Häufig gestellte Fragen
Was passiert, wenn das Baby auf sich warten lässt?
Nur drei von 100 Kindern kommen zum errechneten Geburtstermin zur Welt. Daher kann es durchaus normal sein, wenn das Kind zum errechneten Termin noch nicht geboren ist. Ab dem errechneten Entbindungstermin werden die Herztöne des ungeborenen Kindes in der Regel alle zwei Tage kontrolliert, mit dem Ziel, festzustellen, ob der Mutterkuchen noch gut arbeitet und es dem Kind gut geht. Während der Woche ist die behandelnde Frauenarztpraxis oder die Hebamme dafür zuständig und am Wochenende die ausgesuchte, beziehungsweise nahe gelegene Entbindungsklinik. Sofern es Mutter und Kind auch nach dem errechneten Entbindungstermin gut geht, wird noch eine Zeit lang der natürliche Geburtsbeginn abgewartet.
Allerdings wird angestrebt, die Schwangerschaft nicht länger als 42 Wochen aufrecht zu erhalten. Ab etwa dem zehnten oder zwölften Tag nach dem errechneten Termin, also in der Mitte der 41. Schwangerschaftswoche wird meist in der Klinik die Reifung des Muttermundes mit Medikamenten vorgeschlagen. Diese Reifung geschieht durch ein Hormon (Prostaglandine), das in Tabletten- oder Gelform vor den Muttermund gelegt wird. Durch diese Medikamente wird der Muttermund meist weich und öffnet sich ein wenig. Wenn die Muttermundreifung erfolgreich durchgeführt worden ist, kann die Ärztin oder der Arzt die Geburt dann mit einem Wehentropf einleiten.
Eine Geburtseinleitung sollte immer medizinisch begründet sein. Ungeduld oder Lustlosigkeit ist kein Grund für eine medizinische Intervention. Aber auch trotz verschiedener Möglichkeiten, eine Geburt einzuleiten, kann nicht immer sichergestellt werden, dass das Kind an dem Tag geboren wird, an dem die Geburt eingeleitet wird. Oft ist eine zweite Tabletten- oder Gelgabe erforderlich. Länger als 14 Tage nach dem errechneten Termin wird in der Regel nicht auf den natürlichen Geburtsbeginn gewartet, weil der Mutterkuchen das Kind danach möglicherweise nicht mehr gut versorgt.
Was bekommt das Kind zu trinken, bis bei mir die richtige Milch kommt?
Ein gesundes Neugeborenes kommt gesättigt zur Welt. Nach etwa zwölf bis 24 Stunden äußert es seinen ersten Hunger, es wird unruhig und schreit. Wenn es dann gleich an die Brust gelegt wird, kann es schon die ersten Tropfen der Vormilch (Kolostrum) trinken. Diese kleinen Mengen reichen. Die Vormilch ist reich an Eiweißen, Mineralien und enthält wenig Fett und Zucker.
Am zweiten oder dritten Tag schießt die sättigende Muttermilch in Brust, die die optimale Ernährung des Kindes ist.
Es gibt keinen Grund einem gesunden Neugeborenen in den ersten Tagen Nahrung oder Flüssigkeit außer der Muttermilch zu geben. Der Magen und der Darm des Kindes reagieren noch sehr empfindlich auf unnatürliche und körperfremde Nahrung.
Nimmt ein Kind allerdings mehr als zehn Prozent seines Geburtsgewichtes ab, bekommt Fieber oder liegen andere Probleme vor, kann es durchaus sinnvoll sein, zusätzlich ein wenig Flüssigkeit zu geben. Das kann Tee oder eine sehr verdünnte Traubenzuckerlösung sein.
Handeln wir unverantwortlich, wenn wir die Augentropfen für unser Neugeborenes ablehnen?
Eine Reihe von in der Scheide vorkommenden Keimen kann das Kind auf dem Weg durch den Geburtskanal infizieren und zu einer Bindehautentzündung beim Neugeborenen führen. Seit den 1880er Jahren wird die so genannte Augenprophylaxe durchgeführt. Damals war etwa jede dritte Frau mit Gonokokken (Trippererreger) infiziert. Etwa jedes zehnte Kind steckte sich auf dem Weg durch den Geburtskanal mit diesen Erregern an und nicht selten führten diese Infektionen innerhalb kurzer Zeit zur Erblindung des Kindes. Durch die Gabe der Augentropfen mit Silbernitratlösung ist dieses Krankheitsbild nahezu verschwunden.
Seit 1986 ist die Augenprophylaxe nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben, weil die Tripper-Infektionen deutlich seltener geworden sind und falls vorhanden, in der Schwangerschaft behandelt werden können. Außerdem wird die Silbernitratlösung heute seltener verwendet, weil sie sehr in den Augen brennt. Die Kinder blinzeln danach sehr lange und nehmen entsprechend schlechter Blickkontakt mit der Mutter auf.
Als Alternative wird in den meisten Kliniken jetzt statt der Silbernitratlösung ein gegen viele Keime wirksames Antibiotikum empfohlen und verwendet. Das Antibiotikum schmerzt nicht in den Augen und hilft zusätzlich auch gegen andere Keime, wie zum Beispiel Chlamydien. Ein Gegenargument für das Antibiotikum ist die zu wenig konkrete Wirkung, die aber zu einer Sensibilisierung des Kindes führen kann. Das bedeutet, dass eine später notwendige Antibiotikagabe eventuell nicht mehr so gut wirkt. Bis heute ist sich die Medizin nicht einig, ob die allgemeine Prophylaxe sinnvoller ist, oder ob man Kind genau beobachten soll und nur im Falle einer Infektion behandelt. Ein Abstrich aus der Scheide am Ende der Schwangerschaft kann die Entscheidung für oder gegen eine Prophylaxe erleichtern. Wenn sich dabei herausstellt, dass keine gefährlichen Keime zu finden sind, kann man eher auf diese vorbeugende Maßnahme verzichten. Treten innerhalb der ersten zehn Lebenstage Rötungen der Augen auf, sollte allerdings unverzüglich die Hebamme oder eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt konsultiert werden, damit die Entzündung gezielt behandelt werden kann.

