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Das Kind während und nach der Geburt

Während der Geburt gilt neben der Mutter natürlich dem Kind die größte Aufmerksamkeit. Wie es ihm geht, wird in allen Phasen vor und nach der Entbindung intensiv beobachtet.


Wie es einem Ungeborenen im Mutterleib geht, lässt sich unter anderem an den Veränderungen seiner Herztöne ablesen. Zur Herzton-Kontrolle kann ein Stethoskop oder das traditionelle Hörrohr aus Holz benutzt werden. Damit ist allerdings keine fortlaufende Überwachung möglich.

Wird eine Geburt mit dem Holz-Hörrohr überwacht, müssen die Herztöne regelmäßig abgehört werden: in der Austreibungsphase alle 5 Minuten beziehungsweise nach jeder Wehe.

Moderne Geburtsüberwachung

In der Regel werden vor und während der Geburt die Häufigkeit der kindlichen Herzschläge und die Wehenfrequenz mithilfe eines Herzton-Wehenschreibers (Kardiotokograf oder CTG) aufgezeichnet. Die Herztöne des Kindes sind bei der Geburt nicht regelmäßig, sie erhöhen sich während der Wehen. Wichtig ist, dass sie sich immer wieder normalisieren. Herztöne und Wehen werden meist über zwei Elektroden ermittelt, die auf dem Bauch der Mutter befestigt sind.

Eine Aufzeichnung von außen ist erschwert, wenn die Bauchdecke zu dick ist. Die Herztöne des Kindes können auch direkt mit einer kleinen Elektrode abgeleitet werden, die durch die Scheide der Mutter an seinem Köpfchen befestigt wird. Dies liefert genauere Ergebnisse, ist aber erst möglich, wenn die Fruchtblase geplatzt ist.

Ein CTG hat den Vorteil, dass es auch nachträglich noch Auskunft über das Befinden des Kindes zum Zeitpunkt der Aufzeichnungen gibt. Das ist wichtig, weil schlechte Herztöne neben einem Sauerstoffmangel unter der Geburt dafür verantwortlich gemacht werden können, wenn beim Kind später Entwicklungsverzögerungen auftreten.

Um zu klären, ob eine Stresssituation zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung des Kindes führt, kann zusätzlich eine sogenannte Mikroblutuntersuchung (MBU) durchgeführt werden. Dafür wird ein Tropfen Blut vom Kopf des Kindes abgenommen. Daraus wird der pH-Wert bestimmt, der Aufschluss über die Sauerstoffversorgung des Kindes gibt.

Die Herztonmuster und der pH-Wert liefern gute Informationen über den Zustand des Ungeborenen. Mit ihrer Hilfe kann entschieden werden, ob es möglich ist, eine Geburt in Ruhe abzuwarten, ohne die Gesundheit des Kindes zu gefährden. Voraussetzung ist, dass das CTG sehr sorgfältig beurteilt wird und alle Einflussfaktoren abgewogen werden, wie Dauer und Verlauf der Geburt, Kraft der Mutter und Schwangerschaftsalter des Kindes.

Abnabelung und Erstversorgung des Kindes

Wenn das Kind geboren ist, werden zuerst seine Augen, sein Mund und seine Nase von Blut und Schleim gereinigt. Als nächstes wird die Nabelschnur mit zwei Klemmen unterbunden und danach durchtrennt. Wenn der Vater möchte, kann er diese Aufgabe übernehmen. Weil die Nabelschnur keine Nervenzellen enthält, tut die Abnabelung nicht weh. Falls eine Nabelschnurblutspende gewünscht ist, wird Blut aus der Nabelschnurvene entnommen.

Ist die Geburt gut verlaufen, wird das Kind möglichst bald der Mutter übergeben und an ihre Brust gelegt. Während die Mutter zum ersten Mal ihr Neugeborenes im Arm hält, wird der Mutterkuchen (Plazenta) geboren und es werden eventuelle Geburtsverletzungen versorgt. Fühlt sich die Mutter zu schwach, kann auch der Vater das Kind in den Arm nehmen.

Normalerweise befreit sich das Neugeborene durch Niesen und Husten selbst von restlichem Fruchtwasser und Schleim im Rachen. Falls das nicht klappt und das Kind deshalb nicht problemlos schreien oder atmen kann, werden das restliche Fruchtwasser und der Schleim abgesaugt. Bei grünem Fruchtwasser wird sofort abgesaugt, damit das Kind es nicht einatmet. Grünes Fruchtwasser kann zu Atmungsstörungen und Sauerstoffmangel führen.

Im Gegensatz zu früher werden die Kinder nicht mehr routinemäßig im Kreißsaal gebadet. Manchmal werden sie mit warmem Wasser abgewaschen, wenn sie sehr blutverschmiert sind. Reste der Käseschmiere in den Hautfalten werden heute nicht mehr entfernt. Sie ziehen innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt komplett in die Haut ein.

Der APGAR-Test

Um den Zustand eines Neugeborenen zu beurteilen, werden fünf verschiedene Kriterien nach dem sogenannten APGAR-Schema beurteilt (benannt nach der Kinderärztin Virginia Apgar, die es entwickelt hat). Dabei werden die Atmung, der Puls, der Grundtonus (die Muskelspannung), das Aussehen (die Hautfarbe) und die Reflexe mit je maximal zwei Punkten bewertet. Bei acht bis zehn Punkten ist alles in Ordnung. Sind es weniger als acht, wird das Kind ärztlich beobachtet. Der Apgar-Test wird dreimal gemacht: eine, fünf und zehn Minuten nach der Geburt.

Erste Untersuchungen

Aus dem Nabelschnurrest am Mutterkuchen wird Blut abgenommen, um die Sauerstoffversorgung zum Zeitpunkt der Geburt zu kontrollieren. Zusätzlich kann dem Kind für weitere Labortests Blut abgenommen werden, zum Beispiel um Entzündungswerte zu kontrollieren oder den Rhesusfaktor des Kindes zu bestimmen.

Wenn die Mutter nach der Geburt versorgt ist, wird das Kind untersucht. Bei der ersten Untersuchung (U1) wird überprüft, ob Fehlbildungen oder Verletzungen sichtbar sind, das Herz regelmäßig schlägt, beide Lungenflügel gut belüftet sind und keine Stoffwechselerkrankung vorliegt. Der Abgang von Urin oder erstem Stuhl beweist, dass auch Blase und Darm gut arbeiten. Außerdem erhalten die Eltern ein Merkblatt zum sogenannten Neugeborenen-Hörscreening. Alle Neugeborenen haben einen Anspruch auf diesen Test zur Früherkennung von Hörstörungen. Es ist sinnvoll, ihn in den ersten drei Lebenstagen durchführen zu lassen.

Auch Reifemerkmale des Kindes werden betrachtet. Zum Beispiel sind am Entbindungstermin die Fingernägel des Kindes normalerweise sehr lang, die Fußsohle zeigt viele Falten und der Rand der Ohrmuschel ist häufig noch nicht nach innen gekrümmt. Zum Abschluss der Untersuchungen bekommt das Neugeborene in der Klinik ein Namensbändchen, um Verwechslungen zu verhindern.

Vitamin-K-Prophylaxe

Säuglinge produzieren nach der Geburt noch nicht genug Vitamin K, das für die Blutgerinnung wichtig ist. Um einem Vitamin-K-Mangel vorzubeugen, wird eine Vitamin-K-Prophylaxe empfohlen (Prophylaxe bedeutet Vorbeugung). Dazu bekommt das Neugeborene zwei Tropfen Vitamin K auf die Zunge geträufelt. Dies wird bei den kinderärztlichen Untersuchungen U2 und U3 wiederholt.

Augentropfen

Früher wurden Neugeborenen nach der Geburt Silbernitrat-Augentropfen verabreicht. Damit sollte eine Infektion der Augen durch Keimübertragung während der Geburt verhindert werden. Heute wird im Allgemeinen ein Antibiotikum gegeben, das gegen eine größere Bandbreite von Keimen wirkt und nicht wie die Silbernitrat-Tropfen in den Augen schmerzt. Ein Abstrich aus der Scheide der Schwangeren am Ende der Schwangerschaft macht diese Maßnahme möglicherweise überflüssig, wenn sich dabei herausstellt, dass keine infektiösen Keime zu finden sind, wie zum Beispiel Chlamydien oder Gonokokken.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viel Milch braucht ein Neugeborenes?

Ein gesundes Neugeborenes kommt zwar mit einem ausgeprägten Saugreflex, aber gesättigt zur Welt. Wenn es nach der Geburt an die Brust gelegt wird, kann es die ersten Tropfen der Vormilch (Kolostrum) trinken. Die Vormilch ist reich an Eiweißen, Mineralien und enthält wenig Fett und Zucker. Diese kleinen Mengen reichen dem Neugeborenen.

Erst nach etwa zwölf bis 24 Stunden äußert es seinen ersten Hunger, wird unruhig und schreit. Am zweiten oder dritten Tag schießt dann die normale Muttermilch in die Brust, die optimale Ernährung für das wachsende Kind. Durch Saugen an der Brust regelt das Neugeborene seinen Milchbedarf gewissermaßen selbst. Je mehr es trinkt, desto mehr Milch produziert die Brust.

Es gibt keinen Grund, einem gesunden Neugeborenen in den ersten Tagen andere Nahrung oder Flüssigkeit als die Muttermilch zu geben. Im Gegenteil: Der Magen und der Darm des Kindes reagieren noch sehr empfindlich auf körperfremde Nahrung. Nimmt ein Kind allerdings mehr als zehn Prozent seines Geburtsgewichtes ab, bekommt Fieber oder liegen andere Probleme vor, kann es durchaus sinnvoll sein, zusätzlich ein wenig Flüssigkeit wie Tee oder eine sehr verdünnte Traubenzuckerlösung zu geben.

Die Größe des Neugeborenen-Magens im Bild

Was ist eine Schulterdystokie?

Eine Schulterdystokie ist eine Geburtskomplikation während der Austreibungsphase. Dabei bleibt die vordere Schulter des Kindes nach der Geburt des Kopfes an der Schambeinfuge des mütterlichen Beckens hängen. Diese Komplikation kommt hauptsächlich bei großen, über 4000 Gramm schweren Kindern vor, insgesamt aber bei etwa einer von zweihundert Geburten (0,5 Prozent).

Um Risiken wie Sauerstoffmangel, Schlüsselbeinbruch oder Nervenlähmungen für das Kind zu vermeiden, sind spezielle geburtshilfliche Maßnahmen erforderlich. Eine Methode ist zum Beispiel das mehrmalige Strecken und Beugen der mütterlichen Beine in Kombination mit Druckausübung oberhalb des Schambeinbogens der Mutter.

Wenn Untersuchungen ergeben haben, dass das Kind sehr groß und die Wahrscheinlichkeit einer Schulterdystokie hoch ist, wird häufig ein geplanter Kaiserschnitt empfohlen.

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