
Wenn Fehlbildungen von Organen, genetische Störungen, Störungen der Plazenta oder eine Infektion zum Tod des Kindes geführt haben, lässt sich dies durch eine einfache medizinische Untersuchung häufig nicht feststellen. Über die genaue Todesursache kann dann nur eine Obduktion Aufschluss geben.
Nutzen der Obduktion für die Eltern
Wenn die Todesursache durch eine Obduktion geklärt werden kann, bedeutet dies für die Eltern oft eine Entlastung von unterschwelligen oder offenen Schuldgefühlen. Denn manche Eltern fürchten, auf irgendeine Weise zum frühen Tod ihres Kindes beigetragen zu haben. Wenn sich die Eltern ein weiteres Kind wünschen, kann das Obduktionsergebnis helfen, ein mögliches Wiederholungsrisiko besser einzuschätzen. Nicht zuletzt ist eine Obduktion wichtig, wenn die Eltern klären möchten, ob ein medizinischer Behandlungsfehler vorgelegen hat.
Es muss keine Obduktion durchgeführt werden, wenn bereits deutlich ist, dass die Untersuchungsergebnisse keinen Informationsgewinn bringen und keine Konsequenzen haben würden. Dies ist der Fall, wenn beispielsweise schon in der Schwangerschaft eine bestimmte Chromsomenstörung festgestellt wurde, oder wenn die Todesursache offensichtlich ist, wie etwa bei einer Nabelschnurkomplikation.
Grundsätzlich haben Eltern das Recht auf Nichtwissen. Eine Obduktion darf daher nur mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Eltern durchgeführt werden. Ist allerdings unklar, ob eine natürliche Todesursache vorliegt, kann eine Obduktion auch gerichtlich angeordnet werden.
Ablauf einer Obduktion
Bei einer Obduktion handelt es sich um eine Art Operation nach dem Tode. Dabei werden die Organe untersucht und Gewebsproben und Körperflüssigkeiten für mikroskopische Untersuchungen entnommen. Ist die Obduktion beendet, wird der Körper wieder sorgfältig mit Hautnähten verschlossen. Nach Abschluss der Untersuchungen werden den Eltern die Untersuchungsergebnisse so bald wie möglich mitgeteilt und ausführlich erläutert.
Eltern können auch eine eingeschränkte Untersuchung absprechen, bei der zum Beispiel nur die äußere Erscheinung des Kindes mit Fotos dokumentiert wird, nur Röntgenbilder angefertigt oder kleine Gewebeproben aus der Haut entnommen werden. Es lässt sich auch vereinbaren, dass nur einzelne Organe untersucht werden oder bestimmte Körperpartien, beispielsweise der Kopf, unberührt bleiben sollen.
Würdiger Abschied trotz Obduktion
Eine Obduktion sollte möglichst frühzeitig durchgeführt werden. Dennoch spricht normalerweise nichts dagegen, dass sich die Familie zunächst in aller Ruhe von ihrem Kind verabschiedet.
Nachdem die Untersuchung abgeschlossen ist, wird das tote Kind vom Bestattungsinstitut dort abgeholt, wo die Obduktion stattgefunden hat. Wenn die Familie dem Institut zuvor mitteilt, dass sie das Baby nach der Obduktion noch einmal sehen möchte, wird dafür gesorgt, dass zum Beispiel mögliche Hautnähte durch die Kleidung verdeckt werden.
Auch nach einer Obduktion kann das Kind häufig noch von seinen Angehörigen selbst in den Sarg gelegt und auch zu Hause oder an einem anderen geeigneten Ort verabschiedet werden.

