und das Kind noch nicht geburtsbereit sind.
Bei einem Orgasmus schüttet der weibliche Körper das Hormon Oxytozin aus. Es bewirkt ein rhythmisches Zusammenziehen der Gebärmutter. Deshalb können nach dem Orgasmus ganz leichte Wehen spürbar sein. Sie vergehen aber meist sehr schnett wieder, wenn der weibliche Organismus keine Wehenbereitschaft zeigt.
Ob eine Geburt beginnt oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der Schwangerschaftsdauer, der psychischen Situation der werdenden Mutter und der Reife des ungeborenen Kindes. Bei einem unreifen, fest verschlossenen Muttermund und einem noch nicht geburtsreifen Kind hilft also Sex genauso wenig wie schwere Arbeiten, Hausputz oder Treppensteigen.
Wissenschaftlich belegt ist, dass Frauen, die ausgeschlafen und entspannt sind, eher Wehen bekommen, als Frauen die sehr müde und abgespannt sind. Insofern kann Sex doch ein Auslöser für den Geburtsbeginn sein, vorausgesetzt, dass er wirklich zu körperlicher und seelischer Entspannung und Wohlbefinden führt.
Als weitere geburtseinleitende Mittel werden öfters naturheilkundliche Rezepturen wie zum Beispiel der Rizinuscocktail (eine kleine Menge Rizinusöl gemischt mit Saft oder Sekt) empfohlen. In geringer Dosierung regt Rizinus die Verdauung an, in höheren Dosen kann es zu Durchfall führen. Die verstärkten Darmbewegungen (Peristaltik) regen die Gebärmutter an und können Wehen auslösen. Ob sie auch in kräftige Geburtswehen übergehen oder wieder nachlassen, sobald der Darm sich beruhigt hat, hängt wieder von der Geburtsbereitschaft des Körpers der Schwangeren ab. Alle naturheilkundlichen Wehen fördernden Mittel sollten in jedem Fall nur in Absprache mit der Hebamme oder der Ärztin oder dem Arzt verwendet werden!
Stimmt es, dass man messen kann, ob ein Kind durch den Geburtskanal passt?
Mit Beginn der Geburtswehen wird das Kind zunächst in den Geburtskanal hinein geschoben. Erst dann veranlasst die Beschaffenheit des Beckens das Kind dazu, sich dem Geburtskanal anzupassen.
Auf der anderen Seite kann sich auch das Becken in Grenzen dem kindlichen Köpfchen anpassen: Unter dem hormonellen Einfluss der Schwangerschaft lockern die Gelenke des Beckens stark auf. Dadurch entsteht eine größere Beweglichkeit zwischen den Gelenken, die zu einer Vergrößerung des Platzangebotes unter der Geburt führt.
Die allermeisten Frauen haben ein normal großes Becken mit einem Innendurchmesser von ungefähr 13 Zentimeter. Große Fehlbildungen des Beckens, wie sie früher durch Hungersnöte und Krankheiten häufig waren, gibt es heute kaum noch.
Der Kopfdurchmesser eines Kindes beträgt zum Zeitpunkt der Geburt zehn bis elf Zentimeter. Der knöcherne Schädel des Kindes wird aus Plattenknochen gebildet. Die Nähte zwischen ihnen verschließen sich erst nach der Geburt. Unter der Geburt sind die Knochen gegeneinander verschiebbar und können einander sogar überlappen. Damit wird der Durchmesser des Köpfchens um bis zu zehn Millimeter verkleinert. So passt er sich besser an den Geburtsweg an.
Auch sehr große Kinder haben die Möglichkeit den Geburtsweg zu passieren - wenn sie sich optimal einfügen. So können Kinder, die ein Geburtsgewicht über 4500 Gramm und einen entsprechend großen Kopf haben, häufig ganz normal auf die Welt kommen. Setzt das Kind jedoch den Kopf nicht optimal in den Beckeneingang, sondern verkantet oder ist um 90 ° gedreht, kann der Kopf nicht gut oder gar nicht in das Becken eintreten. Ganz unabhängig von der Größe. Bei diesen so genannten Einstellungsanomalien kann es passieren, dass sich die Geburt verzögert.
Vor der Geburt und ohne Wehen kann man nicht einschätzen, wie weit das Kind sich dem Geburtskanal und dieser sich dem Kind anpassen wird. Bei dem Ultraschall vor der Geburt wird nur der Kopfdurchmesser des Kindes im nicht angepassten Zustand gemessen.
Deswegen kann man bestenfalls Prognosen abgeben. Bevor man von einem Missverhältnis zwischen Kopf und Becken spricht, muss abgewartet werden bis die Geburt begonnen hat.


