Im Jahr 1978 verhalf die Geburt von Louise Brown in England der modernen Fortpflanzungsmedizin zu einem sensationellen Erfolg: Das Mädchen war nach einer künstlichen Befruchtung durch In-Vitro-Fertilisation (IVF) gesund geboren worden. Die Verfahren der Reproduktionsmedizin haben sich innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne sprunghaft entwickelt und damit einhergehend wurden weltweit viele repoduktionsmedizinische Praxen oder Zentren gegründet. Allein in Deutschland werden jährlich mehrere tausend „IVF-Kinder“ geboren.
Das Für und Wider abwägen
Bei bestimmten Fruchtbarkeitsstörungen und wenn alle anderen Methoden nicht zu einer Schwangerschaft führten, bietet die In-Vitro-Fertilisation eine Chance, doch noch ein eigenes Kind zu bekommen. Man versteht darunter die Befruchtung außerhalb des Körpers im Laborglas (in vitro = im Glas). Aber eine solche Behandlung ist sehr aufwändig und kann für die Paare, insbesondere die Frau, zu einer großen körperlichen und seelischen Belastung führen. Und es gibt keine Garantie für einen Erfolg. Deshalb ist es wichtig, sich möglichst schon vor einer Behandlung damit zu beschäftigen, wo die eigenen Grenzen liegen: Wie viel wollen wir uns zumuten? Wollen wir wirklich alles ausschöpfen, was medizinisch machbar ist? Was machen wir, wenn es nicht klappt? Auch ganz praktische Dinge müssen überlegt werden, denn IVF-Behandlungen kosten Zeit und Geld. Wenn sich bei einem der Partner Angst oder Unbehagen angesichts einer Sterilitätsbehandlung einstellen, muss man diese Gefühle ernst nehmen. Psyche und Partnerschaft spielen bei der Kinderwunschbehandlung eine sehr wichtige Rolle.
Gründe für eine IVF-Behandlung
Eine IVF-Behandlung ist für viele Paare der letzte Versuch, ein Kind zu bekommen. Oft haben sie schon jahrelang versucht, eine Schwangerschaft herbeizuführen. Viele haben schon andere Behandlungen wie zum Beispiel eine Insemination hinter sich gebracht.
Die IVF wird vor allem in folgenden Fällen angewendet:
- Verschluss oder Fehlen der Eileiter,
- verminderte Zeugungsfähigkeit des Mannes,
- Antikörperbildung der Frau gegen die Samenzellen (immunologische Sterilität) und
- wenn alle anderen Methoden nicht zu einer Schwangerschaft führen.
weiterführende Informationen
- Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung
- Deutsches IVF-Register
- Frauengesundheitszentren in Deutschland
- pro familia-Broschüre Unerfüllter Kinderwunsch (PDF)
- Sehnsucht nach einem Kind
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist ein Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärztinnen und Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern. Seine Aufgabe ist es zu konkretisieren, welche ambulanten oder stationären medizinischen Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und somit zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Auf dieser Seite können die Richtlinien des Ausschusses über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung als PDF-Dokument heruntergeladen werden. (Recherchedatum: 11.04.2007)
Das Deutsche IVF-Register erhebt zum Zweck der Qualitätssicherung seit 1992 Daten aus dem Bereich der Reproduktionsmedizin. Neben fachlichen Informationen bietet die Seite unter der Rubrik "Zentren" eine umfangreiche Liste von Kliniken und Praxen in Deutschland, die im Bereich der Reproduktionsmedizin tätig sind. Weiterführende Links verweisen auf die jeweiligen Informationsangebote der Einrichtungen im Internet. (Recherchedatum: 25.02.2006)
Auf diesen Seiten stellt der Bundesverband der Frauengesundheitszentren e. V. seine Arbeit vor. Die Zentren bieten Frauen und Mädchen unabhängige Beratung in allen Gesundheitsfragen, einige auch zum Thema unerfüllter Kinderwunsch. Die Beratung basiert auf dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" und hat das Ziel, die gesundheitliche Eigenkompetenz von Frauen und Mädchen zu stärken. Auf der Seite des Dachverbandes finden sich die Adressen der Frauengesundheitszentren in Deutschland. (Recherchedatum: 22.08.2006)
Die 36-Seitige Broschüre von pro familia thematisiert Ursachen von Unfruchtbarkeit und ihre Behandlung, Methoden der künstlichen Befruchtung und deren Kosten sowie die Möglichkeit einer Adoption oder der Pflegeelternschaft. Die kostenlose Broschüre kann hier bestellt oder als PDF heruntergeladen werden. (Recherchedatum: 01.08. 2006)
Die 56 seitige Broschüre der BZgA setzt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Medizin auseinander. Sie kann als PDF-Dokument heruntergeladen oder bestellt werden. (Recherchedatum: 26.10.2006)
Publikationen zum Thema
Häufig gestellte Fragen
Wie kann ich herausfinden, welche Behandlungsmethode für mich/uns die richtige ist?
Welche Behandlungsmethode individuell am besten geeinget ist, hängt zum einen von der Ursache der Fruchtbarkeitsstörung ab, zum anderen aber auch von der Frage, in welchem Umfang das Paar bereit ist, zeitliche, gesundheitliche und psychische Belastungen im Zusammenhang mit einer Sterilitätsbehandlung in Kauf zu nehmen. Welche Behandlungsverfahren überhaupt in Frage kommen, kann also erst nach einer eingehenden Diagnostik entschieden werden. Wird dann eine bestimmte Methode vorgeschlagen, ist es empfehlenswert, sich bei der Ärztin oder dem Arzt genau über die Art und Weise des Vorgehens, über die Behandlungsdauer, die Erfolgschancen und etwaige Risiken zu informieren. Nur so ist es möglich, mit der Behandlung verbundene Belastungen im Voraus einzuschätzen. Auch eine kurzzeitige psychologische Beratung kann bei der Entscheidungsfindung helfen und das Paar seelisch unterstützen. Die im Kanal Beratung aufgelisteten anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen beraten auch zum Thema "Unerfüllter Kinderwunsch". Sie bieten auch psychologische Begleitung bei einer Sterilitätsbehandlung und können bei der Suche nach einer geeigneten Praxis oder Klinik behilflich sein.
Gibt es eine Altersgrenze für die Durchführung einer In-Vitro-Fertilisation?
Die gesetzlichen Krankenkassen machen die anteilige Kostenübernahme für eine IVF-Behandlung neben anderen Voraussetzungen auch vom Alter des Paares abhängig. Die Frau und der Mann dürfen frühestens im Alter von jeweils 25 Jahren mit einer IVF-Behandlung beginnen. Das Höchstalter der Frau ist auf 40 Jahre, das Höchstalter des Mannes auf 50 Jahre begrenzt.
Es gibt jedoch viele Frauen und Paare, die jenseits dieser Altersgrenzen eine Fruchtbarkeitsbehandlung wünschen und diese privat zahlen. Für eine aussichtsreiche Behandlung ist es vor allem wichtig, dass die Eierstöcke der Frau auf eine Hormonbehandlung mit der Bildung von befruchtungsfähigen Eizellen reagieren.
Der biologische Alterungsprozess ist von Frau zu Frau verschieden, so dass sich eine genaue Altersgrenze nicht festlegen lässt. Ältere Frauen müssen sich jedoch mehr als jüngere Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen darauf einstellen, dass sie trotz einer Behandlung möglicherweise nicht mehr schwanger werden können. Auch die Rate an Fehlgeburten nimmt mit dem Alter zu.
Warum wurde bei der In-Vitro-Fertilisation die Rückgabe von Embryonen in die Gebärmutter begrenzt?
In Deutschland dürfen Medizinerinnen und Mediziner höchstens drei Embryonen pro Behandlung in den Körper der Frau einsetzen. Da in der Regel ab einem Alter der Frau von 35 Jahren mit jedem Embryo eine Schwangerschaft wahrscheinlicher wird, wünschen sich manche Paare den Transfer möglichst vieler Embryonen. Andererseits erhöht sich dadurch auch das Risiko für eine Mehrlingsschwangerschaft, insbesondere bei jüngeren Frauen. Schon bei Drillingen gibt es wesentlich mehr Komplikationen und Risiken als bei Einlingen und Zwillingen. In manchen reproduktionsmedizinischen Zentren werden deshalb nur zwei Embryonen übertragen, insbesondere, wenn die Frau jünger als 38 Jahre ist.
In welchen Fällen wird eine In-Vitro-Fertilisation vorgenommen?
Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) wurde ursprünglich für Frauen entwickelt, deren Eileiter verschlossen sind oder fehlen. Mittlerweile kommt IVF auch in anderen Fällen in Betracht, zum Beispiel bei schlechter Spermienqualität, dann meistens in Verbindung mit einer Spermieninjektion (ICSI). Auch für Paare, bei denen andere Therapien erfolglos geblieben sind oder bei denen die Ursache ungeklärt ist, stellt die IVF eine Behandlungsmöglichkeit dar.
Manche Paare drängen darauf, dass sofort alle verfügbaren Methoden eingesetzt werden. Ihre Ungeduld ist verständlich, besonders wenn sie schon lange auf ein Kind warten. Aber eine IVF ist körperlich und seelisch besonders belastend. Sie soll nur vorgenommen werden, wenn aus medizinischer Sicht keine Aussicht besteht, dass durch andere Möglichkeiten eine Schwangerschaft zustande kommt.
Wie zuverlässig ist die Behandlung durch In-Vitro-Fertilisation?
In-Vitro-Fertilisation (IVF) und Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) sind seit Jahren erprobte Methoden, aber sie sind sehr komplex und damit störungsanfällig. Es kommt öfters vor, dass einzelne Schritte nicht gelingen. Zum Beispiel entwickeln sich nicht immer befruchtungsfähige Eizellen. Oder es findet keine Befruchtung statt. Oder es nistet sich nach der Übertragung kein Embryo in der Gebärmutter ein. Die Ursachen dafür sind sehr unterschiedlich und lassen sich nicht immer genau feststellen.
Was ist die Baby-Take-Home-Rate?
Der Begriff "Baby-Take-Home-Rate", kurz BTHR, bezeichnet die Erfolgsquoten bei den verschiedenen Methoden künstlicher Befruchtung. Da nicht alle Schwangerschaften, die durch eine künstliche Befruchtung erzielt werden, tatsächlich zu einer Geburt führen, gibt die in Statistiken häufig genannte Schwangerschaftsrate keine zuverlässige Auskunft über die tatsächlichen Erfolge, die mit einer Behandlungsmethode erreicht wurden. Die Baby-Take-Home-Rate gibt dagegen die statistisch erfassten Geburten nach künstlicher Befruchtung an.
Stimmt es, dass...
Stimmt es, dass in Deutschland immer mehr Kinder nach einer In-Vitro_Fertilisation geboren werden?
Die In-Vitro-Fertilisation ist ein häufig angewendetes Verfahren in der Sterilitätsbehandlung. Seit ihrer Entwicklung im Jahr 1978 wurden weltweit mehr als eine Million Menschen in einem Laborglas gezeugt. In Deutschland werden jährlich mehrere tausend Kinder nach einer In-Vitro-Fertilisation geboren.
Stimmt es, dass das Kind durch ICSI eine Fehlbildung bekommen kann?
Fehlbildungen kommen sowohl bei Kindern vor, die auf natürlichem Weg gezeugt werden, als auch bei Kindern nach künstlicher Befruchtung. Es gibt Hinweise, dass das Sterilitätsproblem des Paares eventuell im Zusammenhang mit der ICSI-Behandlung zu vermehrten Auffälligkeiten der Kinder führt. Nach dem derzeitigen Forschungsstand kann man dazu keine eindeutige Aussage machen. Â


