Ursachen für eine Fehlgeburt oder Totgeburt

Wenn ein Kind in der Schwangerschaft, während oder nach der Geburt stirbt, ist dies meist ein schicksalhaftes Ereignis. In aller Regel hätten es weder seine Eltern noch die medizinischen Fachleute mit größtmöglichem Einsatz verhindern können.

Trauernde Mutter auf einem Kindergräberfeld © BZgA/HN/Schüten

Die Gründe für einen frühen Abschied können sehr unterschiedlich sein: Vielleicht hat ein Paar sein Kind schon in der Frühschwangerschaft verloren, das Kind eines anderen Paares hat seine vorzeitige Geburt nicht überlebt und ist nach einer Woche auf der Intensivstation gestorben. Oder ein Kind ist mit Fehlbildungen zur Welt gekommen, mit denen es nicht weiterleben konnte.

Vielleicht wurde in der 18. Schwangerschaftswoche beim Kind eine Chromosomenstörung festgestellt, und seine Eltern haben sich nach einem schwierigen Entscheidungsprozess im Rahmen einer medizinischen Indikation gegen die Fortsetzung der Schwangerschaft entschieden. Bei einem anderen Kind konnte man nie feststellen, warum sein Herz im Mutterleib kurz vor dem Geburtstermin plötzlich aufgehört hat zu schlagen – obwohl immer alles in Ordnung schien.

Die Geburt eines Kindes, das im Mutterleib gestorben ist, bevor es ein Gewicht von 500 Gramm erreicht hatte, nennt man Fehlgeburt. Der medizinische Begriff dafür heißt „Abort“. Hat die Schwangerschaft noch nicht länger als etwa 24 Wochen bestanden (gerechnet seit Beginn der letzten Regelblutung), ist das Kind normalerweise noch nicht lebensfähig.

In der Frühschwangerschaft

Nicht immer entwickelt sich aus der Verschmelzung einer Ei- und einer Samenzelle ein gesunder kleiner Mensch. Die meisten Fehlgeburten werden durch eine grundlegende Störung bei der Befruchtung oder bei der Einnistung verursacht. Bei Unregelmäßigkeiten im „Bauplan“ des Embryos bricht die Entwicklungsarbeit meist kurzerhand ab. Man vermutet, dass etwa die Hälfte aller Frühschwangerschaften unbemerkt endet, weil der Embryo nicht überlebensfähig gewesen wäre.

Im ersten Schwangerschaftsdrittel, also bis etwa zur neunten Woche nach der Befruchtung, entwickeln sich die Organe des Kindes. Bis zu dieser Zeit wird es Embryo genannt, danach Fötus oder Fetus.  Ab dem dritten Schwangerschaftsmonat übernimmt die Plazenta die Versorgung mit wichtigen Hormonen, die bisher vor allem in den Eierstöcken produziert wurden. Die Schwangerschaft ist in diesem Zeitraum besonders anfällig für Störungen. Wenn das Kind in dieser Zeit stirbt, nennt man das eine Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft (Frühabort).

Manchmal wird das winzige Kind überraschend geboren, begleitet von Blutungen und krampfartigen Schmerzen. Oder es wird bei einer Ultraschall-Untersuchung festgestellt, dass das Herz des Kindes nicht mehr schlägt. Dann wird meist eine Ausschabung (Kürettage) vorgenommen, um den Embryo und die Reste der Plazenta aus der Gebärmutter zu entfernen. Solange keine akuten Probleme vorliegen, kann man sich mit diesem Eingriff meist etwas Zeit lassen. Oft brauchen Schwangere einige Tage, um innerlich Abschied von ihrem Kind zu nehmen.

Im zweiten Schwangerschaftsdrittel

Stirbt das Kind zwischen der zwölften und 22. Schwangerschaftswoche nach Empfängnis, wird dies als späte Fehlgeburt oder Spätabort bezeichnet. Das Kind ist zu diesem Zeitpunkt bereits zu groß für eine Ausschabung.

Die Geburt eines toten Babys wird meist medikamentös mit Hilfe künstlicher Hormone eingeleitet, so dass die Mutter das Kind auf natürlichem Weg zur Welt bringt. Die Geburt kann auch von selbst beginnen: wenn vorzeitige Wehen einsetzen, sich der Muttermund durch eine Schwäche zu früh öffnet, oder durch einen Fruchtblasensprung. Nach der Geburt kann ebenfalls eine Ausschabung unter Narkose erforderlich sein, damit keine Plazentareste in der Gebärmutter zurück bleiben.

Still geboren

Fußabdruck eines verstorbenen Kindes © BZgA/HN/Schüten

Wenn das Kind während der Schwangerschaft oder bei der Geburt stirbt und es mindestens 500 Gramm wiegt, ist es in der Fachsprache ein „Totgeborenes“. Bei 1.000 Geburten kommen ungefähr zwei bis drei Kinder tot zur Welt. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen – im Verhältnis von 52 zu 48 Prozent.

Eine Totgeburt kann verschiedene Ursachen haben:

  • Störungen der Plazenta, die dazu geführt haben, dass das Kind nicht mehr ausreichend versorgt wurde. Möglicherweise ist es zu Durchblutungsstörungen gekommen, oder die Plazenta hat sich vorzeitig von der Gebärmutterwand abgelöst.
  • Infektionen, die das Kind selbst oder auch die Plazenta geschädigt haben. Eine Infektion kann beispielsweise über das Fruchtwasser und die Eihäute übertragen werden, meist durch einen vorzeitigen Fruchtblasensprung.
  • Nabelschnurkomplikationen, die die Versorgung des Kindes behindert haben. Solche Komplikationen sind zum Beispiel ein Nabelschnurknoten oder ein Nabelschnurvorfall. Es kommt auch (selten) vor, dass die Nabelschnur zu straff um den Hals des Kindes liegt.
  • Mangelversorgung mit Sauerstoff, die nicht auf eine Plazentastörung zurückzuführen ist.
  • Fehlbildungen des Kindes.

Die Todesursache lässt sich nicht immer eindeutig feststellen, selbst dann nicht, wenn das Kind nach der Geburt obduziert wird.

Tod nach der Geburt

Manche Kinder sterben während oder kurz nach der Geburt. Dies kann folgende Ursachen haben:

  • Unreife der Lungen, die schwere Atemprobleme nach sich zieht
  • Fehlbildungen, die nicht operiert werden können und die ein Weiterleben nicht zulassen
  • Hirnblutungen
  • Schwere Infektionen und Blutvergiftung (Sepsis)
  • Das Kind ist zu früh geboren und war zu klein, um zu überleben
  • Durch Mangelversorgung im Mutterleib hatte das Kind ein zu geringes Geburtsgewicht

Schwere Entscheidungen

Manchmal stirbt ein Kind nicht schicksalhaft „von selbst“, sondern sein Tod wird durch einen medizinischen Eingriff herbeigeführt. Oder das Kind stirbt, nachdem eine Behandlung abgebrochen wurde, die sich als aussichtslos erwiesen hat.

Solchen Entscheidungen sind meist schwierige Konflikte vorausgegangen. Denn auch nach einer belastenden vorgeburtlichen Diagnose empfinden viele Paare weiterhin eine stille Verbundenheit mit ihrem Kind. Sie bleibt meist auch dann bestehen, wenn sie sich darüber klar geworden sind, dass sie nicht seine Eltern sein können und nach Stellung einer medizinischen Indikation entschieden haben, dass es nicht lebend zur Welt kommen soll.

Manchmal müssen Eltern bei einer Mehrlingsschwangerschaft entscheiden, ob einem oder mehreren Ungeborenen durch einen Fetozid (Tötung) das Leben genommen werden soll. Dabei wird dem betroffenen Fötus Kaliumchlorid ins Herz gespritzt. In der Fachsprache nennt man dies „Mehrlingsreduktion“. Dieser medizinische Eingriff kann notwendig werden, wenn er die Überlebenschancen eines oder mehrerer Kinder erhöht, die andernfalls zusammen nicht überlebensfähig wären.

Wenn ein Kind viel zu früh an der Grenze der Überlebensfähigkeit oder mit schweren Fehlbildungen geboren wurde, ist ihm medizinisch oft nicht mehr zu helfen. Der Verzicht auf das Ausschöpfen aller Behandlungsmöglichkeiten (Maximaltherapie) oder deren Abbruch kann dennoch mit großen inneren Konflikten verbunden sein.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.02.2015