Den Abschied vollziehen

Eine „stille Geburt“ und der frühe Abschied von ihrem Kind werden für die meisten Eltern unvergessen bleiben. Viele fühlen sich dem toten Kind noch lange Zeit verbunden. Den Abschied bewusst zu gestalten, kann helfen, den Verlust begreifbar zu machen und neuen Mut zu fassen.

Lassen die medizinischen Umstände ausreichend Zeit, können die Eltern die Geburt nach ihren Wünschen so weit wie möglich selbst gestalten. Sie können entscheiden, ob das Baby in der Klinik, im Geburtshaus oder zu Hause geboren werden soll, und wen sie bei der Geburt dabei haben möchten. Wenn schon sicher ist, dass das Baby tot geboren wird oder unmittelbar nach der Geburt sterben wird, kann das Paar überlegen, ob es ein Abschiedsritual vorbereiten möchte.

Das sterbende Baby begleiten

Wenn die Eltern bei der vorgeburtlichen Untersuchung erfahren haben, dass ihr Baby außerhalb des Mutterleibs nur sehr geringe Lebensaussichten hat, können sie sich darauf vorbereiten, sein kurzes Leben mit ihm zu teilen. Diese wenigen gemeinsamen Momente oder Stunden sind eine kostbare Zeit.

Schon vor der Geburt können sich die Eltern mit dem Geburtshilfeteam und der Kinderärztin oder dem Kinderarzt darüber verständigen, wie bei der Sterbebegleitung nach der Geburt vorgegangen werden soll. Es ist sinnvoll, dies in den Geburtsunterlagen festzuhalten.

Damit das Kind sterben kann, ohne zu leiden, ist die wichtigste Voraussetzung, dass es Ruhe und Geborgenheit erlebt und nicht gestört oder erschreckt wird. So kann das Baby die beruhigende, liebevolle Wärme und Nähe seiner Eltern spüren. Vielleicht kann es sogar ein wenig Muttermilch trinken. Falls es nötig ist, kann die Ärztin oder der Arzt dem Kind mit Schmerzmitteln oder Atemunterstützung helfen.

Dem toten Baby begegnen

Gipsmaske eines verstorbenen Frühgeborenen © BZgA/Carolin Schüten

Wenn ihr Baby tot zur Welt gekommen ist, brauchen die Eltern vielleicht einige Zeit, bis sie sich für die Begegnung mit ihm öffnen können und es in den Arm nehmen möchten. Viele Eltern haben zuvor noch nie einen toten Menschen gesehen. Sie haben möglicherweise Angst davor, wie ihr Kind aussehen wird, und fühlen sich überfordert. Die Geburtshelferinnen und -helfer stehen ihnen in diesem Moment zur Seite und werden das Kind mit ihnen gemeinsam betrachten, wenn sie dafür bereit sind. Hat es die Eltern innerlich erreicht, dass ihr Kind keine Überlebenschance hatte, erfahren sie bei dieser Begegnung neben allem Kummer vielleicht auch Momente von Glück. Sie können sehen, wer ihr Kind ist. Wenn sie ihm noch keinen Namen gegeben haben, tun sie es möglicherweise in diesem Moment. Vielleicht entdecken sie seine ganz eigene Schönheit und empfinden es trotz allem als Wunder und Bereicherung, dass es sich so weit entwickelt hat und dass sie seinen Weg mit ihm gegangen sind.

Im Wochenbett

Nach der Geburt kehrt allmählich Ruhe ein, und doch wird der Verlust oft erst jetzt in seinem ganzen Ausmaß spürbar. Der leere Bauch, dem die Spuren der Schwangerschaft noch anzusehen sind, macht die Abwesenheit des Babys schmerzlich klar. Eine unterstützende, einfühlsame Betreuung im Wochenbett ist besonders wichtig, denn diese Zeit ist der Beginn einer vielleicht längeren Trauerzeit.

Wenn die Mutter die Schwangerschaft und Geburt gesund überstanden hat, kann sie wählen, ob sie die Rundum-Betreuung der Klinik weiter in Anspruch nehmen möchte. Dies ist gerade nach einer Operation oft sinnvoll. Manche Eltern ziehen die Ruhe und Intimität in den eigenen vier Wänden vor. Dort sind sie in ihrer Trauer ungestört, können ihr verstorbenes Kind noch eine kurze Zeit in der vertrauten Umgebung bei sich haben und nach ihren Vorstellungen verabschieden.

Wenn das schwerkranke, nicht lange überlebensfähige Kind in eine Kinderklinik verlegt wurde, sollte die Mutter darauf achten, dass sie sich körperlich nicht verausgabt - insbesondere wenn sie einen Kaiserschnitt hinter sich hat. Will sie möglichst viel Zeit bei ihrem Kind verbringen, sollten sie und ihr Partner darauf dringen, dass sie in der Nähe des Babys die Möglichkeit hat, sich hinzulegen. Am besten ist ein eigenes Bett neben dem des Kindes.

Betreuung durch die Hebamme

Wenn die Mutter aus der Klinik nach Hause entlassen wurde, ist die Betreuung durch eine Hebamme im Wochenbett sehr hilfreich. In den ersten zehn Tagen nach der Geburt macht die Hebamme täglich einen Hausbesuch. Wenn nötig, kommt sie auch mehrmals am Tag, oder über mehrere Wochen hinweg. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Eine Hebamme kann die Eltern durch die erste Zeit des Abschieds begleiten. Sie begleitet auch die körperlichen Veränderungen, Rückbildungs- und Heilungsvorgänge nach der Geburt. Bis sich der Körper erholt hat, dauert es mindestens sechs bis acht Wochen. Möchte die Mutter nach einigen Wochen nicht an einem Rückbildungskurs mit anderen, glücklichen Müttern teilnehmen, kann die Hebamme auch Einzelsitzungen anbieten oder vermitteln.

Abstillen als Teil des Abschieds

Der Tod des Babys wird besonders deutlich, wenn die Muttermilch nicht gebraucht wird. Direkt nach der Geburt wird erst wenig Milch gebildet, normalerweise kommt die Milchbildung erst am dritten Tag richtig in Gang. Dies ist auch bei einer stillen Geburt so, oder wenn das Kind kurz nach der Geburt gestorben ist. Häufig wird den Müttern vorgeschlagen, die Milchbildung medikamentös zu unterbinden. Das kann jedoch mit Nebenwirkungen verbunden sein und funktioniert nicht immer zuverlässig.

Die Alternative ist das natürliche Abstillen, mit Hilfe von kühlenden Umschlägen und dem Hochbinden der Brüste. Dabei kann die Hebamme Rat und Unterstützung anbieten. Eine Mutter hat zwar ein paar Tage damit zu tun. Wenn die Muttermilch aber nicht abgepumpt wird, stellen sich die Brüste schnell auf die ausbleibenden Signale ein und die Milchbildung wird eingestellt.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 28.01.2010