. .
 
 

Warten auf eine Schwangerschaft

Viele Menschen sind überrascht, wenn eine geplante und erhoffte Schwangerschaft auf sich warten lässt. Besonders Frauen fällt es dann häufig schwer, die nötige Geduld und Gelassenheit aufzubringen. Am besten ist es, eine eigene Methode zu entwickeln, um die Wartezeit besser zu überstehen.


  

Wartezeiten gehören dazu

Im Lauf des Lebens verändert sich die Fruchtbarkeit von Mann und Frau. Durchschnittlich bekommen Frauen und Männer ihre Kinder in einem höheren Alter als früher und zunehmend mehr Paare machen daher die Erfahrung, dass es mit dem Schwangerwerden nicht auf Anhieb klappt.

Beruhigen kann dabei vielleicht das Wissen, dass eine Empfängnis nur an wenigen Tagen im Monat möglich ist. Insofern kann es seine Zeit dauern, bis eine Frau schwanger wird. Trotz der verständlichen Sorge, wenn die gewünschte Schwangerschaft auf sich warten lässt, ist es wichtig, sich selbst und den Partner oder die Partnerin nicht unter Druck zu setzen und sich weitere Schritte gut zu überlegen.Die Wartezeit kann vielleicht auch als körperliche und seelische Vorbereitungszeit auf die Schwangerschaft genutzt werden, indem man sich zum Beispiel mehr um seine eigene Fitness und das gemeinsame Wohlergehen als Paar kümmert. Wäre nicht jetzt der richtige Zeitpunkt, sich endlich das Rauchen abzugewöhnen oder ein Entspannungsverfahren zu erlernen? Vielleicht lockt auch eine Reise zu einem Urlaubsziel, die man sich gönnen möchte, bevor ein Kind unterwegs ist.

Es kann auch sinnvoll sein, stärker auf die zyklischen Veränderungen im Körper der Frau zu achten und sich mit den Zeichen für die fruchtbare Zeit zu beschäftigen. Eine Empfängnis wird wahrscheinlicher, wenn ein Paar regelmäßig Geschlechtsverkehr hat und dabei die fruchtbaren Tage der Frau bewusst "nutzt". Dabei sollten jedoch die Lust und die Freude am Sex im Vordergrund stehen. Geplanter Geschlechtsverkehr kann zu Störungen in der sexuellen Beziehung führen.

 

Welchen Einfluss das Alter der Eltern hat

Zu den wichtigsten Einflüssen auf die Fruchtbarkeit gehört das Alter der Frau, denn grundsätzlich werden jüngere Frauen (besonders zwischen 20und 30 Jahren) schneller schwanger als ältere Frauen. Eine 35-jährige Frau hat unter Umständen nicht mehr in jedem Zyklus einen Eisprung, da die Hormonproduktion abzunehmen beginnt. Das Alter des Mannes spielt eine nicht ganz so große Rolle, wobei auch bei Männern ab 40 Jahren eine Abnahme der Fruchtbarkeit beobachtet wurde. Diese Entwicklung ist grundsätzlich ein ganz natürlicher Vorgang, der individuell wiederum sehr verschieden sein kann. Grundsätzlich gilt jedoch, dass ein Paar, das seinen Kinderwunsch erst mit Ende Dreißig verwirklichen will, sich auf eine längere Wartezeit einrichten sollte.

 

Welche Einflüsse neben dem Alter noch eine Rolle spielen

Ungesunder Stress, der sich etwa in Erschöpfungszuständen und Nervosität äußert, kann zur Abnahme sexueller Lust und zur Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit führen. Auch Rauchen vermindert nachweislich die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern und schadet bei Eintreten einer Schwangerschaft dem Ungeborenen.

Ist eine Schwangerschaft geplant, sollten Paare deshalb auch auf ihre Gesundheit achten und ihre Lebensweise überdenken: So ist eine gesunde Ernährung, die den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt, ein guter Schritt, für den eigenen Körper und die eigene Fruchtbarkeit zu sorgen. Kaffee, schwarzer Tee und Alkohol können - im Übermaß genossen – schädlich sein. Nikotin schadet dem Körper, der Fortpflanzungsfähigkeit und dem Ungeborenen. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte die Ärztin oder der Arzt angesprochen werden, inwieweit die Fruchtbarkeit davon beeinflusst werden kann. Schwermetalle wie Blei, Cadmium oder Quecksilber können der Fruchtbarkeit schaden, so dass bei starker Belastung mit diesen Substanzen - zum Beispiel durch den Beruf – ein Test ratsam wäre. Bei Männern ist zu bedenken, dass eine ständige oder sehr häufige Überhitzung der Hoden die Zeugungsfähigkeit mindern kann (zum Beispiel sehr heiße Bäder, sehr enge Jeans). Die Fortpflanzungsfähigkeit von Frauen kann durch starkes Über- oder Untergewicht eingeschränkt sein.

 

Was man selbst für die Fruchtbarkeit tun kann

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Methoden, die dem Stressabbau dienen, und die man in Kursen erlernen oder in der Gruppe regelmäßig betreiben kann. Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training wurden entwickelt und sind erprobt, bei regelmäßiger Übung eine deutliche Entspannung bewirken zu können. Auch Yoga ist für viele Menschen hilfreich, um den eigenen Körper besser kennen zu lernen und Stress abzubauen. Generell ist Bewegung, zum Beispiel maßvoll betriebener Ausdauersport, unterstützend, um Anspannung abzubauen und die körperlichen Funktionen zu regulieren. Förderlich ist in jedem Falle eine ausgewogene Ernährung, die dem Körper alle nötigen Nährstoffe bietet.

Hilfreich ist es, die Fruchtbarkeitsvorgänge im weiblichen Körper besser kennen zu lernen, um durch die Beobachtung von Körperzeichen selbst feststellen zu können, zu welchem Zeitpunkt eine Empfängnis besonders wahrscheinlich ist.

 

Wann die "normale" Wartezeit überschritten ist

Je nach dem Alter der Frau gilt in der Regel eine Wartezeit von einem bis zu zwei Jahren als "normal". Sollte sich trotz regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehrs in diesem Zeitraum keine Schwangerschaft einstellen, könnte bei der Frau, dem Mann oder beiden Partnern eine Fruchtbarkeitsstörung vorliegen. In solch einem Fall ist es sinnvoll, zusammen mit einer Ärztin oder einem Arzt nach Ursachen für die ausbleibende Schwangerschaft zu suchen.

Gibt es in der medizinischen Vorgeschichte der Frau oder des Mannes Anhaltspunkte für Fruchtbarkeitsstörungen oder eine Schädigung der Fortpflanzungsorgane, ist es ratsam, schon zeitiger ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 

weiterführende Informationen

 

Publikationen zum Thema

Freundl Günter; Gnoth, Christian; Frank-Herrmann, Petra
München 2001 | Preis: 16,90 €
 

Häufig gestellte Fragen

Wieweit spielt das Alter des Mannes bei unerfülltem Kinderwunsch eine Rolle?

Viele Männer sind auch in höherem Alter noch zeugungsfähig. Dennoch wird auch die Fruchtbarkeit des Mannes, wie die der Frau, durch Alterungsprozesse beeinflusst. Hierbei ist zu beobachten, dass die Hodenfunktion eingeschränkt ist, der Hormonspiegel abnimmt, eine Verringerung der Spermienbildung vorliegt und die Beweglichkeit der Spermien nachlässt.

Tragen die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung, dann nur noch bis zum 50. Lebensjahr des Mannes.

Wann sollte ein Paar mit Kinderwunsch zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen?

Hat ein Paar regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr und tritt nach einem Jahr oder länger keine Schwangerschaft ein, sollten Frau und Mann sich von einer Ärztin oder einem Arzt beraten lassen.

Gibt es jedoch konkrete Anhaltspunkte für eine Schädigung der Fortpflanzungsorgane, wie zum Beispiel eine vorausgegangene Eileiterschwangerschaft, eine Chlamydieninfektion oder eine Operation an den Hoden, ist es ratsam, gleich ärztliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Woran liegt es, wenn ein Paar länger auf eine Schwangerschaft warten muss?

Viele Menschen erwarten, dass eine Schwangerschaft sofort eintritt, wenn sie nicht verhüten. Die Fortpflanzung ist aber ein sehr komplexes Geschehen und erfordert manchmal etwas Geduld. Für die Entstehung einer Schwangerschaft sind viele fein aufeinander abgestimmte Abläufe nötig, an denen weibliche und männliche Organe und Geschlechtshormone beteiligt sind. Auch die Psyche von Frau und Mann kann eine Rolle spielen. Ist nur ein Faktor innerhalb dieser komplexen Abläufe gestört, kann das eine Schwangerschaft verzögern oder erschweren.

Die normale Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft liegt pro Monatszyklus nur bei etwa 30 Prozent. Ein Drittel aller Frauen muss länger als ein Jahr warten, bis sich eine Schwangerschaft einstellt. Mehrmonatige Wartezeiten sind daher kein Grund zur Besorgnis.

Stimmt es, dass oft bei beiden Partnern eine Fruchtbarkeitsstörung gefunden wird?

Fruchtbarkeitsstörungen können beide Geschlechter betreffen. Die Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit sind bei Mann und Frau beinahe gleich verteilt. Bei 20 Prozent der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch lässt sich sowohl bei der Frau als auch beim Mann eine eingeschränkte Fruchtbarkeit feststellen.

Es ist deshalb Standard, beide Partner zu untersuchen, wenn die erhoffte Schwangerschaft ausbleibt. Bevor eine Frau körperlich belastende diagnostische Verfahren, wie zum Beispiel Untersuchungen ihrer Eileiter, vornehmen lässt, sollte ihr Partner die Befruchtungsfähigkeit seiner Spermien prüfen lassen.

In etwa 10 Prozent der Fälle lassen sich trotz sorgfältiger medizinischer Diagnostik keine Ursachen für das Ausbleiben der Schwangerschaft finden.

 

Lesen Sie auch...

 
1123