Die ersten Lebensfunktionen
Während der Schwangerschaft hat der mütterliche Organismus für die Sauerstoffzufuhr und den Stoffwechsel des Kindes gesorgt. Nach der Geburt muss es lebenswichtige Körperfunktionen wie die Atmung, die Verdauung und die Temperaturregulation nun selbst übernehmen.
Schon in der Schwangerschaft trainiert ein Kind unter anderem die Muskeln, die für die Atmung wichtig sind. Verschiedene Reize sorgen nach der Geburt dafür, dass das Kind innerhalb weniger Sekunden selbst zu atmen beginnt. Dazu gehören etwa die kältere Umgebungstemperatur oder Geräusche.
Beim Durchtritt durch das mütterliche Becken wird der Brustkorb des Kindes fest zusammengedrückt. Dabei wird fast alles Fruchtwasser aus der Lunge gepresst. Sobald sich der Brustkorb nach der Geburt wieder ausdehnen kann, holt das Kind das erste Mal Luft.
Sofort nach dem ersten Atemzug stellt sich der kindliche Kreislauf um: Der Zugang von den Blutgefäßen im Bauch des Kindes zur Nabelschnur verschließt sich. Die Nabelschnur pulsiert nur noch zwischen dem Mutterkuchen und dem kindlichen Bauchnabel.
Die Regelung der Körpertemperatur ist für Neugeborene etwas schwieriger, denn ihre Körperoberfläche ist im Verhältnis zum Körpergewicht sehr groß. Neugeborene müssen daher vor Unterkühlung oder Überhitzung geschützt werden.
Sinnesfunktionen wie Schmecken, Riechen und Hören sind schon kurz nach der Geburt sehr gut ausgebildet. So erkennt ein Neugeborenes seine Mutter meist am Geruch und an der Stimme. Auch Reflexe wie der Saug-, der Such- oder der Greifreflex sind von Geburt an vorhanden. Dank des Saug- und des Suchreflexes kann jedes gesunde Neugeborene die Brustwarze der Mutter und damit die lebenswichtige Nahrungsquelle finden.
Einfluss der Geburt
Der normale Geburtsprozess ist für das Kind sehr anstrengend, fördert aber lebenswichtige Reifungsprozesse und ist damit ein sinnvolles „Training“. Das Kind wird dabei von mechanischen Reizen und der Wirkung verschiedener Hormone beeinflusst.
Die Wehen wirken während der Geburt wie eine intensive Massage. Dieser Reiz aktiviert das gesamte Nervensystem und fördert die eigenständige Atmung nach der Geburt. Deshalb zeigen auf normalem Weg geborene Kinder seltener Anpassungsprobleme wie Atemnot und Sauerstoffmangel als Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden wurden.
Die hormonellen Vorgänge haben Einfluss auf den emotionalen Zustand und einige Körperfunktionen des Kindes. Der natürliche Geburtsstress führt zur Ausschüttung von Stresshormonen. Sie bereiten das Kind auf die kritische Phase der Anpassung nach der Geburt vor. Das Neugeborene ist durch diesen Hormonschub nach der Geburt besonders wach und aufmerksam, oft deutlich mehr als in den folgenden Tagen. Dies fördert den ersten Kontakt zur Mutter und den Aufbau einer stabilen Mutter-Kind-Beziehung.
Erstes Anlegen des Kindes im Kreißsaal
Hat sich das Neugeborene von der Geburt etwas erholt, sucht es oft schon nach 20 bis 30 Minuten nach der Brust der Mutter. Fühlt sich die Mutter gut genug, kann der Säugling an die Brust angelegt werden. Ist sie zu erschöpft, ist es besser, zu warten, bis sich die Bereitschaft zum Stillen von selbst entwickelt. Das Stillen wird durch einen späteren Stillbeginn meist nicht erschwert.
Die erste Muttermilch, das sogenannte Kolostrum, ist relativ dickflüssig und gelblich. Sie ist reich an Eiweiß, Mineralien und Abwehrkörpern. Sie enthält wenig Fett, ist leicht verdaulich und fördert die Ausscheidung des ersten kindlichen Stuhls nach der Geburt (Kindspech, Mekonium).
Die Inhaltsstoffe der Muttermilch sind nicht immer gleich. Ihre Zusammensetzung wird je nach Entwicklungsphase ständig an die Bedürfnisse des Neugeborenen angepasst. Jedes Kind bekommt auf diese Weise seine eigene, „maßgeschneiderte“ Nahrung. Die erste Muttermilch ist nicht nur sehr gesund, das frühe Anlegen fördert auch die frühe Bindung zwischen Mutter und Kind.
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Häufig gestellte Fragen
Wie viel Milch braucht ein Neugeborenes?
Ein gesundes Neugeborenes kommt zwar mit einem ausgeprägten Saugreflex, aber gesättigt zur Welt. Wenn es nach der Geburt an die Brust gelegt wird, kann es die ersten Tropfen der Vormilch (Kolostrum) trinken. Die Vormilch ist reich an Eiweißen, Mineralien und enthält wenig Fett und Zucker. Diese kleinen Mengen reichen dem Neugeborenen.
Erst nach etwa zwölf bis 24 Stunden äußert es seinen ersten Hunger, wird unruhig und schreit. Am zweiten oder dritten Tag schießt dann die normale Muttermilch in die Brust, die optimale Ernährung für das wachsende Kind. Durch Saugen an der Brust regelt das Neugeborene seinen Milchbedarf gewissermaßen selbst. Je mehr es trinkt, desto mehr Milch produziert die Brust.
Es gibt keinen Grund, einem gesunden Neugeborenen in den ersten Tagen andere Nahrung oder Flüssigkeit als die Muttermilch zu geben. Im Gegenteil: Der Magen und der Darm des Kindes reagieren noch sehr empfindlich auf körperfremde Nahrung. Nimmt ein Kind allerdings mehr als zehn Prozent seines Geburtsgewichtes ab, bekommt Fieber oder liegen andere Probleme vor, kann es durchaus sinnvoll sein, zusätzlich ein wenig Flüssigkeit wie Tee oder eine sehr verdünnte Traubenzuckerlösung zu geben.
Schaden schmerzlindernde Medikamente unter der Geburt dem Kind?
Medikamente, die ins Muskelgewebe der Frau gespritzt oder per Zäpfchen verabreicht werden, wirken auf den gesamten Organismus. Sie haben eine unterschiedlich lange Wirkdauer und können über die Plazenta auch in den Körper des Kindes gelangen. Dies gilt auch für lokal betäubende Mittel, wie sie zum Beispiel bei der Periduralanästhesie eingesetzt werden. Neugeborene können diese Stoffe nur langsam abbauen.
Die Frage der Dosierung und des Zeitpunkts der Verabreichung erfordert also Fingerspitzengefühl. Je später und je weniger Medikamente eingesetzt werden, desto geringer ist ihre Wirkung auf das Kind.
Eine direkte Schädigung des Kindes durch während der Geburt verabreichte Schmerzmittel ist unwahrscheinlich. Die Medikamente können das Neugeborene aber schläfrig und benommen machen, vor allem in den ersten Stunden. Manchmal beeinträchtigt dies sein Stillverhalten.




