Risikofaktoren für die Fruchtbarkeit

Ein Kind zeugen, schwanger werden: Was so einfach und natürlich erscheint, kann durch viele Faktoren erschwert werden. Damit die eigene Fruchtbarkeit möglichst erhalten bleibt, lohnt es sich, auf vermeidbare Risiken zu achten.

Körper und Seele sind ein Leben lang vielfältigen gesundheitsgefährdenden Einflüssen ausgesetzt, die auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Dazu zählen vor allem Umwelt- und Genussgifte und verschiedene Allgemeinerkrankungen, die selbst oder deren medikamentöse Behandlung den Hormonhaushalt durcheinander bringen. Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle.

Ob und in welchem Maß äußere Faktoren die Fruchtbarkeit einer Frau oder eines Mannes mindern, lässt sich im Einzelfall oft nicht mit Sicherheit klären. Zumal manche Menschen sehr ungesund leben und trotzdem fruchtbar sind, während andere auf ihre Gesundheit achten und dennoch mit einer Einschränkung ihrer Fruchtbarkeit konfrontiert werden.

Oft ist eine Summe verschiedener Faktoren für Fruchtbarkeitsstörungen ausschlaggebend. Ist die Fruchtbarkeit eines Menschen bereits aus anderen Gründen vermindert, können äußere Einflüsse zur vollständigen Unfruchtbarkeit führen. Umgekehrt kann sich eine eingeschränkte Fruchtbarkeit durch die Vermeidung bestimmter Belastungen unter Umständen verbessern.

Rauchen

Hand hält eine Zigarette © BZgA/HN/Eichhöfer

Rauchen vermindert nachweislich die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern, verringert die Erfolgschancen von Fruchtbarkeits-Behandlungen und schadet bei Eintreten einer Schwangerschaft dem ungeborenen Kind.

Die schädigende Wirkung verschiedener Inhaltsstoffe von Zigarettenrauch ist gut dokumentiert. Bei Frauen wirkt sich Rauchen vor allem auf die Eierstockfunktionen und den für die Eizellreifung verantwortlichen Hormonkreislauf aus. Raucherinnen neigen im Vergleich zu Nichtraucherinnen außerdem vermehrt zu Frühgeburten, ihre Kinder haben ein höheres Risiko, unreif zur Welt zu kommen.

Insgesamt geht man davon aus, dass ein täglicher Konsum von 20 Zigaretten die Wartezeit auf eine erwünschte Schwangerschaft im Vergleich zu Nichtraucherinnen verdoppelt. Vor diesem Hintergrund sinken auch die Erfolgschancen von Raucherinnen bei künstlichen Befruchtungen. Damit verbunden sind durchschnittlich längere und höher dosierte hormonelle Behandlungen, während es zu deutlich weniger Schwangerschaften und Lebendgeburten kommt.

Rauchende Männer produzieren im Vergleich zu Nichtrauchern durchschnittlich weniger Spermien. In ihrer Samenflüssigkeit finden sich außerdem häufiger erhöhte Werte von Cadmium und Blei und eine verminderte Konzentration von Abwehrstoffen wie Vitamin C. Nicht zuletzt lassen sich bei Spermien von Rauchern vermehrt Genschäden feststellen. Wie bei rauchenden Frauen sind die Erfolgschancen von Rauchern bei einer künstlichen Befruchtung deutlich vermindert. Das gilt insbesondere, wenn beide Partner rauchen.

Alkohol- und Drogenkonsum

Ab welcher Schwelle Alkoholkonsum die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt, ist nicht bekannt. Ab und zu Alkohol zu trinken, hat wahrscheinlich keine starken Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Größere Mengen des Zellgifts Alkohol schädigen jedoch nachweislich die allgemeine Gesundheit und somit auch die weiblichen wie die männlichen Fortpflanzungsorgane. Auch Drogen wie Cannabis und LSD stehen im Verdacht, die Fruchtbarkeit vermindern zu können, weil sie den Hormonhaushalt verändern.

Umwelt-Schadstoffe

Schadstoffe in der Umwelt wie Blei, Cadmium oder Quecksilber können ebenfalls die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Vor allem eine hohe Bleibelastung kann zu einer Störung der Hodenfunktionen beitragen. Hat man mit solchen Substanzen im Berufsalltag zu tun, kann ein Bluttest darüber Aufschluss geben, wie hoch die eigene Belastung ist.

Insgesamt kommt die Forschung im Hinblick auf mögliche Fruchtbarkeitsstörungen durch Umweltgifte etwa an industriellen Arbeitsplätzen zu widersprüchlichen Aussagen. Oft lässt sich nicht ermitteln, welcher der meist vielfältigen Einflüsse (Metalldämpfe, Hitze, elektromagnetische Felder etc.) fruchtbarkeitsschädigend ist.

Unklar ist auch die Rolle von Pestiziden, chlororganischen Verbindungen oder radioaktiver Strahlung. Obwohl die schädigende Wirkung auf den menschlichen Körper ab einem bestimmten Maß unbestritten ist, lässt sich der unmittelbare Einfluss auf die Fruchtbarkeit für den Einzelnen nur selten nachweisen. Trotzdem sollten bei einer ausbleibenden Schwangerschaft immer auch die Bedingungen am Arbeitsplatz beider Partner mitbedacht werden.

Allgemeinerkrankungen

Auch Funktionsstörungen der Schilddrüse, Niere oder Leber, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, eine Endometriose und auch eine Krebserkrankung können die Fruchtbarkeit herabsetzen, indem sie den Hormonhaushalt oder Organfunktionen verändern. Bei einer medizinischen Behandlung dieser Erkrankungen sollte daher ein bestehender Kinderwunsch immer so weit wie möglich berücksichtigt werden.

Medikamente

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Ärztin oder den Arzt ansprechen, ob die Mittel die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können und ob für die Zeit des Kinderwunsches andere Präparate infrage kommen. Manche Medikamente beispielsweise gegen Bluthochdruck, Depressionen oder Tumorerkrankungen haben einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

Übergewicht und Untergewicht

Stark übergewichtige Frauen haben aufgrund eines hormonellen Ungleichgewichts häufig Zyklusstörungen. Bei übergewichtigen Männern weisen Studien auf das erhöhte Risiko einer gestörten Hodenfunktion und einer verminderten Spermienproduktion hin.

Bei untergewichtigen Frauen kommt es vor, dass sie keinen Eisprung haben und die Monatsblutungen ausbleiben. Vergleichbares gilt für untergewichtige Männer, deren Hodenfunktion eingeschränkt sein kann. Gelingt es stark über- oder untergewichtigen Frauen und Männern, ab- oder zuzunehmen, normalisiert sich meist auch ihr Hormonhaushalt wieder. Ärztinnen und Ärzte sowie Beratungsstellen, die auf Essstörungen spezialisiert sind, bieten bei Gewichtsproblemen Unterstützung an.

Starke körperliche Belastungen

Extreme sportliche Anstrengungen und schwere körperliche Arbeit, auch häufige Nachtschichten und Schlafmangel können bei Frauen und Männern den Hormonhaushalt durcheinander bringen.

Frauen reagieren häufig auf starke körperliche Belastungen mit Zyklusstörungen, etwa Leistungssportlerinnen, die besonders hart für einen Wettkampf trainieren. Tritt eine erwünschte Schwangerschaft nicht ein, kann es einen positiven Effekt haben, eine Zeitlang auf intensives Training zu verzichten. Maßvoller regelmäßiger Sport hält den Körper dagegen fit und wirkt sich somit auch günstig auf die Fruchtbarkeit aus.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14.01.2015