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Fortpflanzungsfunktionen sind störanfällig

Paar im Konflikt © Getty Images/Noel Hendrickson

Fruchtbarkeit unterliegt Schwankungen und verändert sich – bei beiden Geschlechtern können sich fruchtbare und weniger fruchtbare Zeiten abwechseln. Die wenigsten Menschen machen sich darüber Gedanken, es sei denn, sie haben einen Kinderwunsch. Wie kommt es, dass es mit der gewünschten Schwangerschaft nicht immer auf Anhieb klappt?


Warum auch der "optimale Zeitpunkt" nicht immer zu einer Schwangerschaft führt

Nicht jeder ungeschützte Geschlechtsverkehr führt zu einer Schwangerschaft. Selbst während der hochfruchtbaren Phase liegt die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, nur bei ungefähr 30 Prozent. An den Tagen davor ist es umso unwahrscheinlicher, je weiter der Eisprung noch entfernt ist. Und auch nach dem Eisprung nimmt die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, wieder ab. Darüber hinaus entwickeln sich bis zu 70 Prozent aller befruchteten Eizellen nicht weiter und gehen oftmals unbemerkt mit der Menstruationsblutung ab.

Fruchtbarkeit wird von vielen Faktoren bestimmt

Für die Entstehung einer Schwangerschaft sind viele, fein aufeinander abgestimmte Faktoren nötig: das Heranreifen von Eizelle und Samenzellen, der Weg der Samenzellen zur Eizelle, die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, der Transport der befruchteten Eizelle durch den Eileiter, die Entwicklung eines Embryos und seine Einnistung in die Gebärmutterhöhle. An diesen Vorgängen sind Organe, Hormone sowie die Psyche beteiligt. Ist nur ein Faktor innerhalb dieser Abläufe gestört, kann dies zu Komplikationen führen und eine Schwangerschaft erschweren oder verhindern.

Fruchtbarkeitsprobleme werden nicht immer bemerkt

Manchmal ahnen Frauen oder Männer schon, dass sie vielleicht ein hormonelles Problem haben oder sie nehmen ohnehin Medikamente, weil die Ärztin oder der Arzt eine Störung festgestellt hat.

Meistens werden Fruchtbarkeitsstörungen aber erst bemerkt, wenn sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt. Viele Paare sind erstaunt, wenn sich die erhoffte Schwangerschaft nicht gleich einstellt. Sie geraten dann schnell in Sorge, dass es mit der gewünschten Schwangerschaft gar nicht klappen könnte. Doch Fruchtbarkeit lässt sich nicht auf ein einfaches Schema reduzieren und unterliegt vielen Einflüssen. Störungen müssen nicht dauerhaft sein.

Es gibt die Möglichkeit, die eigene Fortpflanzungsfähigkeit durch einen gesunden Lebensstil zu stärken. Und auch die Medizin bietet in vielen Fällen bei Problemen Möglichkeiten der Behandlung an. Bleibt ein Kinderwunsch über einen längeren Zeitraum unerfüllt, kann eine Ursachenklärung wichtig werden, um mögliche ernsthafte Erkrankungen auszuschließen oder zu behandeln.

Weitere Informationen zum Thema

Publikationen zum Thema

Anette Engelmeyer und Dr. Wolfgang Straff, Umweltbundesamt
Umweltbundesamt, Bundesamt für Strahlenschutz, Bundesinstitut für Risikobewertung, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, RobertKoch-Institut
Berlin 2008 | Preis: kostenlos
Freundl Günter; Gnoth, Christian; Frank-Herrmann, Petra
München 2001 | Preis: 16,90 €

Häufig gestellte Fragen

Wieweit spielt das Alter des Mannes bei unerfülltem Kinderwunsch eine Rolle?

Viele Männer sind auch in höherem Alter noch zeugungsfähig. Dennoch wird auch die Fruchtbarkeit des Mannes, wie die der Frau, durch Alterungsprozesse beeinflusst. Hierbei ist zu beobachten, dass die Hodenfunktion eingeschränkt ist, der Hormonspiegel abnimmt, eine Verringerung der Spermienbildung vorliegt und die Beweglichkeit der Spermien nachlässt.

Tragen die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung, dann nur noch bis zum 50. Lebensjahr des Mannes.

Wann sollte ein Paar mit Kinderwunsch zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen?

Hat ein Paar regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr und tritt nach einem Jahr oder länger keine Schwangerschaft ein, sollten Frau und Mann sich von einer Ärztin oder einem Arzt beraten lassen.

Gibt es jedoch konkrete Anhaltspunkte für eine Schädigung der Fortpflanzungsorgane, wie zum Beispiel eine vorausgegangene Eileiterschwangerschaft, eine Chlamydieninfektion oder eine Operation an den Hoden, ist es ratsam, gleich ärztliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Woran liegt es, wenn ein Paar länger auf eine Schwangerschaft warten muss?

Viele Menschen erwarten, dass eine Schwangerschaft sofort eintritt, wenn sie nicht verhüten. Die Fortpflanzung ist aber ein sehr komplexes Geschehen und erfordert manchmal etwas Geduld. Für die Entstehung einer Schwangerschaft sind viele fein aufeinander abgestimmte Abläufe nötig, an denen weibliche und männliche Organe und Geschlechtshormone beteiligt sind. Auch die Psyche von Frau und Mann kann eine Rolle spielen. Ist nur ein Faktor innerhalb dieser komplexen Abläufe gestört, kann das eine Schwangerschaft verzögern oder erschweren.

Die normale Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft liegt pro Monatszyklus nur bei etwa 30 Prozent. Ein Drittel aller Frauen muss länger als ein Jahr warten, bis sich eine Schwangerschaft einstellt. Mehrmonatige Wartezeiten sind daher kein Grund zur Besorgnis.

Ich hatte schon zwei Fehlgeburten, angeblich wegen einer Gelbkörperschwäche. Was genau ist das und was kann man dagegen tun?

Das Gelbkörperhormon Progesteron wird nach dem Eisprung etwa bis zur 10. Schwangerschaftswoche im Gelbkörper produziert, der nach dem Eisprung aus den Resten der Eihülle entsteht. Danach wird die Produktion von Progesteron von der Plazenta übernommen. Das Gelbkörperhormon hat die Aufgabe, die Gebärmutterschleimhaut aufzubauen, sie auf die Einnistung der Eizelle vorzubereiten und während der Schwangerschaft zu erhalten. Bei der so genannten Gelbkörperschwäche (medizinische Bezeichnung: Corpus-luteum-Insuffizienz) produziert der Gelbkörper zu wenig Progesteron. Deshalb baut sich die Gebärmutterschleimhaut nur unzureichend auf, und die befruchtete Eizelle kann sich nicht einnisten.

Es gibt verschiedene pflanzliche Präparate, homöopathische Arzneien und synthetische Hormone, mit denen der Gelbkörper zu einer vermehrten Hormonausschüttung veranlasst werden kann. Welche Maßnahmen oder Medikamente geeignet sind, kann nur der Arzt /die Ärztin entscheiden.

Stimmt es, dass oft bei beiden Partnern eine Fruchtbarkeitsstörung gefunden wird?

Fruchtbarkeitsstörungen können beide Geschlechter betreffen. Die Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit sind bei Mann und Frau beinahe gleich verteilt. Bei 20 Prozent der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch lässt sich sowohl bei der Frau als auch beim Mann eine eingeschränkte Fruchtbarkeit feststellen.

Es ist deshalb Standard, beide Partner zu untersuchen, wenn die erhoffte Schwangerschaft ausbleibt. Bevor eine Frau körperlich belastende diagnostische Verfahren, wie zum Beispiel Untersuchungen ihrer Eileiter, vornehmen lässt, sollte ihr Partner die Befruchtungsfähigkeit seiner Spermien prüfen lassen.

In etwa 10 Prozent der Fälle lassen sich trotz sorgfältiger medizinischer Diagnostik keine Ursachen für das Ausbleiben der Schwangerschaft finden.

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