Nach der Ankunft in der Klinik oder im Geburtshaus wird in der Regel zunächst festgestellt, wie weit die Geburt fortgeschritten ist. Die Hebamme empfängt die werdende Mutter im Kreißsaal, tastet die Lage des Kindes und prüft durch die innere Untersuchung, wie weit sich der Muttermund schon gedehnt hat. Die kindlichen Herztöne und die Wehentätigkeit werden mit dem CTG geprüft.
Ist die Geburt noch am Anfang, kann ein langer Spaziergang durch den Garten oder über die Flure dazu beitragen, die Wehen regelmäßig und kräftig werden zu lassen. Manchmal helfen auch ein heißes Bad, Massagen oder Treppensteigen.
Die Eröffnungsphase
Die Eröffnungsphase ist die längste Phase der Geburt und dauert so lange, bis der Muttermund vollständig eröffnet ist. Bis dahin vergehen beim ersten Kind durchschnittlich acht bis 14 Stunden, bei weiteren Geburten im Durchschnitt nur sechs Stunden. Die Wehen werden in dieser Zeit immer stärker und länger, die Pausen dazwischen kürzer. Gegen Ende der Eröffnungsphase kommen die Wehen alle zwei bis drei Minuten und dauern etwa eine Minute an.
Mit jeder einzelnen Wehe geht die Geburt ein kleines Stück voran: Das Köpfchen des Kindes tritt allmählich in den knöchernen Beckenring ein. Es drückt von innen auf den Muttermund, der sich langsam bis auf etwa zehn Zentimeter öffnet.
Ist die Fruchtblase nicht schon vor Geburtsbeginn gesprungen, passiert dies meist während der Eröffnungsphase. Manchmal wird die Fruchtblase auch von der Hebamme mit einem kleinen Instrument geöffnet, wenn die Geburt ins Stocken gerät. Dies nennt man Fruchtblasensprengung (Amniotomie). Nachdem das Fruchtwasser abgegangen ist, drückt das Köpfchen direkt und ohne das Polster der gefüllten Fruchtblase von innen auf den Muttermund. Das führt meist zu kräftigeren Wehen und einer Beschleunigung des Geburtsverlaufs.
Kontrolluntersuchungen
In dieser Phase werden die Herztöne und der Muttermund in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Bei den Untersuchungen durch die Scheide tastet die Hebamme,
- wie weit der Muttermund geöffnet ist,
- ob er fest oder weich ist,
- wie weit sich das Köpfchen vorwärts geschoben hat,
- ob sich das Köpfchen richtig dreht.
Manchmal werden zusätzliche Untersuchungen wie Blutdruck-Kontrollen, Blutentnahmen und Fiebermessen notwendig.
Früher übliche Hygienemaßnahmen wie
- Einlauf,
- Körperreinigung durch ein Vollbad oder eine Dusche,
- Kürzen oder Rasieren der Schamhaare oder
- Desinfektion der äußeren Geschlechtsorgane
sind keine Routine mehr. Jede Frau kann frei entscheiden, ob und wann sie einen Einlauf wünscht und ob sie die Schamhaare rasiert haben möchte.
Erschöpfung und Schmerzen bewältigen
Es gibt bei fast jeder Geburt Momente, in denen eine werdende Mutter glaubt, nicht mehr weiterzukönnen. Diese Gefühle sind normal und bedeuten nicht, dass sie die Geburt nicht schafft. Entscheidend ist in diesen Augenblicken, sich nicht gegen die Wehen „aufzulehnen“ – auch wenn dies leichter gesagt ist als getan.
Wenn die Schmerzen sehr stark werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich Erleichterung zu verschaffen:
- Wechsel der Körperhaltung, zum Beispiel Sitzen auf dem Gymnastikball, Liegen auf der Seite oder kurzes Umhergehen mit Unterstützung,
- Entspannungs- und Atemübungen,
- Entspannungshilfen wie ein Fußbad, eine Wärmflasche oder eine Massage von Rücken und Steißbein,
- ein warmes Bad,
- Akupunktur oder andere alternative Methoden zur Beruhigung und Schmerzlinderung,
- entspannende und schmerzlindernde Medikamente,
- regionale Betäubungen: Periduralanästhesie (PDA) und Pudendusblock.
Während der langen Zeit der Eröffnungsphase wird sehr viel Energie verbraucht. Manche Frauen müssen sich übergeben, weil die starken Kontraktionen der Wehen auch die Magennerven reizen können. Deshalb ist es wichtig, während der Geburt nichts schwer Verdauliches zu essen. Empfehlenswert sind kleine Snacks wie Schokolade, Müsliriegel, Traubenzucker oder auch Saft, weil sie den Magen nicht belasten und kurzfristig viel Energie liefern.
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Häufig gestellte Fragen
Was passiert, wenn das Baby auf sich warten lässt?
Nur etwa vier Prozent aller Kinder kommen zum errechneten Geburtstermin zur Welt. Eine spätere Geburt ist also nichts Ungewöhnliches. Dennoch werden ab dem errechneten Entbindungstermin alle zwei bis drei Tage Vorsorgeuntersuchungen gemacht, um sicherzugehen, dass es dem Kind gut geht. In der Regel wird noch einmal geprüft, ob der errechnete Geburtstermin richtig ist.
Ab der 41. Schwangerschaftswoche wird meist vorgeschlagen, die Geburt einzuleiten. Ist der Muttermund noch fest, kann seine Reifung medikamentös unterstützt werden. Dazu werden eine Tablette oder ein Gel mit dem Hormon Prostaglandin vor den Muttermund gebracht. Dadurch wird der Muttermund meist weich und öffnet sich ein wenig. Erst dann kann die Ärztin oder der Arzt die Geburt mithilfe eines Wehentropfs einleiten. Ist der Muttermund jedoch schon geöffnet, aber bleiben die Wehen aus, kann sofort ein Wehentropf gelegt werden.
In der Regel wird nicht länger als 14 Tage nach dem errechneten Termin auf den natürlichen Geburtsbeginn gewartet, weil danach die Gefahr besteht, dass der Mutterkuchen das Kind nicht mehr gut versorgt.
Stimmt es, dass man mit Sex die Geburt einleiten kann?
Die Samenflüssigkeit des Mannes enthält sogenannte Prostaglandine. Diese Hormone werden auch in der Gebärmutter der Frau produziert. Gegen Ende der Schwangerschaft lockern sie das Gewebe des Muttermundes auf, damit er sich unter dem Druck der Wehen öffnen kann. Auch beim Auslösen von Wehen spielen Prostaglandine eine entscheidende Rolle. Sie werden deshalb auch zur Geburtseinleitung als Gel, Zäpfchen oder Tablette verwendet.
Die Menge der Prostaglandine im Sperma des Mannes reicht allerdings nicht aus, um Wehen auszulösen, solange der Körper der Frau und das Kind noch nicht geburtsbereit sind.
Bei einem Orgasmus schüttet der weibliche Körper das Hormon Oxytozin aus. Es bewirkt ein rhythmisches Zusammenziehen der Gebärmutter. Deshalb können nach dem Orgasmus ganz leichte Wehen spürbar sein. Sie vergehen aber meist sehr schnell wieder, wenn der weibliche Organismus noch nicht bereit für die Geburt ist. Bei einem unreifen, noch fest verschlossenen Muttermund und einem noch nicht geburtsreifen Kind kann Sex also genauso wenig wie Hausputz oder Treppensteigen den Geburtsbeginn beschleunigen.
Wissenschaftlich belegt ist, dass Frauen, die am Geburtstermin entspannt sind, eher Wehen bekommen als Frauen, die müde und erschöpft sind. Insofern könnte entspannter Sex, der zu körperlichem und seelischem Wohlbefinden führt, den Geburtsbeginn möglicherweise doch etwas befördern.
Gibt es eine Idealposition für die Geburt?
Früher mussten Gebärende in Mitteleuropa häufig in der Rückenlage entbinden. Heute wird empfohlen, sich während der Geburt zu bewegen, verschiedene Positionen auszuprobieren und je nach Geburtsphase auch zu wechseln. Es gilt: Gut ist, was Mutter und Kind gut tut und die Geburt fördert. Die jeweils angenehmste Position kann eine Frau während der Geburt nur selbst suchen.
Es kann aber auch nötig werden, eine eher unbequeme Position einzunehmen, wenn der Geburtsverlauf dies erfordert. Dies wird je nach Situation zusammen mit der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt entschieden.
Kann sich die Kopfform des Kindes durch eine Saugglockengeburt verändern?
Wenn das Köpfchen bereits tief im Beckenausgang liegt, aber durch die Wehen allein nicht weiterrutscht, kann die Saugglocke zur Unterstützung des Geburtsfortgangs eingesetzt werden. Sie wird auf den Kopf aufgesetzt und saugt sich durch Unterdruck fest.
Wenn das Kind dann geboren ist, zeigt der Kopf eine Schwellung in der Form der Saugglocke. Meistens enthält dieses „Hörnchen“ nur Wasser, das in den nächsten Stunden von selbst verschwindet. Manchmal bildet sich dort ein für wenige Wochen sichtbarer Bluterguss (Hämatom). Es sitzt außen auf der Schädeldecke und beeinträchtigt das Gehirn daher nicht. Auch die Schädelknochen behalten ihre Form.


