Stress ausgleichen, Frühgeburt vorbeugen

Starke seelische Belastungen, übermäßiger Stress und Ängste können das Risiko einer Frühgeburt erhöhen. Doch nicht jede Aufregung in der Schwangerschaft ist schädlich fürs Kind. Ein gewisses Maß an Stress lässt sich im Alltag kaum vermeiden und schadet dem Ungeborenen auch nicht.

Insgesamt ist es für die Entwicklung des Kindes sehr wichtig, unter welchen äußeren Umständen eine Schwangerschaft verläuft und wie sich die Schwangere fühlt. Es macht einen Unterschied, ob sie in einer schwierigen Zeit mit vielfältigen Belastungen Mutter wird, oder ob sie ihre Schwangerschaft entspannt und glücklich genießen kann.

Nicht alle Probleme von außen lassen sich einfach beheben oder ausblenden – aber oft finden sich Möglichkeiten, Belastungen auszugleichen und ihre Auswirkungen zu verringern. Das Ungeborene bekommt im Bauch der Mutter wahrscheinlich viel mehr von ihrer Stimmungslage mit als häufig angenommen. Ob Glücksgefühle, Zufriedenheit, Traurigkeit, Anspannung oder Angst: Seelische Zustände beeinflussen körperliche Vorgänge und damit auch das Ungeborene auf vielfältige Weise.

Wenn sich zum Beispiel der Blutdruck oder der Herzschlag der Schwangeren erhöht, werden vermehrt Hormone oder Adrenalin ausgeschüttet, die das Baby über die Nabelschnur aufnimmt. Beschleunigt sich der Herzschlag der Mutter etwa durch Stress, beschleunigt sich auch der des Kindes nur kurze Zeit später.

Vom Umgang mit Stress

Zeitnot und Überlastung im Beruf, finanzielle Sorgen, hektischer Familienalltag, Ärger in der Partnerschaft – solche häufigen Stressfaktoren lassen sich auch während der Schwangerschaft nicht immer vermeiden. Wichtig ist, die Auslöser für belastenden Stress im eigenen Alltag bewusst wahrzunehmen und gegenzusteuern. Dazu gehört, Forderungen und Ansprüche – ob vom Arbeitgeber, von der Familie, vom Partner – auch einmal abzulehnen und sich den eigenen Tagesrhythmus weniger von außen vorgeben zu lassen.

Es ist wichtig, sich zu fragen: Wann ist meine Belastungsgrenze erreicht? Was kann ich ändern? Wie kann ich stärker meine Rechte einfordern? Wo kann ich Hilfe und Entlastung bekommen, ob im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung? Welche Dinge kann ich anders organisieren oder aufschieben? Ist es wirklich nötig, Anstrengendes wie zum Beispiel einen Umzug oder die Renovierung der Wohnung während der Schwangerschaft zu erledigen?

Bewusst eingeplante Pausen im Alltag verhelfen zu einem ruhigeren Tagesablauf, sei es ein kurzes Nickerchen am Nachmittag, ein Spaziergang oder ein entspannendes Bad. Es tut der Seele wie dem Körper gut, sich kleine Auszeiten zu nehmen, in denen es möglich ist, ungestört zu entspannen, in sich hineinzuhören und mit dem Kind Kontakt aufzunehmen.

Signale ernst nehmen

Nicht jede Aufregung, Sorge oder Anforderung in der Schwangerschaft belastet das Ungeborene. Die ganz normalen Schwankungen zwischen Anspannung (dazu gehört auch ein gewisses Maß an „positivem Stress“) und Entspannung im täglichen Leben tragen dazu bei, dass sich das Kind gut entwickelt. Auch eine gewisse Ängstlichkeit und Vorsicht in der Schwangerschaft sind völlig normal und schützen die werdende Mutter und das Kind vor vermeidbaren Gefahren.

Um einem Risiko für die Schwangerschaft vorzubeugen, ist es jedoch wichtig, auf Signale von Unwohlsein und Überlastung zu achten und sie ernst zu nehmen. Nicht nur Schmerzen oder vorzeitige Wehen sind ein Grund, sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen oder mit einer Hebamme zu sprechen. Auch bei einem allgemeinen Gefühl des Unwohlseins – oft ein unbestimmtes „Bauchgefühl“ – ist fachlicher Rat nötig. Meist sind solche Befindlichkeitsstörungen harmlos. Trotzdem ist es wichtig, sie abklären zu lassen, um ein ernsthafteres Problem oder eine Gefährdung des Ungeborenen auszuschließen.

Rat und Hilfen

Das Gefühl, ohnmächtig zu sein und seine Lebensumstände kaum selbst bestimmen zu können, gehört zu den besonders belastenden Stressfaktoren. Bei Gefühlen der Hilflosigkeit oder Resignation reicht es meist nicht aus, sich selbst weniger Pflichten und mehr freie Zeiten zu verordnen. Dann ist es besser, Unterstützung durch Fachkräfte in Anspruch zu nehmen. Es ist nachgewiesen, dass professionelle Beratung in der Schwangerschaft tatsächlich Fehl- und Frühgeburten verhindern kann. Rat und Hilfe geben zum Beispiel Schwangerschaftsberatungsstellen, Ärztinnen, Ärzte und Hebammen. In einer psychosozialen Beratung können Ohnmachts- und Überlastungsgefühle ebenso angesprochen werden wie Partnerschaftskonflikte oder Geldsorgen.

In belastenden Situationen können auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder sanfte, meditative Bewegungsübungen wie Yoga oder Tai Chi helfen, innere Ruhe und Ausgeglichenheit wieder herzustellen.

Wenn sich starke Angst vor der Geburt zu einem Stressfaktor entwickelt, ist eine Beratung durch die Ärztin, den Arzt oder die Hebamme sinnvoll. Auch der Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses kann hilfreich sein. Neben vielen nützlichen Informationen und praktischen Tipps erfahren Schwangere hier auch, wie sie mit Ängsten vor der Geburt und der Zeit danach umgehen können. Die frühzeitige Betreuung durch eine Hebamme schafft ebenfalls Sicherheit und kann helfen, eine Frühgeburt zu vermeiden.

Bei vorhandenen Risiken für eine Frühgeburt – zum Beispiel vorzeitige Wehen oder eine vorangegangene Frühgeburt – ist es zudem möglich, sich von einer Haushaltshilfe unterstützen lassen. Die Kosten hierfür übernimmt die Krankenkasse, wenn ein ärztliches Attest vorliegt.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 28.05.2014