Liegende Position
Als die "klassische" Position gilt die Rückenlage. In Europa seit dem 17. Jahrhundert verbreitet, ist sie auch heute noch die häufigste Gebärposition. Ihr Hauptvorteil liegt darin, dass in der Rückenlage eine Frau während der Geburt am einfachsten medizinisch versorgt werden kann. Dies gilt auch in schwierigen Situationen, wenn geburtshilfliche Eingriffe nötig werden.
Ein Nachteil der Rückenlage ist, dass die unterstützende Wirkung der Schwerkraft ungenutzt bleibt. Im Liegen nimmt die Intensität der Wehen meist ab, was den Geburtsfortschritt behindern kann. In der Rückenlage drückt zudem die Gebärmutter auf die Rückenvene (Vena Cava). Dies kann die Sauerstoffversorgung der werdenden Mutter und des Kindes beeinträchtigen. Nicht zuletzt empfinden es manche Frauen als störend, dass sie sich in der Rückenlage nicht frei bewegen können.
Als Alternative zur Rückenlage bietet sich die Seitenlage an. Wenn die Gebärende auf der linken Seite liegt, wird die Rückenvene entlastet. Viele Frauen empfinden die Seitenlage vor allem in den Wehenpausen als entspannend.
Aufrechte Position
In manchen anderen Kulturen gebären Frauen in aufrechter Position. Dabei drückt das Gewicht des Kindes nach unten und erleichtert damit die Geburt. In aufrechter Position ist es für die Frau außerdem leichter, den Geburtsvorgang durch aktives Pressen zu unterstützen. Viele Frauen empfinden dabei auch weniger Schmerzen.
Aufrechtes Stehen während der Geburt ist wegen der körperlichen Belastung, vor allem der Beinmuskulatur, weniger verbreitet. Beliebt ist dagegen die hängende Position: An einem „Gebärseil“ – einem fest gewebten, langen Tuch, das an der Decke befestigt ist – kann sich die Frau während der Wehen festhalten. Sie kann das Seil auch als Schlaufe unter den Achseln hindurchführen und sich so tragen lassen. In dieser Position kann sie sich völlig frei bewegen. Die Hebamme, die Ärztin, der Arzt oder ihre Begleitperson können sie dabei von allen Seiten unterstützen.
Weit verbreitet ist auch das Sitzen oder Hocken auf einem Gebärstuhl, einem Gebärhocker oder einem Sitzball. Ein Gebärstuhl sieht aus wie ein Mittelding zwischen gynäkologischem Stuhl und Liege mit verstellbarem Rückenteil. Ein Gebärhocker ist ein Stuhl ohne Lehne mit einer Aussparung in der Mitte. Viele Frauen empfinden das Sitzen oder Hocken während der Wehen als angenehm, weil sie aktiver sein können, das Becken sich besser weitet und die Wehen effektiver sind. Auch hier kann die normale geburtshilfliche Betreuung von allen Seiten erfolgen. Ist die Geburt fortgeschritten und treten Komplikationen auf, muss die Schwangere allerdings auf ein Gebärbett wechseln, damit sie medizinisch versorgt werden kann.
Kniende Position
Die Knie-Ellenbogen-Lage wird oft bei Mehrlingsgeburten und großen Kindern empfohlen. Da der oben liegende Damm in dieser Position nicht zusätzlich durch das Gewicht des Kindes belastet wird, verringert sich die Gefahr eines Dammrisses. Wenn sie ihre Position verlagert, kann die Gebärende auch den Druck auf den Muttermund regulieren. Deshalb kann die Knie-Ellenbogen-Lage insbesondere bei der Austreibung hilfreich sein. Sie lässt sich aber auch einfach als Variante während der Eröffnungsphase nutzen.
Geburt im Wasserbecken
Warmes Wasser wirkt beruhigend und kann zur Entspannung und Schmerzlinderung beitragen. Der Auftrieb des Wassers reduziert das Eigengewicht und erleichtert dadurch die Bewegung. Wärme und Feuchtigkeit machen das Gewebe weich und dehnbar, Bauch und Beckenraum weiten sich, Dammrisse sind seltener. Viele Kliniken und Geburtshäuser bieten mittlerweile ein Wasserbecken an. Es wird vor allem in der Eröffnungsphase gern genutzt, auch weil das warme Wasser den Geburtsverlauf verkürzen kann.
Es gibt aber auch Frauen, denen das Wasser eher unangenehm ist. Außerdem kann die Weitung der Gefäße manchmal zu Kreislaufproblemen führen.
Welche Position in welcher Situation?
Für die beste Geburtsposition gibt es kein Patentrezept. Allgemein gilt: Was der Entspannung und der Bequemlichkeit der Mutter dient, trägt in der Regel auch zum Wohlbefinden des Kindes bei. Deshalb sollte der Gebärenden keine Position vorgeschrieben werden, die sie als unbequem und belastend empfindet. Andererseits ist es nicht sinnvoll, in einer bequemen Stellung zu verharren, wenn diese den Geburtsfortschritt behindert. Am besten wird je nach Situation und Geburtsphase zusammen mit der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt entschieden, welche Position optimal ist.
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Häufig gestellte Fragen
Gibt es eine Idealposition für die Geburt?
Früher mussten Gebärende in Mitteleuropa häufig in der Rückenlage entbinden. Heute wird empfohlen, sich während der Geburt zu bewegen, verschiedene Positionen auszuprobieren und je nach Geburtsphase auch zu wechseln. Es gilt: Gut ist, was Mutter und Kind gut tut und die Geburt fördert. Die jeweils angenehmste Position kann eine Frau während der Geburt nur selbst suchen.
Es kann aber auch nötig werden, eine eher unbequeme Position einzunehmen, wenn der Geburtsverlauf dies erfordert. Dies wird je nach Situation zusammen mit der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt entschieden.
Schaden schmerzlindernde Medikamente unter der Geburt dem Kind?
Medikamente, die ins Muskelgewebe der Frau gespritzt oder per Zäpfchen verabreicht werden, wirken auf den gesamten Organismus. Sie haben eine unterschiedlich lange Wirkdauer und können über die Plazenta auch in den Körper des Kindes gelangen. Dies gilt auch für lokal betäubende Mittel, wie sie zum Beispiel bei der Periduralanästhesie eingesetzt werden. Neugeborene können diese Stoffe nur langsam abbauen.
Die Frage der Dosierung und des Zeitpunkts der Verabreichung erfordert also Fingerspitzengefühl. Je später und je weniger Medikamente eingesetzt werden, desto geringer ist ihre Wirkung auf das Kind.
Eine direkte Schädigung des Kindes durch während der Geburt verabreichte Schmerzmittel ist unwahrscheinlich. Die Medikamente können das Neugeborene aber schläfrig und benommen machen, vor allem in den ersten Stunden. Manchmal beeinträchtigt dies sein Stillverhalten.
Was macht man, wenn sich das Köpfchen nicht richtig ins Becken dreht?
Die Hebamme kann bei der Untersuchung die genaue Haltung des Köpfchens feststellen, indem sie die Schädelnähte des Kindes abtastet. Je nachdem, wie es liegt, wird sie geeignete Hilfen vorschlagen.
Manchmal verbessert sich die Einstellung des Köpfchens, wenn die Mutter ihr Becken kreisen lässt oder eine bestimmte Position einnimmt. Sie zu halten, erfordert Geduld und wird hin und wieder als sehr unangenehm empfunden. Manchmal wird auch eine Periduralanästhesie gelegt, um verspannte Muskeln aufzulockern und so die richtige Drehung zu befördern.
Wenn sich der Kopf nicht richtig ins Becken dreht, liegt eine sogenannte Einstellungsanomalie vor. Führt sie zum Geburtsstillstand, wird je nach Untersuchungsbefund entschieden, ob eine Saugglockengeburt möglich oder ein Kaiserschnitt nötig ist.
Wie lange wird vor einem geburtshilflichen Eingriff abgewartet?
In der Eröffnungsphase wird etwa alle zwei Stunden kontrolliert, wie weit sich der Muttermund schon geöffnet hat. Hat er sich nicht weiter geöffnet, kann es sein, dass die Wehen zu schwach sind oder das Köpfchen nicht genug drückt, weil es nicht in der richtigen Position sitzt oder die Mutter zu verspannt ist.
In diesem Fall wird zunächst versucht, die Wehen wieder in Gang zu bringen, zum Beispiel durch entspannende Maßnahmen oder durch einen Wehentropf. Auch eine Periduralanästhesie kann hilfreich sein, wenn sich die Mutter durch die Abnahme der Schmerzen entspannt. Länger als vier Stunden ohne Geburtsfortschritt wird jedoch selten abgewartet, selbst wenn es Mutter und Kind gut geht.
Die Austreibungsphase sollte nicht länger als zwei Stunden dauern. Verzögert sie sich, wird häufiger untersucht und schneller eingegriffen als zu Beginn der Geburt, weil das Kind in dieser Geburtsphase stärker belastet ist.


