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Die "Pille danach"

Zwei Präparate der "Pille danach"

Nach einer Verhütungspanne kann die "Pille danach" eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Sie steht nur für den Notfall und nicht als regelmäßig anzuwendendes Verhütungsmittel zur Verfügung. Das Hormonpräparat muss ärztlich verschrieben werden.


  

Die Wirkung

Es gibt verschiedene Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen. Zwei Produkte sind schon seit einigen Jahren auf dem Markt. Sie enthalten den Wirkstoff Levonorgestrel, der zu den gestagenartigen Hormonen gehört. Ein drittes Mittel ist seit 2009 im Handel. Es basiert auf dem Wirkstoff Ulipristalacetat.

Beide Wirkstoffe unterdrücken oder verzögern den Eisprung. Sie verhindern dadurch eine Befruchtung, wenn der Geschlechtsverkehr vor dem Eisprung stattgefunden hat. Zur Zeit des Eisprungs ist die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung am höchsten. Ob die Wirkstoffe auch den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut beeinflussen und damit die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindern, ist nicht erwiesen.

Hat sich die Eizelle bereits in die Gebärmutter eingenistet, wirkt die "Pille danach" nicht mehr. Wenn die Frau bereits schwanger ist, führt die "Pille danach" daher nicht zum Abbruch der Schwangerschaft.

 

Die Anwendung

Es werden je nach Präparat entweder einmalig eine oder zwei Tabletten eingenommen. Die Einnahme sollte so schnell wie möglich erfolgen, am besten innerhalb von zwölf Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Die beiden Mittel mit dem Wirkstoff Levonorgestrel müssen spätestens 72 Stunden (drei Tage) danach, das Mittel mit dem Wirkstoff Ulipristal spätestens 120 Stunden (fünf Tage) danach eingenommen werden.

Vor der Einnahme der "Pille danach" ist es wichtig, eine Kleinigkeit (ein halbes Butterbrot oder Ähnliches) zu essen. Bei leerem Magen besteht sonst die Gefahr, dass die Pillen erbrochen werden. Falls dies in den ersten drei Stunden nach der Einnahme der Pille(n) der Fall sein sollte, müssen sofort je nach Präparat eine oder zwei neue Tabletten nachgenommen werden, damit die Wirksamkeit erhalten bleibt.

Die "Pille danach" ist kein Verhütungsmittel! Es muss daher für den Rest des Zyklus zusätzlich verhütet werden, zum Beispiel mit Kondom oder anderen Barrieremethoden.

Falls mit der Pille verhütet wird und ein Einnahmefehler zur Anwendung der "Pille danach" führte, wird im Allgemeinen empfohlen, nach Einnahme der "Pille danach" mit der herkömmlichen Pille auszusetzen und die nächste Monatsblutung abzuwarten. Ab dem ersten Blutungstag kann wieder ganz normal mit der Pille verhütet werden. Für die Zwischenzeit ist es ratsam, nicht-hormonelle Verhütungsmittel zu benutzen, zum Beispiel Kondome.

 

Die Sicherheit

Die "Pille danach" verhindert mit hoher Wahrscheinlichkeit eine mögliche Schwangerschaft. Je mehr Zeit seit dem Geschlechtsverkehr vergangen ist, desto mehr nimmt jedoch ihre Wirksamkeit ab. Sie beträgt 95 Prozent bei Einnahme innerhalb von 24 Stunden, 85 Prozent innerhalb von 24 bis 48 Stunden und 58 Prozent innerhalb von 48 bis 72 Stunden. Bei dem Wirkstoff Ulipristal beträgt sie in der Zeitspanne von 48 bis 120 Stunden noch etwa 60 Prozent.

Die Wirksamkeit der "Pille danach" kann bei gleichzeitiger Einnahme von Mitteln gegen Epilepsie und Arzneimitteln mit Johanniskraut herabgesetzt sein. Bei der Einnahme bestimmter Antibiotika, Antidepressiva und von Arzneien gegen eine HIV-Infektion ist Vorsicht geboten. Bei schweren Leberfunktionsstörungen wird die Anwendung der "Pille danach" nicht empfohlen. Auch bei schwerem Asthma sollte die Einnahme ärztlich abgeklärt werden.

 

Die Vorteile

Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder einer Verhütungspanne ist die "Pille danach" eine Möglichkeit, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Die Methode ist nicht mit einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch zu verwechseln.

 

Die Nachteile

Als unerwünschte Wirkungen können Blutungsunregelmäßigkeiten (Zwischen- oder Schmierblutungen, verspätete Menstruation), Übelkeit, Schmerzen im Unterbauch, Schwindel, Kopfschmerzen und Erbrechen auftreten.

Die "Pille danach" ist aus medizinischen Gründen nicht als reguläres Verhütungsmittel geeignet. Ihre Sicherheit ist zudem nicht mit der von anderen hormonellen Verhütungsmitteln zu vergleichen. Da ausgeprägte Blutungsstörungen auftreten können, sollte die "Pille danach" nicht mehrmals hintereinander in kurzen Abständen angewandt werden.

Frauen mit einem Risiko für Eileiterentzündungen, Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften müssen mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt klären, ob die "Pille danach" als Notfallverhütung für sie in Frage kommt.

 

Schnell handeln

Da die „Pille danach“ verschreibungspflichtig ist, muss nach einer Verhütungspanne möglichst schnell eine Frauenärztin, ein Frauenarzt oder eine Beratungsstelle aufgesucht werden. Am Wochenende oder an Feiertagen stehen auch Notdienste oder die (frauen)ärztliche Ambulanz einer Klinik zur Verfügung. Dort kann man sich auch zu Verhütungsmethoden beraten lassen, um zukünftige "Pannen" zu vermeiden.

 

"Pille danach" und Schwangerschaft

Nach Einnahme der "Pille danach" tritt die Monatsblutung meistens in normaler Stärke zum erwarteten Zeitpunkt ein. Bei der neuen „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Ulipristal verzögert sie sich bei rund 20 Prozent der Anwenderinnen um mehr als sieben Tage. Tritt die Periode nicht innerhalb von drei Wochen nach der Einnahme ein, sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.

 

"Pille danach" und Stillen

Für die Stillzeit gibt es je nach Präparat unterschiedliche Empfehlungen: Da das Hormon Levonorgestrel kaum in die Muttermilch übertritt, reicht es als Vorsichtmaßnahme, diese "Pille danach" unmittelbar nach dem Stillen einzunehmen und mindestens sechs Stunden danach nicht zu stillen. Bei einer Einnahme der "Pille danach" mit dem Wirkstoff Ulipristal sollte das Stillen für mindesten 36 Stunden unterbrochen werden.

 

Die Kosten

Die "Pille danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kostet zwischen 16 und 18 Euro, mit dem Wirkstoff Ulipristal rund 35 Euro. Bei gesetzlich versicherten Frauen unter 18 Jahren übernimmt die Krankenkasse die Kosten komplett. Vom 18. bis zum 20. Geburtstag fallen die Rezeptgebühr und gegebenenfalls noch eine Zuzahlung bei Pillen an, deren Apothekenverkaufspreis über dem von den Kassen erstatteten Betrag liegt.

 

Infotelefon pro familia

Das Infotelefon von pro familia bietet zuverlässige Informationen über die "Pille danach" in vier Sprachen (Türkisch, Russisch, Englisch, Deutsch). Dieser Service der pro familia besteht aus einer automatischen Ansage rund um die Uhr unter der Nummer 0 18 05 / 77 63 26 (14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz).

 

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Häufig gestellte Fragen

Darf eine Ärztin oder ein Arzt die Verschreibung der "Pille danach" aus Gewissensgründen ablehnen?

Auch wenn die Einnahme der "Pille danach" kein Schwangerschaftsabbruch ist: Ärztinnen und Ärzte können die Verschreibung des Präparats aus Gewissensgründen verweigern. Denn ihre Entscheidung, an der Einnahme „mitzuwirken“, unterliegt der Gewissensfreiheit nach Artikel 4 des Grundgesetzes. Dies wurde durch ein Urteil des Landgerichts Frankfurt im Jahre 2001 bestätigt. Diese Gewissensfreiheit ist lediglich in einem medizinischen Notfall eingeschränkt. Er liegt nur vor, wenn eine Schwangerschaft das Leben oder die Gesundheit der betroffenen Frau gefährden könnte.

Es kommt selten vor, dass Arztpraxen oder Apotheken sich weigern, die "Pille danach" zu verschreiben oder auszugeben. In einem solchen Fall ist es am besten, sich so schnell wie möglich an eine andere Stelle zu wenden. Jede Frau hat ein Recht darauf, die "Pille danach" so früh wie möglich einnehmen zu können.

Kann ich die "Pille danach" auch einnehmen, wenn ich noch stille?

Für die Stillzeit gibt es je nach Präparat unterschiedliche Empfehlungen: Da das Hormon Levonorgestrel kaum in die Muttermilch übertritt, reicht es bei einer „Pille danach“ mit diesem Wirkstoff als Vorsichtsmaßnahme, sie unmittelbar nach dem Stillen einzunehmen und mindestens sechs Stunden danach nicht zu stillen. Bei einer Einnahme der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Ulipristal sollte das Stillen für mindestens 36 Stunden unterbrochen werden.

Woran erkenne ich, dass die "Pille danach" wirkt?

Die Wirkung der "Pille danach" ist nicht spürbar. In den meisten Fällen gibt es auch keine unangenehmen Begleiterscheinungen wie Übelkeit mit Erbrechen, Kopfschmerzen oder Unterleibskrämpfe. Doch das bedeutet keineswegs, dass die "Pille danach" nicht wirkt.

Die nächste Menstruation sollte spätestens drei Wochen nach der Einnahme eintreten. Andernfalls ist es ratsam, einen Schwangerschaftstest zu machen und eine gynäkologische Praxis aufzusuchen.

Die Wirksamkeit der "Pille danach" erhöht sich nicht, wenn die Pillen aus zwei Packungen auf einmal genommen werden. Vielmehr besteht dann die Gefahr einer Überdosierung.

Brauchen Minderjährige die Zustimmung ihrer Eltern, um die Pille danach zu bekommen?

Wie bei der herkömmlichen Pille benötigen Mädchen unter 14 Jahren aus rechtlichen Gründen auch bei der "Pille danach" die Zustimmung ihrer Eltern. Ab 14 Jahren liegt es im Ermessen der Ärztin oder des Arztes, ein Rezept auszustellen. Sechzehn- und Siebzehnjährige haben im Allgemeinen keine Probleme, ein Rezept für die "Pille danach" zu erhalten.

Was ist die "Spirale danach"?

Bis zu fünf Tage nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr besteht die Möglichkeit, die Einnistung eines befruchteten Eis mithilfe einer Kupferspirale zu verhindern. Die Spirale muss von einer Ärztin oder einem Arzt gelegt werden. Als Notfallmaßnahme ist sie normalerweise nur dann sinnvoll, wenn die Frau weiterhin mit der Spirale verhüten möchte.

 

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